Frage von remans,

Wie sicher sind synthetische ETF's?

Hallo,

kann mir bitte jemand erklären, wie sicher synthetische ETF's sind?

Ich kann sowieso nicht nachvollziehen, weshalb sich für die etwas "seltsamen" Portfolios, die zur Sicherheit hinterlegt sind sich immer ein Swap-Partner findet - liegt das daran, dass dieser Partner dann immer die zugehörige Investmentbank ist (Xtrackers -> DB, Comstage -> CoBa)?

Wenn ja müsste ja aber das Gegenparteirisiko lediglich dem Insolvenzrisiko der Investmentbank entsprechen (also wie warscheinlich ist es, dass die Deutsche Bank zahlungsunfähig wird?).

Kann man das so sehen? Kann man dann sagen, dass das einzige Risiko (abgesehen vom Kursänderungs/Währungsrisiko des zu Grunde liegenden Indizes) bei DB-Xtrackers in der Insolvenz der Deutschen Bank besteht? Was bedeutet dann aber die 10%-Grenze, da ja ein Swap maximal über 10 % des Fondsvolumens mit einem Vertragspartner gemacht werden darf?

Vielen Dank vorab!

MfG

R.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von spiridon1975,

Es gibt verschiedene Konstruktionen fuer Swap-ETFs. Am haeufigsten geht dies so: Der ETF investiert das Geld in Wertpapiere, die von dem Index i.d.R. verschieden sind. Diese Wertpapiere bilden das Sondervermoegen des Fonds. Zusaetzlich enthaelt das Sondervermoegern eine Swap-Vertrag, der diese Wertpapiere gegen den Wert des Index tauscht. Die Abweichung des Wertes der gehaltenen Wertpapiere von dem Indexwert ist der Wert des Swap (positiv oder negativ). Der Wert des Swaps pro Tauschpartner ist max. 10%. In gewissen Zeitabstaenden wird der Swapwert durch Zu-/Abfluss von Geld zum/vom Swappartner auf 0 gesetzt.

Bei einer Pleite des Swappartners ist der Swap wertlos. Der Wert des Fonds ist der Wert der Wertpapiere die der Fond haelt, die aber eben nicht dem Index entsprechen.

Bei den db-x-trackers ist die Deutsche Bank der einzige Swappartner und es wird keine Wertpapierleihe betrieben. In diesem Fall ist es richtig, dass Emittentenrisiko nur bzgl. der Insolvenz der Deutschen Bank besteht.

Es gibt auch Swap-ETFs (z.B. ComStage) die aehnlich wie physisch replizierende ETFs und aktiv gemanagte Fonds zusaetzlich Wertpapierleihe betreiben. Hier besteht zusaetzlich Risiko bei einer Insolvenz der Leihepartner.

Kommentar von remans ,

Vielen Dank für deine Antwort!

Kannst du mir auch sagen, welchen Sinn es macht, den Wert eines Swap's auf 10% des Sondervermögens zu begrenzen, wenn alle mit dem gleichen Partner geschlossen werden - nach meinem Verständnis könnte man dann doch gleich einen Swap über das gesamte Portfolio abschließen.

Welches Interesse sollte die Deutsche Bank haben die Rendite eines bestimmten Wertpapierportfolios XYZ gegen die Rendite des DAX zu tauschen?

Kannst du mir bitte auch noch sagen, woher du weist das die DB keine Wertpapierleihe betreibt?

Weist du auch in welchen Zeitabständen die Swap's glattgestellt werden?

Vielen Dank vorab!

R.

Kommentar von spiridon1975 ,

Es duerfen nicht mehrere Swaps mit einem Partner geschlossen werden um die 10% Grenze zu umgehen. Die 10%-Grenze gilt pro Swappartner. Die meisten (nicht alle) ETFs haben nur einen Swappartner.

Die Zeitspanne der Glattstellung ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich (kann 1 Tag oder meherere Monate sein). Manche Anbieter uebersichern auch und stellen dann seltener glatt. Wie das bei db-x-trackers ist weiss ich nicht. Man kommt auch bei ETFs nicht um die Lektuere der Dokumente herum. Da auch innerhalb eines Anbieters ETFs unterschiedlich konstruiert ist, sollte man idealerweise fuer jedes Investment entsprechende Infos besorgen. Das mit der Wertpapierleihe habe ich mal recherchiert, wenn es um ein Investment geht, bei dem dieser Aspekt eine wichtige Rolle spielen soll, wuerde ich aber zur Sicherheit immer im Prospekt nachlesen.

Auch ETFs kosten Gebuehren. Da diese vergleichsweise niedrig sind, werden diese Produkte dem Endkunden nicht gerne verkauft. Auch ein ETF kann aber dadurch hinter dem Index zurueckbleiben. Bisweilen wird das durch zusaetzliche Geschaefte wie Wertpapierleihe ausgeglichen, wobei die Bank an solchen Geschaeften immer mitverdient. Wie gross der Gewinn durch weitere Geschaefte (evtl. durch Parken von Wertpapieren oder Spekulation auf groessere Wertsteigerung des Wertpapierkorbs im Vergleich zum Index ) ist kann ich als nur Privatanleger leider nicht kompetent beantworten. Die Bank erzielt aber ohne Frage Gewinne durch den Handel mit Wertpapieren.

Kommentar von remans ,

Sorry, aber auch DB-Xtrackers betreiben Wertpapierleihe:

http://www.etf.db.com/DE/DE/showpage.asp?pageid=310

"Können sich db x-trackers ETFs besser als ihr zugrunde liegender Index entwickeln?"

...Dies kann beispielsweise durch Erträge aus Wertpapierleihe oder Optimierung der Dividendenzahlungen, die an den ETF weitergegeben werden, geschehen....

Danke trotzdem!

Kommentar von spiridon1975 ,

Seit kurzem bietet db-x-tracker auch physisch replizierende ETFs auf einzelne Indizes an. Soweit ich das sehe, bezieht sich die Wertpapierleihe nur auf physisch replizierende ETFs sowie auf gehebelte und short-Indizes mit Swaps, nicht aber auf Swap-ETFs auf typische Long Indizes wie MSCI World.

Wenn das ein wichtiger Aspekt für Dich ist, musst Du versuchen die Anlagepolitik anhand des aktuellen Prospektes nachzuvollziehen.

Auch die Swapkonstruktion kann bei einigen ETFs anders ausfallen als von mir beschrieben.

Kommentar von spiridon1975 ,

Der Text in Deinem Link klingt allerdings anders als das was ich geschrieben habe. Das was ich geschrieben habe entspricht dagegen meinem Verständnis vom Prospekt. Mich interessiert der Aspekt jetzt auch. Ich stelle das mal als gesonderte Frage ein. Vielleicht antwortet jemand jemand, der das Prospekt gelesen hat ...

Antwort
von leuschner44577,

Ein synthetischer, bzw. Swap-basierter Indexfonds bildet eben nicht zu 100% seinen Index nach, sondern kann für bis zu 10% einen Swap-Partner haben. Falls dieser Swap-Partner ausfallen sollte, wären also bis zur Grenze von 10% die Anteile am Fondsvermögen weg, bzw. gefährdet. Insofern ist das tatsächliche Ausfallrisiko eines Swap-basierten Indexfonds auf diese 10% begrenzt, wie du richtigerweise selber bereits geschrieben hast, unabhängig von möglichen Kursrisiken.

Kommentar von remans ,

Ich glaube du hast da ein bisschen was falsch verstanden. Ein Swap-basierender ETF bildet mit seinem Portfolio eventuell garnicht den zu Grunde liegenden Index nach. Die Entwicklung des Indizes wird NUR über Swaps erreicht.

Hierbei ist darf dann ein Swap maximal 10 % des Fondsvolumens entsprechen, d.h. es müssen mehrere Swap's abgeschlossen werden.

Deshalb auch die Frage, wie das sinn macht, wenn alles Swaps mit dem selben Vertragspartner geschlossen werden.

Deine Beschreibung trifft ehr auf teilsynthetische ETF's zu.

Danke trotzdem!!!

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