Frage von Hape0,

Wie riskant ist der Rohstoffhandel?

Ist der Rohstoffmarkt fuer private Geldanlagen geeignet oder ist das Risiko zu hoch? Macht es Sinn so etwas in geringer Menge im Depot zu haben?

Antwort
von gandalf94305,

Was ist denn "der Rohstoffhandel"?

  • Es gibt physische Rohstoffe, d.h. Gold, Silber, Kupfer, Kakao, Orangensaft, Wasser, Milch.

  • Es gibt Futures und Optionen auf viele Rohstoffe.

  • Es gibt Aktien von Unternehmen, die in der Rohstoffexploration, -förderung, -herstellung und -verarbeitung bzw. -distribution tätig sind.

Wie investiert man?

Physische Rohstoffe kommen i.a. nur in Form unvergänglicher Rohstoffe mit hoher Wertdichte und -beständigkeit in Frage, d.h. Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin. Damit willst Du aber nicht wirklich handeln, da das für Privatanleger die falsche Größenordnung ist. Produzent von Rohstoffen bist Du wahrscheinlich auch nicht.

Rohstoffderivate bilden die aktuellen oder zukünftigen Preise im Rohstoffmarkt für einzelne Rohstoffe oder Bündel (Baskets oder Rohstoffindices) davon ab. Hier ist die Idee, daß Rohstoffe durch steigende Nachfrage in den Emerging Markets und durch tendenziell steigende Inflation mit der Zeit teurer werden. Also kann man in einen Rohstoffindex investieren, der das Risiko der Einzelpreisentwicklung noch diversifiziert. Hier kann man auch schon für kleine Beträge bzw. über Sparpläne einsteigen. Zur Sinnhaftigkeit weiter unten.

Rohstoffaktien sind Aktien von Unternehmen, die sich mit Rohstoffen auf die eine oder andere Weise befassen. Damit hat man eine Sachwertanlage, die bei globalen, gut diversifizierten Unternehmen in Prinzip auch robust gegen Inflation ist. Aufgrund der hohen Vorlaufkosten in manchen Rohstoffbereichen (z.B. Öl und Gas, Metallabbau in Minen) sind das investtionsintensive Bereiche, d.h. diese Unternehmen schütten nicht die Monsterdividenden aus. Die Kursentwicklung folgt aufgrund der Aktiennatur eher den globalen Aktienmärkten (der Konjunktur) als den Rohstoffpreisen, obwohl im Falle einer Verknappung natürlich auch hier die Margen steigen und Unternehmen davon profitieren. Man kann sich einzelne Aktien kaufen (für harmlose Privatanleger eher nicht empfehlenswert, da volatil) oder in einschlägige Fonds, z.B. auch per Sparplan, investieren.

Wann investiert man?

Hier muß man die unterschiedlichen Rohstoffklassen unterscheiden.

  • Livestock (z.B. Schwein, Rind, Schaf) ist recht stabil über das Jahr hinweg und wird eher von der steigenden Fleischnachfrage in Emerging Markets getrieben.

  • Agrarprodukte (z.B. Weizen, Soja, Mais, Reis) laufen mit den Jahreszeiten bzw. Wetterlagen. Sondereffekte wie Krankheiten, Unwetter oder Trockenperioden können kurzfristig Preise treiben.

  • Der Sonderfall "Timber" (Holz, Bauholz) wird primär durch die Bauaktivitäten in USA getrieben und korreliert daher stark mit den Housing-Zahlen.

  • Der Sonderfall "Wasser" wird in den üblichen Rohstofffonds nicht berücksichtigt und durch Spezialfonds abgedeckt.

  • Energie (Öl, Gas, Raffinate) läuft mit einem gesunden Basisrauschen auch in Zyklen, nämlich im Prinzip mit den Konjunkturzyklen, da in Boomphasen vor allem auch der Energiebedarf steigt. Ansonste findet man überlagernd den saisonalen Zyklus mit Schwerpunkt im Winter (Heizperiode).

  • Industriemetalle (Kupfer, Nickel, Zink, Blei, Aluminium, incl. Palladium und Platin) laufen mit den Konjunkturzyklen, wobei einige Metalle Frühzykliker sind und andere erst im Aufschwung stärker nachgefragt werden. Manche Metalle hängen von Einzelindustrien stark ab (z.B. Palladium - Automobilindustrie).

  • Edelmetalle wie Silber und Gold werden als Ersatzwährung bzw. Spekulationsobjekt verwendet. Man sieht hier wenig rationale Bewegungen...

  • Rare Metals/Earths (z.B. Neodym) sind ein Spezialthema, das ziemlichen Hype erfahren hat.

Conclusio für harmlose Privatanleger?

Nimmst Du einen Rohstofffonds über alle Rohstoffklassen hinweg, bleibt zu hoffen, daß dieser die entsprechenden Umschichtungen selbst vornimmt und damit tendenziell gut laufen wird. Schau also die Monats- und Jahresberichte an, wie sich die Verteilung der Rohstoffklassen im Fonds geändert hat. Passiert hier nichts, bildet der Fonds nur einen Index ab und Du machst die Zyklen mit, die durch die vorgegebene Mischung definiert werden.

=> Zu komplex und daher eher nicht empfehlenswert.

Nimmst Du einzelne Rohstoffklassen heraus, dann kann es zu Kurseinbrüchen in "schlechten" Marktphasen kommen, d.h. Du solltest genau überlegen, wann nachzukaufen ist. Durch das gezielte Nachkaufen in Dellen kannst Du die Balance halten und im folgenden Aufschwung wieder profitieren.

=> Hier sind ETFs das Mittel der Wahl, jedoch muß man einiges an Erfahrung haben, um die Zyklen zu erkennen und passend zu handeln. Eher also nicht empfehlenswert.

Nimmst Du einen Rohstoffaktienfonds, dann kommt als weiterer Einflußfaktor die Marktstimmung in Aktienmärkten hinzu, d.h. hier gibt es eine Grundtendenz, die dem MSCI World oder ähnlichen Indices folgt. Hier sollte man ebenso die Branchengewichtung beobachten und ggf. gezielt nachkaufen oder die Positionen über Sparpläne auf- und ausbauen.

=> Das wäre aus meiner Sicht der Weg für harmlose Privatanleger.

Kommentar von Candlejack ,

Es nötigt mir immer wieder Respekt ab, wie ausführlich Du Dich äußerst bzw. äußern kannst. Für solche Antworten fehlt mir im Alltag einfach die Zeit !

Antwort
von digger,

Der Rohstoffmarkt ist sehr volatil und hat entsprechend hohes Risiko. Geld solltest Du in Rohstoffen nur anlegen, wenn der Verlust selbigens Dir finanziell nicht weh tut.

Antwort
von Privatier59,

Deine Frage klingt nicht gerade danach, als ob Du fachkundig im Rohstoffhandel bist. Da würde ich mich dieses Themas doch allenfalls über ein Fonds annehmen und zwar einen, der breit in Rohstoffe investiert und nicht auf ein bestimmtes Thema konzentriert ist.

Antwort
von obelix,

kannst du genauer darauf eingehen? Der Bereich Rohstoffe ist kein kleiner, daher solltest du en detail ein Paar Dinge nennen.

Ich habe regelmässig auch einen Rohstoff in einem rollenden Depot: Kraftstoff für meinen Pkw. Der Handel ist unriskant, wenn auch teuer :)

Antwort
von NasiGoreng,

Das ist eine tolle Anlage.

Hebe mir erst gestern 30kg Rohstoffhandel ins Depot gekauft und noch 15 Zertifikate auf Rohstoffhandel leerverkauft. Ich rechne damit, dass Rohstoffhandel wegen der großen Nachfrage aus Nordkorea steigt, die Zertifikate wegen der dubiosen Bonität des Emittenten aber fallen.

Kommentar von gandalf94305 ,

Das erinnert mich an die Frage nach der Farbe der Datenbank...

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