Frage von Hansi78, 166

Wie können wir eine für alle Geschwisterteile gerechte Lösung des Wertausgleichs im Erbfall finden?

Folgende Situation stellt sich zur Zeit bei uns dar: Meine Frau und ich möchten das Haus der Schwiegereltern umbauen (Umbaukosten ca. 230tEuro) und dann dort einziehen. Meine Schwiegereltern bleiben im Haus auf den unteren beiden Etagen wohnen. Da mein Schwiegervater nicht möchte, dass wir Eigentümer werden und er auch gegen eine Eigentümergemeinschaft ist, hat er vorgeschlagen, dass er den Kredit bei der Bank aufnimmt und wir zur Miete dort wohnen. Leider denke ich, dass diese Lösung zu unseren Ungunsten im Erbfall ist. Meine Frau hat noch zwei Geschwister und es sind noch zwei weitere Immobilien neben dem Elternhaus, die in die Erbmasse eingehen. Im Erbfall haben wir ja bereits die Miete bezahlt, müssen dann noch die evtl. Restschuld tilgen und zahlen dann noch den durch die Umbaumaßnahme erhöhten Wert des Hauses zum Wertausgleich. Testamentarisch ist festgelegt, dass meine Frau die Immobilie erbt. Zusätzlich möchten wir aber auch verankern, dass die getätigten Umbaumaßnahmen aus der Erbmasse rausgehalten werden. Mit diesem Punkt sind aber nicht alle Geschwister einverstanden, da sie der Ansicht sind (und die Argumente kann ich nachvollziehen), dass wir ja quasi keine richtige Miete an meinen Schwiegervater zahlen (diese soll 1:1 für die Tilgung des Kredits verwendet werden), wenn dann im Erbfall die Umbaukosten wieder vom Wert des Hauses abgezogen werden. Der springende Punkt ist eigentlich, dass meine Frau und ich keine Miete zahlen wollen, wenn wir im Erbfall dann auch noch die Geschwister um den höheren Betrag durch die Wertsteigerung der Immobilie auszahlen müssen. Gibt es dazu einen Lösungsweg, wie man die Umbaukosten, die wir gerne tätigen möchten, aus der Erbmasse raushält und sich trotzdem kein Geschwisterteil benachteiligt fühlt? Dadurch, dass die Miete, die wir zahlen zu 100% in die Kredittilgung einfließt, wohnen wir praktisch mietfrei und für diese Mietfreiheit sollen die Geschwister ja im Erbfall "entschädigt" werden.

Antwort vom Anwalt erhalten
Anzeige

Schneller und günstiger Rat zum Erbrecht. Kompetent, von geprüften Rechtsanwälten.

Experten fragen

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Erbe, 160

Aus meiner Sicht gäbe es zwei Lösungswege:

1. Der Schwiegervater räumt Euch ein "Erbbaurecht" ein. D.h. Ihr baut auf eigene Kosten, auf einem eigenen Grundbuchblatt verankert und Euer Anbau/Aufbau/Zubau wird nicht Eigentum des Schwiegervater/der Schwiegereltern. Ich weiss aber nicht, ob das bei dem Gebäude so ohne weiteres geht.

2. Aus dem Testament, wird ein Erbvertrag gemacht, in dem das gleiche steht, wie anscheinend im Testamen, also Kind A bekommt Haus 1, Kind B Haus 2 udn Kind C Haus 3. Aber es wird eben aufgenommen, dass Ihr einen Anbau errichtet, der später bei einem etwaigen Wertausgleich nicht angerechnet wird.

Trotzdem, müsst ihr immer berücksichtigen, wenn Ihr keinen Anteil am Grundstück habt (jetzt), dann geht ihr voll ins Risiko, denn alles was Ihr auf dem Grundstück investiert, geht automatisch in das Eigentum des Hausbesitzers über. Zwar würde wohl der Kredit auf dem Haus abgesichert, aber wenn was schief geht, seid ihr alles los., insbesondere, wenn ihr den Kredit selbst aufnehmt. Denn dann wäre der Bau weg, aber die Schulden bleiben.

Ich selbst würde in der Situation (jetzt des Schwiegervaters), Euch das Haus übertragen und mir ein lebenslanges Wohnrecht sichern. Aber das möchte Euer alter Herr ja wohl nicht.

Antwort
von Franzl0503, 116

Hansi:

Es wäre Sache eures Notars, einen gangbaren Weg aufzuzeigen. Etwa folgender:

Dinglicher Schuldner des Bankdarlehens über 230 000 werden die Grundstückseigentümer.

Persönliche Schuldner und Zahler werden in gesamtschuldnerische Haftung Du und deine Frau.

Die Sicherungsabrede darf sich nur auf das Baudarlehen beziehen, nicht etwa auf alle Ansprüche der Bank gegen die Eigentümer.

Auf euch beide erfolgt in unmittelbarem Grundbuchrang nach der Grundschuld von 230 000 € die Eintragung einer Eigentumsverschaffungs-Vormerkung. Sie schützt vor anderweitigen rechtsgeschäftlichen Verfügungen, Zwangsvollstreckungsmaßnahmen, Eröffnung des Insolvenzverfahrens gegen die Verpflichteten, Haftungsbeschränkung der Erben der Verpflichtenden.

Es bedarf der Vereinbarung mit der Bank, dass die Tilgung des Darlehens ausschließlich auf die Grundschuld und nicht auf die persönliche Forderung erfolgt.

Die Rückgewähransprüche gegen den Grundpfandrechtsgläubiger (Bank) sind an euch, die Zahler, abzutreten.

Bei der Verteilung des Nachlasses könnt ihr jederzeit nachweisen, dass alle Leistungen auf das Bankdarlehen und die Grundschuld allein von euch erbracht wurden

Die Miete wird mit der Annuität verrechnet.

So, jetzt sind Notar, Steuerexperte und die Bank gefordert.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten