Frage von betroffen, 150

Wie kann man die Steuern auf Kapitalerträge verringern?

Wir haben einen Bausparvertrag von der Sorte, die wegen der hohen Zinsen zur Zeit gerne von den Bausparkassen gekündigt werden. Nun ist es bald soweit. Dabei wird auch die Prämie ausgezahlt, die sich über 14 Jahre angesammelt hat. Hierbei geht es um 5666,-€, wir haben aber nur 551,-€ als Freistellungsauftrag zur Verfügung. Auf die übrigen 5115,- € fällt also Abgeltungsteuer an. Mit Soli und Kirchensteuer kommen knapp 28% zusammen, was 1432,-€ bedeuten würde. Kann man die Steuern irgendwie legal verringern?

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von gandalf94305, 147

Die Besteuerung erfolgt für die Erträge/Gewinne, die Jahr der Vertragsauflösung entstehen. Erträge/Gewinne aus Jahren zuvor wurden dort versteuert. Insbesondere werden Zinserträge zu den jeweiligen Jahren, auf die sie sich beziehen, gerechnet.

Bleibt also ein Betrag übrig, so kann dieser nur auf eine von vier Arten gemindert werden:

- Freistelllungsauftrag bzw. NV-Bescheinigung, soweit anwendbar

- Reduktion des Steuersatzes

- Verrechnung der Gewinne mit anrechenbarer Quelllensteuer.

- Verrechnung der Gewinne mit Verlusten

Für den ersten Punkt wären Minderjährige gut, die keine Einkünfte haben. Da sind dann 8.354 EUR plus 801 EUR plus noch etwas mehr steuerfrei unterzubringen. Der Übertrag auf Kinder, Geschwister, Eltern etc. ist möglich.

Der zweite Punkt greift nur, wenn Dein persönlicher Grenzsteuersatz unter 25% liegt.

Für den dritten Punkt reichen die ausgewiesenen Quellensteuern meist nicht wirklich aus, so daß diese Option keine wirkliche ist.

Der vierte Punkt bietet jedoch eine Möglichkeit, gezielt Steuern zu verlagern. Dafür gibt es zwei Wege:

- Verkauf und gleichzeitiger Wiederkauf einer Position, die sich im Minus befindet. Dadurch werden Verluste realisiert und die Gewinne auf einen späteren Zeitpunkt verlagert (wo man vielleicht wieder ein Stück Freistellungsauftrag zur Verfügung hat). Ist man bei einer Fondsbank ohne Ausgabeaufschläge, läßt sich das sogar ohne Mehrkosten und sonstige Risiken machen.

- Kauf eines Rentenfonds mit einem hohen ausgewiesenen Zwischengewinn. Der gezahlte Zwischengewinn wird beim Erwerb als Verlust verbucht, d.h. kann dann gegen Gewinne gegengerechnet werden. Beim Verkauf des Fonds werden die Zwischengewinne allerdings wieder als erhaltene Beträge berücksichtigt. Auch dies verlagert also den Gewinn nur auf einen späteren Zeitpunkt.

Prüfe einfach was möglich ist.

Kommentar von betroffen ,

Vielen Dank, das ist sehr ausführlich gewesen. Verluste haben wir nicht mehr (was ja auch sein Gutes hat) und die Kinder sind schon in Brot und Arbeit. Aber das wäre die Idee gewesen.

Antwort
von althaus, 149

Soweit ich verstanden habe wurden Zinsen jährlich besteuert aber der Boni bis zum Ende aufgehoben. Der gesamte Boni wird also zum Ende fällig. Dadurch entstehen hohe Kapitalerträge, die über den Freibetrag hinausgehen. Wenn Du noch einen minderjährigen Sohn oder Tochter hast die keine Kapitalerträge haben, dann übertrage den Bausparvertrag auf das Kind und hole Dir eine NV-Bescheinigung. Dann hättest Du Die Erträge steuerfrei. Jedoch gehört dann auch das Geld dem Kind. Zurück übertragen sollte man dann nicht mehr. Das wäre Steuerhinterziehung. 

Kommentar von betroffen ,

Danke - leider oder glücklicherweise... sind die Kinder in Brot und Arbeit und wenn, dann hätte ich ihnen die Zinsen geschenkt.

Antwort
von LittleArrow, 121

Wenn Euer gesamtes zu versteuernde Einkommen unter ca. € 31.000 liegt, dann kann die Belastung mit der sog. Abgeltungsteuer durch die Beantragung der Günstigerprüfung in der Anlage KAP reduziert werden.

Ansonsten bleibt nur der Ausweg, den althaus beschrieb.

Was ich nicht verstanden habe:

Nun ist es bald soweit.

Die Kündigung wegen hoher Zinsen wird OLG-weit verworfen. Allenfalls besteht ein Kündigungsrecht seitens der BSK, wenn insgesamt die Bausparsumme erreicht wurde und somit kein Bauspardarlehn mehr möglich ist.

Kommentar von LittleArrow ,

Dabei wird auch die Prämie ausgezahlt, die sich über 14 Jahre angesammelt hat.

Wenn damit die staatliche Wohnungsbauprämie gemeint ist, dann erfolgt die Auszahlung unversteuert, also ohne Abzüge.

Eine Prämie oder ein Bonus der BSK wäre hingegen zu versteuern.

Kommentar von betroffen ,

"Allenfalls besteht ein Kündigungsrecht seitens der BSK, wenn insgesamt die Bausparsumme erreicht wurde..."

Genau dieser Zustand ist bald soweit. /Danke kleiner Pfeil

Kommentar von betroffen ,

Sowas wie: "Ihr könnt euch das Geld doch zurückholen" hört man an jeder Ecke. Die Leute haben Vorstellungen?!

Denn wie Du schon sagst: ...wenn das zu versteuernde Einkommen unter ca. € 31.000 liegt... Als mittleres Angestelltenpaar, selbst mit nur 1,6 Arbeitsstellen sind wir da sehr weit drüber.

Mit anderen Worten unser lieber Staat versteuert die untere Mittelschicht schon wie Millionäre. b

Kommentar von LittleArrow ,

untere Mittelschicht schon wie Millionäre.

Das ist eine sehr vieldeutige, diffuse Aussage, die nicht weiter hilft.

Für Euch ist wichtig, dass - in Eurer Situation mit einem zvE von über € 31000/Jahr - die Zins- und Bonusbesteuerung mit dem ermäßigten Kapitalertragsteuersatz von 25 % erfolgt. Das ist doch viel günstiger als eine Besteuerung zum persönlichen Grenzsteuersatz von - in Eurem Fall - über 25 %:-)

Du würdest auch als Einkommensmillionär mit Deinen Zins- und Bausparbonuszahlungen davon profitieren:-)

Kommentar von betroffen ,

"auch als Einkommensmillionär..." Eben! Und so schließt sich der Kreis. Ein schönes Wochenende! b

Kommentar von LittleArrow ,

PS: Hoffentlich verstehst Du unter zu versteuerndes Einkommen nicht die Bruttogehälter;-) Gucke dazu mal in den letzten Einkommensteuerbescheid!

Antwort
von wfwbinder, 118

Die Zinsen wurden schon jährlich mit Abgeltungssteuer belegt und die Wohnungsbauprämie ist steuerfrei.

Ihr müsst also die Ausgabe der 1.432,- Euro völlig neu planen.

Kommentar von wfwbinder ,

Es mag ja an meiner mangelnden Kenntnis von Bauspartarifen und Bonusprogrammen liegen. Es handelt sich also um Bonuserträge, die die Bausparkasse sozusagen als "Durchhalteprämie" zahlt, wenn man die volle Laufzeit durchhält.

Diese Beträge sind nicht jährlich dem Vertrag gutgeschrieben worden, sondern entstehen erst durch den Vertragsablauf. Würde man 3 Monate vorher kündigen, wäre der gesamte Bonusbetrag verloren?

Dann wäre es tatsächlich so, dass davon die Abgeltungssteuer abgezogen wird.

Kommentar von betroffen ,

Ja leider, danke!

Antwort
von betroffen, 118

Sorry wfwbinder! Ich formuliere es etwas verständlicher:

Wir haben einen Bausparvertrag von der Sorte, die wegen der hohen Zinsen zur Zeit gerne von den Bausparkassen gekündigt werden.

Nun ist es bald soweit. Dabei werden auch die Boni zur Auszahlung kommen, die sich über 14 Jahre angesammelt haben.

Hierbei geht es um eine Bonussumme von 5666,-€ (=Kapitalerträge), wir haben aber nur 551,-€ als Freistellungsauftrag zur Verfügung. Auf die nicht freigestellten 5115,- € fällt also Abgeltungsteuer an. Mit Soli und Kirchensteuer kommen knapp 28% zusammen, was 1432,-€ Abgeltungsteuer bedeuten würde.

Kann man die Steuern irgendwie legal verringern?

Kommentar von wfwbinder ,

Es mag ja an meiner mangelnden Kenntnis von Bauspartarifen und Bonusprogrammen liegen. Es handelt sich also um Bonuserträge, die die Bausparkasse sozusagen als "Durchhalteprämie" zahlt, wenn man die volle Laufzeit durchhält.

Diese Beträge sind nicht jährlich dem Vertrag gutgeschrieben worden, sondern entstehen erst durch den Vertragsablauf. Würde man 3 Monate vorher kündigen, wäre der gesamte Bonusbetrag verloren?

Dann wäre es tatsächlich so, dass davon die Abgeltungssteuer abgezogen wird.

Antwort
von Privatier59, 110

Ich behaupte: Es gibt keine legale Möglichkeit. Und illegale schon überhaupt nicht, denn die Steuer wird ja doch automatisch abgezogen.

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