Frage von Kaefernetty, 1.019

Wie kann ich meinen Pflichtteil einfordern?

Unsere Eltern sind seit ca. 40 jahren geschieden. Unser Vater hat dann wieder geheiratet. Jetzt ist er im Dezember 2012 verstorben und hat in einem Gemeinschaftstestament mit seiner neuen Frau uns seine 5 Kinder vom Erbe ausgeschlossen. uns steht also ein Pflichtteil zu. Wie und wo können wir diesen einfordern?

Antwort
von Snooopy155,

Wende Dich an das Nachlaßgericht, das für den letzten Wohnsitz Deines Vaters zuständig ist und melde Dich dort formlos als Erbberchtigter Deines Vaters an. Du kannst bei dieser Gelegenheit auch die Anschrift aller Deiner Geschwister dem Nachlassgericht melden, dann werden diese ebenfalls über die Testamentseröffnung informiert und bekommen eine Abschrift ds Testaments, sowie Informationen, wie sie den Pflichtteil einfordern können.

Anwaltliche Hilfe benötigst Du für den ersten Schritt nicht.

Antwort
von imager761,

Grds. steht dir als Kind an dem Nachlass deines Vaters Pflichtteilsrecht gem. § 2303 (1) BGB zu.

Den fordert man "zunächst in unbekannter Höhe" per Einwurfeinschreiben von der Erbin und verlangt darin "zur Emittlung des Anspruches ein notarielles Nachlassverzeichnis mit Wertangaben zum Todestag" nach § 2314 (1) BGB innerhalb von 4 Wochen zu erstellen und vorzulegen.

Nach Ablauf der Frist mahnt man das entweder innerhalb von 7 Tagen erneut an und kündigt an, "nach fruchtlosem Fristablauf Stufenklage zu erheben" oder klagt das eben aus Rechtsgrund Verzug sofort ein, wenn die 4 Wochen ohne Verzeichnis verstreichen..

Sämtliche Kosten fallen dem Nachlass zu, mindern also deine Pflichtteilsauszahlung entsprechend.

Dei Anspruch bestünde in dem Vermögen am Todestag abzügl. der Verbindlichkeiten einschl. Bestattungskosten und bestünde in Höhe von 1/10 des sog. Reinnachlasses in Geld. Natürlich nur von dem, was deinem Vater selbst zufällt.

Seine lebzeitigen Schenkungen wären dem Nachlass hinzuzurechnen; die an sein Ehefrau innerhalb der Ehezeit vollständig; an Sonstige nur innerhalb der letzten 10 Jahre vorgenommenen.

G imager761

Antwort
von gandalf94305,

Das Nachlassgericht überwacht den Vorgang der Nachlassabwicklung. Liegt ein Testament vor, in dem nur eine Alleinerbin genannt ist, jedoch die Kinder vom Erbe ausgeschlossen werden, so dürfte dem Nachlassgericht bekannt sein, daß es Kinder gibt. Diese werden angeschrieben, um sie über den Tod des Vaters zu informieren.

Der Pflichtteil ist eine Forderung gegen die Erben und stellt einen Barausgleich dar, d.h. man erhält dadurch nicht Ansprüche auf irgendwelche Positionen aus dem Nachlass, z.B. Kunstgegenstände, Hausrat oder Immobilien, sondern nur auf eine entsprechende Zahlung. Damit ist dies an die Erbin zu richten.

Sofern ein Notar das Testament verfasst hat und es eine Testamentseröffnung gibt, wäre idealerweise auch dieser Notar über die Forderung nach einem Pflichtteil zu informieren. Zunächst betrifft diese Forderung nämlich eine Auskunft über die Vermögensverhältnisse, um überhaupt die Höhe des Pflichtteils bestimmen zu können.

Legt die Erbin dann ein Nachlassverzeichnis vor, jedoch ist das für die Pflichtteilsbeanspruchenden unplausibel, so kann hast Du einen Anspruch auf Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung der Erbin vor dem Notar bzw. Nachlassgericht.

Ist die Höhe des Pflichtteils geklärt, so wird dies mit Fristsetzung von der Erbin eingefordert. Das kannst Du ganz formlos tun im Sinne von "Ich fordere hiermit auf der Grundlage des am xx.xx.xxxx übersandten Nachlassverzeichnisses einen Pflichtteil in Höhe von xxx EUR ein. Die Zahlung des Pflichtteils hat bis spätestens xx.xx.xxxx auf mein Konto xxxxx bei der xxx Bank (BLZ xxxxx) zu erfolgen."

Einen Anwalt benötigst Du erst dann, wenn sich die Erbin explizit weigert oder die gesetzte Frist verstreichen läßt. Anwaltskosten für die Eintreibung des Pflichtteils gehen übrigens auch zu Lasten der Erbin.

Kommentar von Kaefernetty ,

Das Testament ist nicht notariell beglaubigt, es wurde handschriftlich verfasst und bei der Stieftochter (nicht leibliche) meines Vater hinterlegt. Es wurde mir vom Nachlassgericht als Kopie beigefügt, wobei aber einige Passagen abgedeckt also für mich nicht sichtbar sind. Kann ich jetzt von der Erbin verlangen ein Nachlassverzeichnis aufzustellen? wie kann ich dieses nachprüfen?

Kommentar von gandalf94305 ,

Das Nachlassverzeichnis erstellt der/die Testamentsvollstrecker(in). Im Zweifelsfall wäre das die Erbin selbst. Du kannst dies nun als pflichteilsberechtigte Person anfordern.

Kommentar von imager761 ,

Kann ich jetzt von der Erbin verlangen ein Nachlassverzeichnis aufzustellen?

Ja.

wie kann ich dieses nachprüfen?

Durch persönliche Besichtigung der Nachlassgegenstände, mit Wertangaben (Gutachten) oder durch notarielle Mitwirkung gem. § 2314 (1) BGB hinlänglich .

Bei Zweifel allenfalls noch durch eidesstattliche Versicherung - eine darüberhinausgehende Gewähr auf Vollständigkeit und Richtigkeit bekommst du allerdings nie, zumal, wenn es sich um Bargeld, Schmuck, Münzen und alle nicht belegbaren Werte und Gegenstände (fehlender Eigentumsnachweise, Schenkung) handelt.

Und - du ahnst es - genau das wird mit Forderungsstellung wohl passieren :-(

G imager761

Antwort
von Ballardvision, 1.019

Nachdem du beim Nachlassgericht deinen Angehörigenstatus angezeigt hast, bekommst du ein Testament ( wenn vorhanden) zugestellt. Dann kannst du den im Testament benannten Erben anschreiben, dass du gerne eine Vermögensaufstellung ausgehändigt bekommst. Dann forderst du deinen Pflichtteil ein. Sollten die anderen Erben Theater machen, dann muss du Richtung Anwalt laufen.

Antwort
von Primus,

Wenn die Erben sich nicht grün sind, können sie einen Nachlasspfleger beauftragen

Er kostet 3 - 5 % des Nachlasses

Antwort
von althaus,

Was hälst Du davon einen Rechtsberater einzuschalten. Wenn es was zu holen gibt, lohnt sich das.

Antwort
von barmer,

Hallo,

beim Nachlassgericht, angesiedelt beim zuständigen Amtsgericht.

Kommentar von Privatier59 ,

Normalerweise meckere ich nicht, in diesem Fall erlaube ich mir aber den Hinweis, dass das Nachlaßgericht dann schon der Erbe sein sollte. Ansonsten gibt es von da kein Geld.

Kommentar von Kaefernetty ,

Das Nachlassgericht hat geschrieben, sie könnten nicht tätig werden, das gilt wohl für Erbfälle seit Januar 2010.

Kommentar von Privatier59 ,

Das Nachlassgericht ist auch nicht zuständig für den Streit um das Pflichtteil und war es vor 2010 auch nicht. Die Zuständigkeit des Nachlaßgerichts beschränkt sich auf Testamentsangelegenheiten uä. Nur für die AUSKUNFT über die Nachlaßverhältnisse kann man sich an das Nachlaßgericht wenden. Geltendmachen muß man den Anspruch ggü dem Erben und durchsetzen im ganz normalen Rechtsweg vor den Zivilgerichten.

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