Frage von Trini, 940

Wie kann ich Kinder aus der ersten Ehe enterben oder den Pflichtteil reduzieren?

Hallo, meine Frau und ich haben vor, eine Wohnung zu kaufen. Ich bin 20 Jahre älter als meine Frau und die Wahrscheinlichkeit, dass ich früher sterbe ist viel größer. Wir haben ein gemeinsames Kind. Aus meiner ersten Ehe habe ich 2 volljährige Kinder. Nach der Scheidung hat meine Ex sehr viel Geld von mir erhalten und ich zahle schon seit Jahren sehr viel Unterhalt, weil ich früher gut verdient habe und die ersten Kinder noch mit ihrer Ausbildung nicht fertig sind. Nachdem ich meine zweite Frau geheiratet habe, war ich ziemlich lange arbeitslos. Sie hat immer gearbeitet und hat unsere Familie ernährt. Wenn wir jetzt eine Wohnung kaufen, will ich, dass nur sie und unser gemeinsames Kind diese Wohnung erben. Den größten Teil will ich für die Wohnung aus meinen Ersparnissen bezahlen, einen geringeren Teil kann meine Frau investieren und später bleibt der Kredit sowieso auf ihr hängen. Laut meinem Testament ist meine Ehefrau Alleinerbin. Die Kinder werden jedoch ja sowieso ihren Pflichtteil anfordern.

2 Fragen:

  • Was soll ich tun, damit meine Kinder aus der ersten Ehe, die nach der Scheidung sowieso schon sehr gut versorgt sind, so dass meine Ex immer noch nicht arbeiten geht, nichts von meinem jetzigem Vermögen abbekommen?

  • Was wird so alles nach meinem Tod zum Vermögen zählen?

Vielen Dank im Voraus.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Privatier59, 940

Schenkungen sind auf das Pflichtteil anzurechnen wenn sie nicht länger als 10 Jahre vor dem Erbfall erfolgten. Da die Kinder aus erster Ehe pflichtteilsberechtigt sind, kann man sie nicht völlig übergehen, es sei denn, die Voraussetzungen zur Entziehung des Pflichtteils lägen vor. Das sind samt und sonders ganz schwere Verfehlungen gegen den Erblasser und so was wird hier nicht vorgetragen.

Du könntest die Ansprüche der Kinder aus erster Ehe aber minimieren indem Du Deine Barschaft auf die zweite Ehefrau übeträgst. Damit Du aber nicht vom Regen in die Traufe geraten kannst (weil die zweite Ehe auch scheitert), muß man hier ein umfangreiches Paket von Sicherungsmaßnahmen treffen und das durch notariellen Vertrag. Ich denke da z.B. an die Vereinbarung des Rückfalls der Schenkung bei einer Ehescheidung und an ein Wohnrecht an der ETW. Wenn Du dann noch 10 Jahre durchhältst, gehen die Kinder aus erster Eheleer aus.

Kommentar von Trini ,

Vielen Dank für die hilfreiche Antwort!

Kommentar von Trini ,

Welchen Unterschied gibt es für die Pflichtteilberechnung abhängig davon, ob nur meine Frau oder wir beide im Grundbuch stehen? Absichern würde ich mich auf jeden Fall.

Antwort
von gammoncrack, 692

Du kannst die Wohnung nach Kauf Deiner Ehefrau schenken und anschließend versuchen, noch 10 Jahre zu leben.

Kommentar von Rat2010 ,

DH!

Ob er die Wounung oder das Geld zum Kauf der Wohnung (und was sonst noch an Vermögen rumliegt) an die Ehefrau oder die und das Kind schenkt ist egal.

Entscheidend ist, dass sich er Pflichtteilsanspruch der anderne beiden Kinder nur durch alles verschenken und dann zehn Jahre weiter leben abwenden lässt. Während der zehn Jahre wird der Pflichtteilsanspruch kontinuierlich weniger.

Die damit ja auch einhergehenden Nachteile lassen sich durch lebenslangen Niesbrauch abwenden.

Kommentar von Trini ,

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Ich bin zwar erst 50, es würde mich aber trotzdem interessieren, was mit meinem Vermögen passiert, auch wenn ich das Haus oder Geld meiner Frau (und damit auch unserem gemeinsamen Kind) schenke und doch früher als erst in 10 Jahren sterbe.

Welche Ansprüche hätten dann meine Kinder aus der ersten Ehe? Kann meine Frau dann den Pflichteil der Kinder irgendwie reduzieren, in dem sie nachweisen kann, dass die Wohnung auch von ihrem Geld bezahlt wurde und dass hauptsächlich sie den Kredit auszahlt?

Kommentar von gammoncrack ,

Das hat Rat2010 schon ausgeführt. Hier noch etwas ausführlicher:

Der Wert, mit dem Schenkungen im Rahmen der Pflichtteilsergänzung berücksichtigt werden, wird umso geringer, desto länger die Schenkung zeitlich zurückliegt. Die Schenkung wird nur noch dann in voller Höhe bei der Pflichtteilsergänzung berücksichtigt, wenn sie im ersten Jahr vor dem Erbfall erfolgt. Im zweiten Jahr wird sie zu 90%, im dritten zu 80%, im vierten Jahr zu 70% usw. berücksichtigt. Im zehnten Jahr erfolgt eine Berücksichtigung schließlich nur noch zu 10% und nach Ablauf von zehn Jahren wirkt sich die Schenkung gar nicht mehr aus.

Gemäß aktueller Sterbetafel hast Du gut Chancen :-))

Antwort
von Frei123, 761

du kannst den Pflichtteil nicht reduzieren, noch kannst du die Kinder enterben.

Wenn du nicht willst, dass deine Kinder aus erster Ehe was bekommen, müsstest du jetzt alles verschenken, die Wohnung auf deine Ehefrau eintragen im Grundbuch.

Dann läuft die 10 Jahresfrist, um vor Forderungen bzgl. Pflichtteilen sicher zu sein.

Kommentar von EnnoBecker ,

die Wohnung auf deine Ehefrau eintragen im Grundbuch.

Na, das wird wohl der Mann oder die Frau vom Grundbuchamt machen, nehme ich an.

Und was ist Bedingung für eine Eintragung im Grundbuch als Eigentümer?

Röchtöch, diejenige Person oder Personin muss Eigentümer des Grundstücks sein. Und wie wird man Eigentümer einer Sache?

Kommentar von Trini ,

Wie ist denn der Unterschied in der Pflichtteilberechnung abhängig davon, ob nur meine Frau oder wir beide im Grundbuch stehen? Ich würde mich gern für den Fall der Scheidung absichern.

Antwort
von Primus, 551

•> Was soll ich tun, damit meine Kinder aus der ersten Ehe, die nach der Scheidung sowieso schon sehr gut versorgt sind, so dass meine Ex immer noch nicht arbeiten geht, nichts von meinem jetzigem Vermögen abbekommen?

Deinen Kindern aus erster Ehe diese Frage von Dir zu lesen geben, damit sie es schwarz auf weiß haben, dass Vaterliebe anders aussieht.

Sorry, aber ich denke mit dem Herzen!

Kommentar von Rat2010 ,

Für mich hört sich das, was Trini beabsichtigt nicht gerade verwerflich an. Das Enterben der Kinder führt ja wohl mehr zu einer Gleichstellung der Kinder.

Kommentar von EnnoBecker ,

Das sehe ich ebenso.

Außerdem erwäge ich auch, eine Lage zu schaffen, die eines meiner Kinder vom "Kuchen" ausnimmt.

Sorry, aber ich denke mit dem Herzen!

Kommentar von gammoncrack ,

Naja, die Frage nach dem "mit dem Herzen denken" kann man ja auch bezogen auf die neue Ehefrau sehen, insbesondere, wenn die Kinder versorgt sind, und die Ehefrau nach seinem Tod die Wohnung aufgrund erforderlichem Verkauf verlieren würde.

Kommentar von Trini ,

Meine Ex hat nie gearbeitet und hat sich von mir aushalten lassen. Ich habe ihr damals ein Haus gekauft, das sie nach der Scheidung zur Hälfte bekommen hat. Sie war mit den Kindern 7 Mal pro Jahr im Urlaub (ohne mich), ich musste schließlich arbeiten gehen. Meine Kinder hatten alles, was sie wollten. Jetzt verdienen sie ihr eigenes Geld, haben beide eigene Autos usw. Und kriegen immer noch den Kindesunterhalt, weil sie immer noch studieren. Ist das nicht genug Vaterliebe? Insgesamt hat meine Ex-Familie in den Jahren nach der Scheidung über 300.000 Euro von mir erhalten. Jetzt habe ich kaum Geld, das interessiert die Ex-Familie natürlich nicht. Der einzige Mensch, der mich unterstütz, ist meine jetzige Frau, die noch nie arbeitslos war und die ich nach meinem Tod nicht in die Situation bringen will, dass nachdem ich ihr jetzt ehe kaum was bieten kann, sie etwas von unserem Vermögen mit der wohlhabenden Ex-Familie teilen muss.

Kommentar von EnnoBecker ,

Du musst dich da wirklich nicht verteidigen.

Mir fehlt sowieso jegliches Verständnis für die althergebrachte Rollenverteilung. Allerdings ist mir eines klar: Was für den Mann der Knackarsch und die Riesent[zensiert] sind, sind für die Frau die Villa und das dicke Bankkonto.

Kommentar von Primus ,

@Trinni:

nach Deinem letzten Kommentar hört sich die Sache auch für mich anders an.

Beim Lesen Deiner Frage kamen Emotionen in mir hoch, die mich stark an eine private Sache erinnerte.

Bitte entschuldige, dass ich so schroff reagierte.

Kommentar von Trini ,

Macht nichts! Für mich würde sich das alles bestimmt auch nicht schön anhören, wenn ich nicht selber in dieser Situation wäre. Ich will nur gerecht sein.

Kommentar von gammoncrack ,

Hast dich garnicht schroff reagiert, sondern aus Deiner Sicht ja verständlich.

Kommentar von Primus ,

Danke, aber man sollte eigene Emotionen nicht so hochkommen lassen und versuchen objektiv zu bleiben.

Kommentar von EnnoBecker ,

Na super, da fühle ich mich doch gleich angesprochen.

Kommentar von Primus ,

Quatsch!!! Ich hatte kurz vorher ein Telefonat über ein ähnliches Thema und dann lief mir die Galle über. Dabei bekommt schon mal jemand was ab, der gar nicht gemeint war, Sorry!!

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