Frage von michael24,

Wie kann ich die höchste Steuerbelastung ausrechnen?

Hallo,

ich habe eine hypothetische Frage. Wenn eine natürliche Person selbständig Waren verkauft und sich steuerlich in der teuersten Situation befindet, die in Deutschland möglich ist, was muss er dann insgesamt an Steuern zahlen?

Höchste Einkommensteuerklasse, höchste Gewerbesteuer, Umsatzsteuer, Solidaritätszuschlag und die höchste Kirchensteuer. Und es wird keine Abschreibung genutzt.

Die höchsten Steuersätze findet man relativ leicht. Nur, in was für eine Formel müsste ich die denn einsetzen, um den gesamten Steuerbetrag herauszubekommen?

Ich habe das versucht, unter der Annahme das die Waren im Einkauf nichts kosten, und bin auf circa 70% Steuern gekommen. Also 30% der Einnahmen würden dem Superverkäufer übrig bleiben. Kann das stimmen? Leider hab ich die Formel dafür nicht mehr, sondern nur noch diese Zahl.

Liebe Grüße

Michael

Antwort
von NaFFster,

Hallo Michael24,

auf eine Belastung von 70% komme ich auch, wenn man mal die USt als Mitbelatung einbezieht.

Wenn man als Beispiel sagt, du nimmst brutto 119€ ein und hast keine Ausgaben dagegen, musst Du, im Regelfall, 19% (19€) als Umsatzsteuer abführen. Den Gewinn von 100€ unterwirfst Du dann erst der GewSt (max. Hebesatz 490%; Freibetrag nicht mitberücksichtigt); also 1003,5%490%=17€ GewSt. Die Gewerbesteuer mindert nicht deinen EStlichen Gewinn, kann aber gemäß §35EStG bei Einzelunternehmen teilweise angerechnet werden. Also erst der Spitzensatz der ESt (muss man erst einmal hinkommen, Reichensteuer ausgelassen) zzgl. Soli (5,5%) und Kirchensteuer (9%): 48,09%. Diese ESt wird aber um das 3,8-fache des GewSt-Messbetrages reduziert = 13,3€; Somit liegt die ESt-Belastung bei rund 35€.

In Summe hast Du also 19€ USt, 17€GewSt und 35€ EStG = 71€

Jetzt muss man aber erst einmal 250.000€ Gewinn haben, um im Spitzensteuersatz der ESt zu landen.

Gruß NaFFster

Antwort
von obelix,

die Umsatzsteuer bei der Liste der Steuerbelastungen zu nennen, ist grenzwertig, denn diese Steuer unterliegt anderen Regeln. Wenn du von Einzelunternehmern sprichst, dann solltest du auch das Spiel Vorsteuer/ USt nennen. Ich sehe diese Steuer nicht als Steuerberlastung per se in deiner Berechnung.

Wie ist das mit den Waren im Einkauf? Was haben die bei der Rechnung zu tun?

Wenn du wirklich als Einzelunternehmer denkst, dann nimmst du das zu versteuernde Einkommen. Das ist der Gewinn/ Überschuss. Und da ist keine USt drin!!!

Dann rechne mal hier http://www.selbststaendig.de/einkommensteuerrechner . Bzgl. der Gewerbesteuer: wenn der Faktor bei max. 3,8 liegt, bleibt man faktisch gewerbesteuerfrei, denn dann wird die Gewerbesteuer auf die EkSt angerechnet. Ich kenne einen max. Hebesatz von 490, was 110 über den 380 liegt. Damit kommt als Zusatzbelastung 3,5% * 1,1 für die Gewerbesteuer in Frage.

Auf einen Steuersatz von 70% komme ich bei besten Willen nicht.

Antwort
von senior9,

Das ist so eine Frage ganz nach meinem Geschmack. Ich lasse aber den derzeitigen Zweiten unter den heutigen Top-Nutzern den Vortritt. Er dürfte die Frage wesentlich besser beantworten.

Antwort
von Mikkey,

Wenn Du Freibeträge wegen des Topverdienstes unter den Tisch fallen lässt, hast Du zunächst 16% Abzug für die Umsatzsteuer.

Der höchste Gewerbesteuerabzug dürfte bei etwa 21% liegen, verbleiben 66,4%

Davon 44,3% ESt und SolZ, verbleiben 37%

KiSt 2,6%, verbleiben 34,4%

Wahrscheinlich hast Du nicht berücksichtigt, dass die Gewerbesteuer die Einkommensteuer mindert?

Kommentar von LittleArrow ,

Guter Versuch!

Wenn er Waren verkauft, müßte er sie auch einkaufen und dann die Vorsteuer von der Umsatzsteuer abziehen. Warenverkauf ohne Vorsteuerabzug sieht nach geklauter Ware aus.

Bei der ESt gibt es noch die Reichensteuer von 3 % obendrauf und die KiSt ist auch steuerlich abzugsfähig.

Aber es wird ja eine Formel gesucht. Wie gut, dass ich nicht solche Plagen habe;-))

Kommentar von michael24 ,

Ich bin von kostenlos beschaffter Ware ausgegangen, weil ich vermutet habe, dass dabei prozentual die höchste gesamte Steuer rauskommt.

Geklaut wäre es nicht. Es dreht sich bei der Ware eigentlich um von mir entwickelte digitale Ware, deren Kosten ich nicht beziffern kann. Das wollte ich außen vor lassen.

Die Reichensteuer ist dann wahrscheinlich der Sprung von 42% auf 45% bei der ESt.

Ich hab die gewisse Plage bzw. Frage, wieviel man in der Theorie bei großen Einnahmen mindestens sparen müsste, weil es dem Finanzamt zusteht. ;-)

Kommentar von Mikkey ,

Die Umsatzsteuer brauchst Du nicht sparen, weil die immer schon nach am Anfang des nächsten Monats abgeführt werden muss.

Im Bezug auf die "Steuerbelastung" ist es sicher legitim, die Umsatzsteuer mit zu berücksichtigen, beim Zurücklegen für die anderen Steuern sollte man die Rechnung ohne USt anstellen.

Allerdings müsste jemand, der so plietsch ist, eine Software zu schreiben, deren Einnahmen ihn in die Nähe der "Maximalsteuer" bringt, mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn er in so einer Situation keine Kapitalgesellschaft gründet, um wenigstens einen guten Teil der Gewerbesteuer zu sparen.

Kommentar von EnnoBecker ,

um wenigstens einen guten Teil der Gewerbesteuer zu sparen.

Jetzt bin ich interessiert:

Wie spart man denn mit einer KapGes Gewerbesteuer?

Kommentar von Mikkey ,

Indem man sich ein Gehalt zahlt, das den Gewinn schmälert.

Das hat jedenfalls seinerzeit bei mir hervorragend funktioniert. Ich war allerdings von einem Einkommen für "maximale Steuerbelastung" noch ein kleines Stück entfernt.

Kommentar von EnnoBecker ,

Na, da dürfte der Freibetrag bei einer Personengesellschaft aber günstiger sein.

Erstens ist ein zu hohes Gehalt etwas gefährlich wegen der vGA-Problematik und § 30 GmbHG. Und als GGF versteuerst du auf jeden Fall nach Tarif.

Und zweitens dürfte bei höheren Gehältern die Gesamtbelastung trotzdem höher sein. Hast du das mal durchgerechnet?

Also wenn man mit spitzer Feder rechnet, kann sowas klappen.

Kommentar von Mikkey ,

§30 GmbHG dürfte bei den angenommenen gegen unendlich gehenden Einnahmen keine Problem machen ;-)

vGA-Problematik sagt mir so nix, aber ich merke schon, dass meine Erfahrungen aus einer Zeit stammen, in denen noch andere Bedingungen herrschten.

Hast du das mal durchgerechnet?

Beim Taschenrechner sind jetzt die Tasten miteinander verschmolzen...

Kommentar von EnnoBecker ,

vGA-Problematik

...entsteht in diesem Fall beispielsweise bei einer schwachbrüstigen GmbH, die einem fremden GF 100.000 Euro zahlen würde, der GGF sich aber 500.000 auszahlt (mal die §30-Problematik außen vor gelassen).

Dann ist das in Höhe von 400.000 eine Vermögensminderung, die durch das Gesellschafterverhältnis veranlasst ist und damit eine verdeckte Gewinnausschüttung.

Gewinnausschüttungen mindern aber nicht das zu versteuernde Einkommen, so dass also die 400.000 bei der Berechnung der KöSt und GewSt wieder hinzugerechnet wird und also mit rund 120.000 besteuert wird. Nix gespart.

Und der Gesellschafter versteuert die 400.000 nicht mehr als Arbeitslohn, sondern als Kapitaleinkünfte, allerdings nach Tarif.

Kommentar von Mikkey ,

Wieder was dazugelernt

Wie ist es mit Lizenzgebühren, die die GmbH dem Erfinder der Genialsoftware zahlt? Kommt man damit um Gewerbesteuer herum? Wahrscheinlich hilft doch nur der Weg über die Caimans (hier hab ich schon dazugelernt).

Kommentar von EnnoBecker ,

Was soll damit sein? Die werden dem Gewerbeertrag zu 25% wieder hinzugerechnet, § 8 Nr. 1 Bu f) GewStG.

Ebenso wie Zinsen, Mieten, Renten usw - jeweils zu verschiedenen Prozentsätzen.

Und wenn man das dann zusammenzählt, gibt es noch einen Freibetrag von 100.000 Euro. Alles, was drüber ist, erhöht den Gewerbeertrag.

Sollte das jetzt eine Fangfrage sein?

Kommentar von Mikkey ,

Nein, keine Fangfrage, nur eine Idee: Wenn jemand dem Unternehmen eine künstlerische Arbeit zur Verwertung überlässt, unterliegt das doch (?) nicht der Gewerbesteuer - das könnte dann auch für die Verwertungsrechte an der genialen Software gelten.

Kommentar von EnnoBecker ,

???

Welche Unternehmung soll hier betrachtet werden?

Kommentar von Mikkey ,

Michael hat die Software geschrieben. Er gründet nun eine GmbH, dieser stellt der die Software zur Vermarktung zur Verfügung und erhält dafür von dieser Lizenzgebühren (zum Bsp 50% der Verkäufe abzgl. MWSt)

Dann hat die GmbH einen kleineren Gewinn, Michael ist aber als "Künstler" nicht Gewerbesteuerpflichtig (das weiß ich halt nicht). So zahlt die GmbH nur die Hälfte der Gewerbesteuer.

Kommentar von EnnoBecker ,

Kommt auf die Höhe der Lizenzgebühren an. Siehe oben (Fangfrage).

Kommentar von michael24 ,

Wahrscheinlich hast Du nicht berücksichtigt, dass die

Gewerbesteuer die Einkommensteuer mindert?

Also meine damalige Rechnung war nicht besonders korrekt, glaub ich. Ich wusste bis jetzt gerade gar nicht mehr, wie man überhaupt vorgeht. Vielen Dank! :-)

Ich geh mal von einem Einkommen aus, das mindestens um den Gewerbesteuerabzug über 250.731 EUR liegt, damit die Einkommensminderung nichts mehr ausmacht. Und der Steuersatz wäre dann 45% bzw. mit Soli 47,475%.

Ich hab deinen Rechenweg nachvollzogen und versucht, es möglichst mit Multiplikationen zu schreiben:

noch bei 250.731 EUR:

Netto = 0,84 Umsatzsteuer * 0,79 Gewerbesteuer * 0,557 ESt und Soli - 0,026 KiSt = 0,3436252 = 34,4%

weit über 250.731 EUR:

Netto = 0,84 Umsatzsteuer * 0,79 Gewerbesteuer * 0,52525 ESt und Soli - 0,026 KiSt = 0,3225559 = 32,2%

mit 19% USt:

Netto = 0,81 Umsatzsteuer * 0,79 Gewerbesteuer * 0,52525 ESt und Soli - 0,026 KiSt = 0,310107475 = 31,0%

Kommentar von LittleArrow ,

Also doch geklaute Ware!

Kommentar von michael24 ,

Ich hatte nie vor, die Herstellkosten zu meinen Gunsten geltend zu machen. Daher und wegen des zweiten oben angeführen Grundes als Null angenommen. Es geht dabei um Softwareentwicklung.

Kommentar von LittleArrow ,

Danke für die plausible Erklärung dieser Ware. Die Vorsteuer für bezogene Kosten (Hardware, Energie, Telekommunikation etc.) ist abzugsfähig, aber insgesamt wohl sehr gering.

Kommentar von EnnoBecker ,

Wow, da hat aber jemand den Taschenrechner zum Glühen gebracht, was?

Antwort
von Sobeyda,

Arbeite die beiden Bücher dieses Herren (aktuellste Auflage) durch

http://www.fernuni-hagen.de/csf/professoren/dieter.schneeloch.shtml

und Du wirst vielleicht eine Antwort auf Deine Frage finden.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community