Frage von Springbutterfly, 20

Wie ist die Nettorendite bei der Rürup-Rente vs. zur Privat-Rente bei Spitzenverdienern?

Liebe Community,

als Angestellter in der gesetzl. RV mit Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung (West), Grenzsteuersatz = Spitzensteuersatz, interessiere ich mich für den Abschluss einer Rürup-/Basis-Rente.

Ich habe bereits eine Riesterrente, in die ich 2100 € pro Jahr einzahle. Da dieser Betrag aber gedeckelt ist, möchte ich eine weitere geförderte Altersvorsorge abschließen.

Nun habe ich im Prinzip drei Optionen:
1. eine Rürup-Versicherung, deren Beiträge ich in der Einzahlungsphase steuerlich zunehmend absetzen kann, deren Auszahlung aber voll versteuert werden muss.
2. eine private Rentenversicherung, die in der Einzahlungsphase nicht gefördert wird, aber in der Auszahlung steuerlich begünstigt ist (Ertragsanteil), und bei der ich einen Teil der Sparsumme zu Beginn der Rentenphase als Einmalbetrag auszahlen lassen kann.
3. ich verzichte auf steuerliche Begünstigungen und spare separat für mich auf die Rente, muss aber damit rechnen, dass die Kapitalertragssteuer von 25% über kurz oder lang wegfällt und ich mit dem (bei mir höheren) individuellen Steuersatz zu Kasse gebeten werde [Überlegungen dazu gibt es ja im Finanzministerium].

Vor dem Hintergrund, dass ich heute viel Steuern zahle, scheidet Option 3 aus.

3 Fragen:
1. Ist es daher sinnvoll, eine Rürup-Rente abzuschließen?
2. Hätte sie gegenüber Option 2 im Hinblick auf die Nettorendite Vorteile, wenn ansonsten alle Bedingungen gleich wären (gleicher Anbieter, gleiche Sparsumme, gleiche Sparform, z.B. Fonds)?
3. Wie sähe die Rechnung aus, wenn eine Heirat und Kinder ins Spiel kämen, und der Grenzsteuersatz nicht mehr der Spitzensteuersatz wäre, die übrigen Randbedingungen aber gleich blieben?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von FinanzberaterTF, 20

Um deine Frage direkt zu beantworte: Betrachtet man nur den Renditeaspekt ("gleicher Anbieter, gleiche Sparsumme, gleiche Sparform") ist die Basisrente in deinem Fall sicherlich die deutlich bessere Variante:

Du zahlst bspw. 10.000€ ein und bekommst ca. 3360€ (10.000€ * 42% Steuersatz * 80% Absetzbarkeit für 2015) wieder. Diese kannst du wiederum anlegen, wodurch du einen schönen Zinseszinseffekt hast. Diesen Effekt kann die Privatrente auch mit der günstigen Besteuerung im Alter i.d.R. nicht aufholen.

Allerdings sollte man wie mein Rat2010 bereits erwähnte, die Kehrseite beachten. Neben der Besteuerung im Alter sind dies wohl:

1) Die Versicherungslösung ist gegenüber der 3. Variante Fondssparen mit höheren Kosten verbunden.

2) Die Basisrente wird nur deswegen gefördert, weil der Staat die Altersarmut mindern will. Um sicherzustellen, dass das Geld auch wirklich zu diesem Zweck verwendet wird, ist es eben erforderlich gewesen, Basisrentenprodukte mit einer totalen Unflexibilität zu versehen. Sprich: Du kommst nur im Alter an dein Geld.

In deiner Situation, die ich so herauslese (Jung und ledig, Wohnsituation unbekannt) ist es sicherlich sinnvoll, sich eine gewisse Flexibilität zu wahren. Mit der Riesterrente sorgst du ja schonmal ein Stück weit fürs Alter vor. Sinnvoller ist also, sich für mögliche Veränderungen in deinem Leben (Frau, Kinder, Hausbau, etc.) zu wappnen. Eine freie Fondsanlage, angepasst an deine Risikobereitschaft und deine persönliche Situation ist daher zwar steuerlich die unschönste, aber in deiner Lage die sinnvollste Wahl.

Wenn du Fragen hast gerne auch per PN an mich.

Liebe Grüße

TF

Antwort
von Rat2010, 15

Vorab führen 1.946 € zur maximalen Förderung bei Riester. Wenn du 2.100 € einzahlst, solltest du das dem Berater sagen.

Du verlagerst in deinen Überlegungen aktuelles Einkommen in Rente und das ist nur in Maßen sinnvoll. Deine letzte Frage, aus der ich ableite, dass du nicht alt bist, ist mir Hinweis genug, dass du schon genug unflexibel (nur für die Rente) und relativ teuer anlegst. Wenn sich die Lage klärt, kannst du das dann angesparte Vermögen auch noch kurz vor der Rente in Rente verwandeln. 

Also kein Rürup und eine Rentenversicherung ist für dich auch nur Geldschneiderei. Spare so langfristig, wie du heute denkst (nämlich Einzahlung bis zur Rente und weg ist das Geld bis zu deinem Tod) in ein Fondsportfolio. Wenn es dann so kommt, dass du das Geld nie brauchst, kannst du es auch verschenken oder vererben. Wenn du es aber - für die Rente, Familie oder sonstwas - brauchst, hast du dann so viel wie du benötigst und nicht erst als Rentner.

Ob die Kapitalertragsteuer abgeschafft wird? Schon seit gefühlt mindestens einem Jahr nichts mehr davon gehört. Nicht ganz unwichtig ist, ob es dann wieder eine Altregelung gibt. Wie die Regierung, die das macht, mit Großverdienern und Rentnern mit hohem Einkommen umgeht, wäre für mich eher ein Argument für Fondssparpläne. Vermögen kann flüchten. Nur damit kann man darauf reagieren, was da kommen möge.

Kommentar von Niklaus ,

Der Gesamtbeitrag beträgt 2.100 EUR. Das meint er sicherlich mit Einzahlung.  Denn dieser wird ja auch auf das Riesterkonto gutgeschrieben. Eigenbeitrag + Zulage.

Kommentar von Springbutterfly ,

Niklaus hat's geschnallt!

Kommentar von Springbutterfly ,

Deine letzte Frage, aus der ich ableite, dass du nicht alt bist, ist mir Hinweis genug, dass du schon genug unflexibel (nur für die Rente) und relativ teuer anlegst.

Ich bin eher mittelalt, im jüngeren Alter sind nur die wenigsten Angestellten im Spitzensteuersatz unterwegs!

Wenn sich die Lage klärt, kannst du das dann angesparte Vermögen auch noch kurz vor der Rente in Rente verwandeln

Das ist dann aber doch in zweifacher Hinsicht den Staat Geld hingeschmissen: Angenommen ich spare statt dessen in Fonds, lasse mir das Kapital zu Beginn der Rente auszahlen und zahle es in eine Direktrentenversicherung ein, aus der ich eine lebenslange Leibrente bekomme. Dann zahle ich zunächst auf der Ertragsanteil der Fonds Kapitalertragsteuer (mind. 25%, bis dahin vielleicht auch Spitzensteuersatz) und muss von der lebenslangen Leibrente dann nochmal 17-18% Ertragsanteil (je nach Eintrittsalter) als zu versteuerndes Einkommen angeben, das zusätzlich mit dem individuellen Steuersatz versteuert werden muss, wie eine Private Rentenversicherung.

Abgesehen vom Vorteil der Flexibilität - steuerlich ist das doch ein Riesennachteil!?

Antwort
von Kevin1905, 15

Du willst konkrete Anlageberatung. Die gibt es

  1. Nicht umsonst
  2. Nicht in diesem Forum.

Ich rate dir also dringend einen unabhängigen Finanz- und Versicherungsmakler hinzu zu ziehen und auch deinen Steuerberater zu konsultieren.

Ist es daher sinnvoll, eine Rürup-Rente abzuschließen?

Wenn dein Ziel vorrangig eine monatliche Leibrente ist und es für dich kein Problem darstellt, dass du vor deinem 62. Geburtstag AUF KEINEN FALL einen Cent aus dem Vertrag sehen wirst, ja.

Hätte sie gegenüber Option 2 im Hinblick auf die Nettorendite Vorteile, wenn ansonsten alle Bedingungen gleich wären (gleicher Anbieter, gleiche Sparsumme, gleiche Sparform, z.B. Fonds)?

Nettorendite setzt voraus, dass man Steuern und Inflation der Zukunft voraussagen könnte. Das geht aber nicht, drum lässt sich dies nur anhand der Vergangenheit bzw. heutigen Situation näherungsweise bestimmen. Und ohne die konkreten Produkte und deren Kosten zu kennen, kann hierzu gar keine Aussage getroffen werden.

Wie sähe die Rechnung aus, wenn eine Heirat und Kinder ins Spiel kämen, und der Grenzsteuersatz nicht mehr der Spitzensteuersatz wäre, die übrigen Randbedingungen aber gleich blieben?

Wie sähe die Rechnung aus, wenn eine Heirat und Kinder ins Spiel kämen, und der Grenzsteuersatz nicht mehr der Spitzensteuersatz wäre, die übrigen Randbedingungen aber gleich blieben?

Zu wenig Informationen. Paare, besonders Ehepaare berate ich grundsätzlich nur gemeinsam, weil hier sämtliche Informationen und Ziele und Wünsche gleich doppelt eingeholt werden müssen.

Antwort
von Niklaus, 12

Die Nettorendite der Versicherung hängt von der gewählten Versicherung ab. Sie kann besser, schlechter oder gleich sein. Das Kriterium Nettorendite ist also kein geeignetes Vergleichskriterium.

Diese Frage lässt sich so überhaupt nicht beantworten.

Sie ist abhängig von deinem Einkommen, wegen der steuerlichen Förderung.

Im Rentenalter ist die steuerliche Belastung einer Rürup-Rente wesentlich höher als die einer Privatrente.


Die wirklich wichtige Frage zur Altersvorsorge sollte lauten: „Welche Altersvorsorge ist für mich optimal“? DieAltersvorsorge ist seit 2005 in 3 Schichten aufgeteilt. Schicht 1 Basisversorgung: gesetzliche Rentenversicherung und Basisrente (Rürup-Rente).Schicht 2 Zusatzversorgung: betriebliche Altersvorsorge und Riester-Rente.Schicht 3 Kapitalanlagen: Private Renten- bzw. Kapitallebensversicherungen und Aktienfondssparpläne etc. Weder die optimale Schicht noch die Art derAltersvorsorge kann man pauschal festlegen. Jede Form der  Altersversorgung hat unterschiedlich hohe Aufwendungen zum Ansparen einer gleichen Nettorente. Deshalb ist es wichtig, dass vor Abschluss jeglicher Altersvorsorge ein qualitativer und quantitativerSchichtenvergleich durchgeführt wird. Denn es ist ein großer Unterschied, ob man von der ausgezahlten Rente noch Steuern und ggf. Krankenversicherung zahlen muss oder nicht.

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