Frage von Broni, 60

Wie haftet der Arzt?

Angenommener Fall A: Wenn ein Handwerker "murkst", habe ich – je nachdem – Anspruch auf Nachbesserung, Minderung, Wandlung oder Rücktritt vom Vertrag. Wie ist das nach einem Behandlungsfehler durch einen Arzt, wenn nach dem Eingriff Dauerschäden eintreten, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Wo ist das gesetzlich geregelt, z.B. Beweislast, Ermittlung des Anspruchs ?

Angenommener Fall B Bei einem unverschuldeten (wirtschaftlichen) Totalschaden eines KFZ reguliert die Haftpflichtversicherung den Schaden eines KFZ (meist) problemlos. Analog hierzu ist der Tod des Patienten ein "Totalschaden". Welche Ansprüche gehen bei Behandlungsfehlern mit Todesfolge auf die Erben über (wo ist das gesetzlich geregelt ?) und kann der Patient vorausschauend Verfügungen treffen mit dem Ziel, weitgehend die Erben von den unerfreulichen Auseinandersetzungen zu verschonen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von RHWWW, 24

Hallo,

der Arzt ist verpflichtet eine fehlerfreie Behandlung vorzunehmen. Im Gegensatz zu einem Handwerker (z.B. einwandfreier Schrank) garantiert der Arzt nicht für das Ergebnis seiner Arbeit.

Wer Ansprüche geltend macht, muss beweisen, das diese Ansprüche bestehen, hier also, dass der Arzt nicht fehlerfrei gearbeitet hat. Der Fehler ist konkret zu benennen und zu belegen. Behandlungsfehler können bei der Diagnose, bei der Aufkläerung vor einer OP bzw. Behandlung und bei der Behandlung selbst passieren.

Bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler erhält man von seiner gesetzlichen Krankenkasse Unterstützung.

http://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/patientenrechte/be...

Gruß

RHW

Kommentar von RHWWW ,

Danke für den Stern!

Antwort
von wfwbinder, 48

Natürlich haften auch Ärzte, wenn ihnen Behandlungsfehler unterlaufen.

Das Hauptproblem ist dabei der Nachweis, weil es natürlich nur über ein Gutachten von anderen Ärzten geht.

Einen Prozess dieser Art, kann natürlich auch ein Erbe/eine Erbengemeinschaft führen, was aber ohne Opfer und dessen Aussagen nicht einfacher wird.

Kommentar von Broni ,

Noch eine Ergänzung: Kann sich ein Arzt durch den Hinweis auf mögliche Risiken von der Haftung befreien?

Kommentar von Snooopy155 ,

Der Arzt wird in der Regel vor dem Eingriff auf die Risiken und möglichen Folgen hinweisen und sich diese Belehrung des Patienten auch unterschreiben lassen und dann den Eingriff nur mit Zustimmung des Patienten durchführen.

So viel zur Befreiung von der Haftung. Hier wird aber ein Behandlungsfehler vorgehalten - also eine Behandlungsweise, die nicht der medizinisch üblichen Regel entspricht. Dieser Nachweis ist halt gerichtsfest zu erbringen.

Kommentar von Broni ,

Die Frage war ja, ob nun der Arzt, nachdem er die Unterschrift unter der Belehrung erhalten hat, mit geringerer Sorgfalt arbeitet."Der Patient kennt die Risiken und hat zugestimmt, also, was solls!"

Kommentar von wfwbinder ,

 Noch eine Ergänzung: Kann sich ein Arzt durch den Hinweis auf mögliche Risiken von der Haftung befreien?

Nur bezüglich der genannten Risiken und der allgemeinen Operationsrisiken.

Nicht wegen der individuellen Fehler bei der Behandlung.

So kann z. B. eine Vollnarkose zu Schäden führen, ja sogar zum Tode.

Das schließt aber natürlich nicht ein, wenn der Fehler gemacht wird zu viel Betäubungsmittel zu nehmen.

Kommentar von Broni ,

Da haben wir das Problem, dass Berufskollegen ungern gegeneinander in Gutachten argumentieren. Schade, dass es auch im dritten Jahrtausend nicht möglich ist, dass der Gesetzgeber sich um einen gerechten Interessensausgleich bemüht.

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