Frage von weissblau,

Wie erkenne ich als Laie, ob ich Papiere des grauen Kapitalmarkts kaufe?

Gilt die Faustregel, dass Papiere, die nicht börsennotiert sind, Papiere des grauen Kapitalmarkts sind und ausfallgefährdet sind?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305,

Ausfallgefährdet ist jedes Wertpapier, selbst solche, die sich mit dem Prädikat "Garantie" schmücken, haben ihre Wertverlustrisiken. Eine Börsennotierung bringt gewisse Transparenz und gewisse Berichtspflichten mit sich. Emittenten, die nicht börsennotiert sind, haben geringere Publikationspflichten, d.h. das kann ein Risiko darstellen.

Es gibt hochsolide Immobilienbeteiligungen im grauen Kapitalmarkt, die praktisch keine Ausfallswahrscheinlichkeit aufweisen. Es gibt aber auch hochspekulative Zertifikate oder Aktien im regulierten Kapitalmarkt, die sehr hohe Verlustrisiken aufweisen.

Das Kernproblem ist wohl eher, daß die bei weitem meisten Anleger keine Anlagestrategie haben, Geschäftsberichte oder Emissions- und Verkaufsprospekte nicht lesen, und schließlich auch nicht auf negative Kursentwicklungen reagieren, sondern diese eher nach dem Prinzip "Hoffnung" aussitzen.

Da kann mit der besten Aktien oder dem wundervollsten Index allerlei Schlimmes passieren... und die Anleger beklagen sich nachher über die bösen Banken, Fondsgesellschaften oder irgendwelche anderen Marktteilnehmer.

Da liegt auch das Problem des sog. "grauen Kapitalmarkts". Grau ist der nicht aufgrund der grauen Herren mit ihren Zigarren, sondern grau ist er aufgrund geringerer Transparenzpflichten. Das tut einem guten Fonds oder sonstigen Produkt keinen Abbruch, denn es ist unabhängig von seiner Transparenz eben gut. Bei den schlechten oder ganz üblen Produkten kann man jedoch in der Farbe "grau" eben etwas mehr verstecken.

Regeln fallen mir gleich ein paar ein, die jedoch auch für die regulierten Märkte größtenteils gelten:

  • Kaufe nichts aufgrund von Werbung/Tips per E-Mail, Telefon oder Post.

  • Kaufe nichts, was Du nicht vollständig verstehst und akzeptieren kannst.

  • Kaufe nur von vertrauenswürdigen Partnern, die einen guten Track Record haben.

  • Stecke nicht mehr als 1-2% Deines Vermögens in eine solche Beteiligung.

  • Frage nicht nur, welchen Gewinn Du erreichen kannst, sondern vor allem, welche Verlustrisiken lauern.

  • Investieren kein Kapital, das kurzfristig benötigt werden könnte, in langfristige Anlagen.

  • Lies Geschäftsberichte, Monatsberichte und andere Publikationen, sowie verfolge Kursentwicklungen der Anlage.

  • Zieh die Notbremse, wenn ein Investment nicht mehr zu Dir paßt, nicht den Erwartungen entspricht, oder Du andere Investments bei vergleichbaren Risiken für unter dem Strich deutlich rentabler hältst.

Nun kannst Du übelegen, ob Du Dich an das Feindbild eines "grauen" Kapitalmarkts klammern willst, oder ob Du lieber eine inhaltliche Definition von "Gut" und "Schlecht" versuchst ;-)

Antwort
von vivaGreece,

wenn da keine offizielle Regulierung ist, dann ist das schon mal ein Indiz: http://de.wikipedia.org/wiki/Grauer_Kapitalmarkt

Papiere des grauen Kapitalmarkts sind und ausfallgefährdet sind

das hört sich fast so an, dass nur die Papiere des grauen Kapitalmarktes ausfallgefährdet sind.

Es gibt in jedem Marktsegment Papiere, die ausfallen können. Es gibt Anleihen auch von Unternehmen der Daxgruppe, die ausfallen. Es gibt Genusscheine, die ausfallen, auch bei sehr bekannten Emittenten.


Ich würde nicht nach einer Definition suchen oder Merkmalen, sondern mich rein daran orientieren, ob ich ein Papier verstehe oder nicht, ob ich die Risiken erkenne oder nicht.

Der Markt ist dann egal.

Antwort
von wfwbinder,

GRauer Kapitalmarkt ist nach üblicher Definition alles das, was nicht von Banken, Versicherungen, oder den großen etablierten Fondsgesellschaften kommt.

Also die Genussscheine von Privatunternehmen, die geschlossenen Fonds über Schiffsbeteiligungen, usw.

Aber die Unterscheidung:

erste Kapitalmarkt

grauer Kapitalmarkt

ist nicht ein sicherer Indikator für Risiko, oder kein Risiko.

ES gibt absolut Fonds von Banken und etablierten Fondsgesellschaften, die hohe Risiken beinhalten. Aber die seriösen Anbieter weisen da auch (hoffentlich) genau darauf hin.

Natürlich ist es risikoreicher, wenn ein Mittelständler sich über Genussscheine, oder Anleihen finanziert.

Eine Anleihe mit einer Verzinsung von 5-7 % gibt nur einer raus, der kein Bankdarlehn bekommen hat, oder unter Auflagen, die er nicht will.

Ebenso bei den Schiffsfinanzierungen.

Kommentar von GAFIB ,

Hier auch noch ein Artikel zur Unterscheidung:

..."Produkte des weißen Kapitalmarkts zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie von der staatlichen Finanzaufsicht oder vergleichbaren Institutionen geprüft, reguliert und beaufsichtigt werden."...

..."Erfüllt ein Anbieter oder Produkt diese Kriterien nicht, kann keine Zuordnung zum weißen Kapitalmarkt erfolgen. Wahrscheinlicher ist eine Zugehörigkeit zum grauen, unter Umständen sogar zum schwarzen Kapitalmarkt."...

http://www.gevestor.de/details/weiser-und-schwarzer-kapitalmarkt-von-serios-bis-...

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten