Frage von jungInvest, 2

Werte im Bondm-Indes/ Mittelstandsanleihen generell hoch riskant?

man liest viel von Pleiten von Firmen, die Mittelstandsanleihen emittiert haben. Diese sind oft Teil des Segments Bondm.

Heisst das generell, dass diese Bonds riskanter sind als vermutet oder generell hoch riskant? Sollte man davon die Finger lassen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von freelance, 1

ich halte die meisten Mittelstandsanleihen für riskanter als vermutet. Oder anders: viele Anleger sehen oft nur die Rendite, nicht die Risiken. Und oft sind sie nicht sehr aktiv bei ihren Investments und übersehen die Risiken oder aktuelle Nachrichten.

Nur wer sich mit der Materie auskennt und auch weiss, dass hohe Kuponzahlungen nicht von irgendwoher kommen, sondern ihren Grund haben, der wird mit grosser Vorsicht so ein Investment tätigen.

Die Prospekte und die Finanzzahlen sind genau zu prüfen und wenn man sie nicht versteht, dann sollte man die Finger davon lassen.

Oft wird auch übersehen, dass so eine Anleihe oft die letzte Möglichkeit ist, dass so angespannt dastehende Firmen Kapital beschaffen können.

Antwort
von Finanzschlumpf, 1

Ob die Bonds riskanter sind, als "man" vermutet, hängt hauptsächlich davon ab, was "man" vermutet.

Wenn man breit gestreut solche Bonds kauft und davon ausgeht, dass 3/4 davon, nie zurückgezahlt werden, wird man sicher positiv überrascht. Wer vor lauter Gier denkt, dass 7 von 8 zu 100 % zurückzahlen können, wird u.U. bitter enttäuscht werden.

Angenommene ( oder implizierte ) Ausfallwahrscheinlichkeiten sind nichts anderes als Raten bwz. Zocken. Daher nehme ich den Ratingagenturen ihre falschen Ratings ( Subprimepapiere, Griechenbonds ) auch nicht übel. Aber den Fakt, dass sie mit voller Überzeugung behauptet haben, sie wüssten es.

Antwort
von gandalf94305,

Der Erfolg des MDAX hat sich herumgesprochen und Anleger verbinden mit dem "M" wie "Mittelstand" eine Erfolgsgeschichte. Leider gab es in letzter Zeit hier jedoch einige Emissionen, die absolut schlecht liefen. Siag war ein schönes Beispiel: wenige Monate nach Emission schon insolvent.

Wo ist das Problem?

Anleihen kleinerer Unternehmen sind nun mal riskanter. Wenn diese Unternehmen nicht einmal börsennotiert sind und damit nur geringe Offenlegungspflichten für das eigentliche Geschäft haben, dann sind diese Anleihen noch riskanter. Hat man dann noch intensive Marketingaktionen für diese eigentlich kleinen Emissionen, dann sollten alle Warnglocken läuten.

Es gibt schon recht lange Mittelstandsemissionen von Anleihen... viele davon sind auch sehr gut gelaufen und tatsächlich bedient worden.

In der letzten Zeit scheint es jedoch in Mode gekommen zu sein, irgendwelche Wackelemissionen auf die Reise zu schicken, die mit dem Hype um den Mittelstand die Anleger verwirren und dann in die Versuchung eines Investments treiben - mit der für deutsche Anleger so typischerweise fehlenden Diversifikation fatalen Folge deutlicher Verluste im Falle einer Insolvenz.

Daher sollte man sich IMHO genau anschauen, in was man investiert. Das Risiko bei High-Yields ist durchaus hoch und man kann es nur durch Mischung einiger solcher Anleihen in einem Fonds/Portfolio einigermaßen moderieren, aber man kann damit gute Ergebnisse einfahren. Wesentlich ist die Auswahl der Gesellschaften. Deren Geschäftsmodelle müssen stimmig und erfolgreich sein. Die Verwendung der Anleihenerlöse muß zur Förderung des Geschäfts des Unternehmens erfolgen, damit auch mit Wachstum die Kupons bedient werden können - nicht nur zur Auszahlung von Altaktionären oder der Tilgung von Schulden. Zu viele solcher "Investments" passieren heute immer noch emotional, nicht wohlüberlegt.

Das Problem ist also nicht nur eine Frage der Qualität der Bonds selbst, sondern auch der Anlegerstrategie (bzw. das Fehlen einer solchen) beim Investment in Einzelanleihen. Die Repräsentation im Portfolio ist unangemessen für die damit verbundenen Risiken.

Ich würde daher jedem harmlosen Privatanleger mit einem Portfolio von weniger als 500 kEUR an Wert generell empfehlen, von solchen Mittelstandsanleihen die Finger zu lassen. Man fährt hier besser mit Portfoliobeimischungen von High-Yield-Fonds, die zudem noch stärker diversifizieren.

Antwort
von althaus,

Es gab ca . 60 Neuemissionen in den letzten Jahren. 16 Emittenten davon sind schon pleite. Im Grunde genommen ist das keine Kapitalanlage mehr, sondern ein Glücksspiel, denn die Emittenten des BondM Marktes sind richtige Gauner und Lügner. Sie spielen mit geschönten Zahlen eine gute Bonität dar, lassen sich von Creditreform raten, was sich erwiesen hat, daß das Rating nicht die bohne wert ist und kassieren von Kleinanlager Geld für die angeblich sicheren Anleihen. Bevor es den Mittelstandsmarkt nicht gab, gab es auch Hochriskante Anleihen. Sie nennen sich heute noch High Yield Anleihen. In der regel wurden die aber an Erfahrenen Anlegern platziert und die Kupons waren über 10%, so daß jeder Idiot gleich wußte, daß er sich ein hohes Ausfallrisiko ins Depot gelegt hat. Nun nennen sich die riskanten Anleihen Mittelstandsanleihen und durch die Werbung der Börsen und Emittenten werden diese Anleihen viel teurer an den Mann gebracht und zwar mit Kupons von 7% - 9%. Manche habe sogar einen Kupon von 11%, das ist aber die Ausnahme. Dadurch daß es immer gierige und unerfahrene Anleger gibt ist das für die Emittenten ein gefundenes Fressen. Mit dem Mittelstandssegment was zunächst einen guten Ruf hatte lassen sich die Schrottpapiere gut an Kleinanleger verkaufen, da die Stückelung gerade mal 1.000 Euro ist. Durch die Masse läßt sich dann auch mal eine Emission über 10 oder 15 Mio Euro verkaufen. Leider betreiben viele Emittenten keine Kurspflege und >Nachrichtenpfelge, so daß viele Emissionen gleich im ersten Jahr zweistellig nachgeben. Auch verschlechtert sich das Rating, was weitere Kursverluste mit sich bringt. Letzdendlich ist es dem Emittenten egal ob er auch wirklich die Anleihe und Zinsen zahlen kann, denn wahrscheinlich wird er keine weitere neue Anleihe platzieren können und wenn er nicht zahlen kann, dann kann er ja auch pleite gehen und durch das neue Gesetz sich selbst sanieren um fortzubestehen. Was einige schon erfolgreich gemacht haben. Sie zahlen die Anleihe außerplanmäßig zu 10 bis 15% zurück und schon sind sie die Schulden los und das Geschäft geht einfach weiter. leidtragende sind sie Anleger, die 85% ihres Kapitals verloren haben und auf die Sicherheit der Anleihen vertraut haben. Mittelstandsanleihen sind das gefundene Fressen für Betrüger, daher lass die Finger davon.

Antwort
von Privatier59,
Sollte man davon die Finger lassen?

Als Mittelstandsanleihen Mode geworden sind hatten viele Anleger die Illusiuon, dort gäbe es gute Renditen ohne Risiko. Nach zahlreichen Insolvenzen in diesem Bereich werden die Dinge nüchterner betracht. Ich meine, Privatanleger sollten die Finger ganz von diesen Anlagen lassen. Zu undurchschaubar ist die Finanzlage der Firmen und zu unzuverlässig sind die Prognosen. Und im übrigen: Derzeit lassen sich mit Aktien hohe Renditen erzielen, Renditen die weit überhalb derjenigen von Mittelstandsanleihen liegen. Wieso sollte man in eine risikoreiche Anlage investieren wenn man mit einer weniger risikoreichen bessere Ergebnisse erzielen kann?

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