Frage von microgeo, 8

Werden die Aktienmärkte zunehmend durch massive Eingriffe der weltweiten Notenbanken manipuliert?

Und welche Folgen könnten solche mögliche Manipulationen mittelfristig haben? Halten die Märkte solche Eingriffe wie derzeit z.B. in China durch die Nationalbank auf Dauer aus?

Oder gab es derart massive Eingriffe wie derzeit schon immer bei den Märkten?

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds, 8

Eingriffe durch die Notenbanken gibt es schon länger. Es ist nur durch die erhöhte Transparenz und das gesteigerte Publikumsinteresse so, daß diese Maßnahmen heute sehr viel prominenter dargestellt werden. Vor 20 Jahren hätte es doch nur sehr wenige Leute interessiert, ob eine Zentralbank plötzlich eine größere Goldposition verkauft oder nicht, oder ob jemand Leitzinsen etwas verändert.

Lies mal dies hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Mississippi_Company

Das zeigt, daß Zentralbanker schon vor 300 Jahren Märkte manipuliert haben :-)

Schaut man weiter in die US-Geschichte, so zeigt sich, daß die Spekulation mit Land und Immobilien, die Blasenbildung und das Platzen der Blasen durchaus mehr als dieses eine Mal vorkam. 2008 ist  nur ein weiterer Meilenstein.

So ca. alle 100 Jahre gibt es einen Crash, der vor allem auf Schulden mindernd wirkt.

Durch die Finanzkrise, die ja im wesentlichen eine Vertrauenskrise der Finanzindustrie ist, wurden diese Themen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt und da die Maßnahmen der Zentralbanken zunehmend massiver werden, um überhaupt noch Wirkung zu zeigen, betreffen sie auch eine deutlich größere Masse an Anlegern.

Zentralbanken können ihr Gewicht  in die Waagschale werfen, um ihre Währungen zu stärken oder schwächen. Zieht jedoch am anderen Ende eines Währungspaars die entsprechende Zentralbank den gleichen Joker, so neutralisieren sich diese Maßnahmen zum Teil und es verbleibt eine Aufblähung der Zentralbank-Bilanzen. Daher hat auch die Schweizer Nationalbank den Stecker gezogen und EURCHF wieder dem Markt überlassen.

Ist es nicht bemerkenswert, daß der EURUSD immer noch bei knapp 1,09 steht, obwohl es eine Zinserhöhung in USA geben soll und die US-Wirtschaft angeblich so wundervoll wieder angelaufen ist? Mitnichten. Der große EU-Binnenmarkt macht Europa weniger anfällig für US-Politik und vor allem -Währungspolitik. Während also die europäische Wirtschaft gut anläuft, Spanien, Italien, Portugal und Irland wieder auf dem Pfad der Tugend sind und sogar Griechenland vielleicht eine Lösung in nächster Zeit finden wird, kämpft die US-Wirtschaft mit einem schwierigen Binnenmarkt, für Exporte teuren USD und der zunehmenden Marktposition der Emerging Markets. Der Traum von der Energieautarkie der USA ist auch wieder teilweise verdunstet, nachdem der Ölpreis einen wesentlichen Verfall erfuhr.

Die Folgen von Marktmanipulationen durch Zentralbanken sind nicht absehbar. Eigentlich sollen sie ja Zeit erkaufen, d.h. man verschiebt den Markt zugunsten eines bestimmten Szenarios, hält die Umgebungsbedingungen für eine Weile und führt dann die Maßnahmen auf den Normalzustand zurück - in der Hoffnung, daß zu diesem Zeitpunkt (in der Zukunft) der Normalzustand dann erträglicher ist als momentan. Agieren mehrere Zentralbanken unabhängig voneinander, ist das jedoch nicht mehr so sauber kontrollierbar. Irgendwann wird wieder eine deutliche Marktkorrektur kommen. Dem Zeitplan nach war 2008 zu früh... vielleicht bekommen wir in diesen 100 Jahren ja auch mal zwei Immobilienkrisen :-)

Kommentar von gandalf94305 ,

PS: Und was China anbelangt, so sind die Aktienkurse dort nicht wirklich exorbitant hoch, selbst wenn man einen Discount für kreative, chinesische Bilanzlegung einrechnet. China hat Wachstum und einen zunehmend starken Binnenmarkt. Die aktuellen Maßnahmen in China sind daher eher kosmetische, vertrauensbildende Maßnahmen - mit begrenzt manipulativer Wirkung. Wir werden sehen, wie es weitergeht.

Antwort
von Finanzschlumpf, 7

Die Folgen könnten sein, dass die Marktbewertung entweder richtiger wird, oder aber eben auch noch falscher.

Wobei echte Manipulationen schon auch regional etwas anderes sind. In Asien mag es noch normal sein ( BOJ , China Officials ), dass man direkt am Aktienmarkt agiert. Für Europa halte ich das eher für undenkbar. Da wird maximal verbal die Blase weiter aufgeblasen.

Antwort
von wfwbinder, 5

Die Aufgabe von Nationalbanken ist es ja, das wirtschaftliche Gleichgewicht zu erhalten.

Wenn also Märkte ins rutschen kommen wird eine Notenbank immer die Geldmenge erhöhen, um ggf. Nachfrage zu ermöglichen, wie auch bei möglichen Überhitzungen die Geldmenge verringert wird.

Was eine Nationalbank nicht kann, ist die Geldmengen zu lenken. So wie Draghi möchte, dass die erhöhte Geldmenge in Sachinvestitionen geht um die Konjunktur zu stützen, aber viel davon auf Konten gehalten wird, oder in Wertpapiere geht, so kann die Chinesische Nationalbank keinen zwingen Aktien zu kaufen, weshalb die Massnahmen weitgehend ins Leere gehen..

Eventuell wäre der Schwarze Freitag 1929, bzw. dessen Folgen geringer ausgefallen, wenn die FED seinerzeit die Geldmenge massiv erhöht hätte.

Antwort
von Rat2010, 6

Einer der wichtigsten Börsensprüche ist "Don't fight the Fed". Wie sollte man sich auch sinnvoll billigem und höchst billigem Geld oder Maßnahmen, mit denen die Geldmenge erhöht wird, sinnvoll entgegenstemmen?

Es ist logisch, dass das, was eine starke Zentralbank erreichen will auch erreicht wird. Sie sitzt am längeren Hebel. Die chinesische halte ich - wie Fed, EZB, BoE und einige andere für sehr stark.

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