Frage von guliver12, 29

Weniger als 12% der globalen Aktienfonds haben 2014 den MSCI übertroffen - Warum dann nicht ETFs?

Quelle: http://www.morningstar.de/de/news/134397/wer-hat-angst-vorm-msci-welt.aspx

Wenn man überlegt, dass man bei einem aktiven Fonds höhere Gebühren hat und trotzdem viele Fonds es nicht schaffen (auch nicht über mehrere Jahre) besser zu sein als ein billiger ETF - Warum dann in aktive Produkte investieren?

Um in den Fondsmarkt einzusteigen würde denke ich mal ein global anlegender Fonds schon Sinn machen. Nur wenn die meisten Fonds schlechter sind als der Index kann ich doch gleich in einen ETF investieren?! Wie findet man denn die wenigen guten globalen Fonds? Ist es bei einer solchen Statistik nicht auch unwahrscheinlich, dass selbst wenn ein Fonds über Jahre gut war er das nicht auf Dauer schaffen kann oder gibt es Gegenbeispiele ( also Fonds, die seit Jahren gute Leistungen liefern) ?

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds, 21

Wenn ich Dir nun sage, daß 90% aller Autos ihre Verbrauchsangaben nicht mal annähernd einhalten, dann wirst Du auf öffentliche Verkehrsmittel übergehen?

Du kennst das Sprichwort "nur ein toter Fisch schwimmt immer mit dem Strom"?

Ein Benchmark-Index (welcher auch immer) ist auch nur eine bestimmte Strategie, die sogar fixiert ist, da man in schlechten Zeiten nicht einfach einen Teil untergewichten und einen anderen Teil übergewichten kann. Das müßte ja in der Index-Strategie schon festgelegt sein (ja, es gibt auch solche, die das versuchen und sich dann Smart-Beta oder Risk-Variance etc. nennen). Warum sollte eine Gewichtung nach Marktkapitalisierung (oder anderen Kriterien) generell die beste Strategie für ein Marktsegment sein? Das ist nicht so und das läßt sich auch nachweisen.

Wo ist also das Problem? Nun, wenn man einen Index festlegt und dann jemand diesem Index folgt, jedoch jedes Jahr noch 1-2% an Gebühren abziehen will, dann wird man naturgemäß irgendwie schlechter als der Index liegen. Sprich: Fonds, die sich sklavisch an einen Index klammern (müssen), werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Performance des Referenzindex nicht erreichen, da sie ja für eine Gleichperformance eigentlich eine leichte Outperformance erreichen müssen. Da kann man gleich einen ETF nehmen.

Wenn Du in einem liquiden Markt mit hoher Korrelation bestimmter Einzelwerte einen ETF kaufst, dann müssen die Emittenten des ETF noch mehr in diese Einzelwerte parallel investieren, d.h. das fördert die Korrelation. Es führt aber auch dazu, daß ein gutes Stockpicking gerade die eigentlich besseren Werte, die jedoch in Indexstrategien nicht enthalten sind, heraussuchen kann und damit eine Outperformance der Benchmark-Indices erreicht. Die Thematik der teils unbeliebten Nebenwerte und der Vorliebe für groß kapitalisierte Unternehmen kann zu Problemen führen, wie man beispielsweise an DAX und MDAX oder Euro Stoxx 50 und Stoxx Europe 600 erkennen kann. Auch DJIA und S&P500 sprechen eine Sprache für sich.

Es gibt für praktisch alle wesentlichen Indices Fonds, die diese auf lange Sicht schlagen - und darauf kommt es ja an. Fonds können flexibler sein als feste Strategien, müssen es aber nicht.

Daher solltest Du nicht die 88% Fonds suchen, die schlechter als der MSCI World auf lange Sicht laufen, sondern Kriterien entwickeln, wie man diejenigen findet, die langfristig besser laufen.

In manchen Fällen nehme ich auch ETFs für eine Basisperformance, um bestimmte Märkte abzubilden, kombiniert mit Fonds, die für die Outperformance sorgen. Momentan habe ich ETFs:Fonds etwa 30:70.

Kommentar von gandalf94305 ,

PS: Und ja, es gibt genügend Beispiele von Fonds, die besser als ihre Benchmarks laufen. Schau Dir doch mal an

  • DAX vs. (den DAX-orientierten) Fondak A, Lupus alpha Smaller German Champions, DWS Deutschland

  • Eurostoxx 50 vs. Comgest Growth Europe, MFS Meridian European Smaller Companies, Invesco Pan European Structured Equity

  • MSCI World vs. Robeco Global Consumer Trends, MFS Meridian Global Concentrated Fund, MFS Meridian Global Equity Fund, Comgest Monde

Besonders interessant finde ich dabei immer die Stellen, an denen im Langfristchart ein Fonds gegenüber dem Index Boden gewinnt, d.h. entweder in Korrekturen weniger tief fällt oder aber in Erholungen stärker steigt. Wie Du sehen wirst, handelt es sich bei den Outperformern praktisch immer um Fonds, die in Rückgängen weniger stark fallen. DAS ist die Leistung einer guten, aktiven Strategie.

Dumme Fonds lassen die Aktien einfach laufen und schauen, wie die Erholung kommt, denn wenn der Fonds dann noch eine Performancefee verlangt, dann partizipiert er nämlich am Anstieg immer mehr als an den Rückgängen. Das Fondsmanagement hat also ein Interesse daran, solche Rückgänge mit anschließenden Erholungen voll auszuleben ;-)

Kommentar von gandalf94305 ,

PPS: Und ja, natürlich sind auch ETFs sinnvolle Investments. Nur eben hat man dann das Management des Portfolios nicht per Outsourcing an an ein oder mehrere Fondsmanagements delegiert, sondern muß es selbst tun.

Anstelle in 100 Aktien aus dem z.B. europäischen Markt zu investieren, kann man auch eine Handvoll ETFs nehmen, die ungefähr die Zusammensetzung eines vielversprechenden Portfolios herstellen. Dann beobachtet man und führt jeweils ein Rebalancing zur Strategie, sowie eine ggf. eine Neugewichtung bei wesentlichen Marktereignissen durch. Positionen werden gegen Rückgänge durch Stops, in sehr volatilen Phasen eher durch Puts oder Futures abgesichert. Die hohe Diversifikation schützt vor Einzelausfällen und man verpaßt nicht so einfach Outperformer-Branchen. Damit stellen viele große Institutionelle ihre Portfolios her und erwirtschaften eine solide Performance.

Nur muß man auch sehen, daß dafür viel Research, Erfahrung und vor allem ein sinnvolles Volumen für diese hohe Diversifikation erforderlich sind.

Jedes Instrument hat seinen Zweck, aber nicht alle Instrumente sind für alle Anlegertypen geeignet.

Antwort
von Rat2010, 21

Der MSCI World hatte sehr gute Jahre. Die Idee, die USA deutlich überzugewichten war goldrichtig. Allein der stak steigende Dollar aber auch stark laufende US-Märkte sorgten für ein gutes Ergebnis.

Wenn du glaubst, dass es so weiter geht, kannst du in einen ETF oder einen der Fonds investieren, die ihn schlagen. Allerdings nur dann. Er wird auch dann so investiert sein, wenn die im Index enthaltenen Aktien 70 % abgeben.

Warum nochmal willst du den MSCI world abdecken oder schlagen? Fast alle, die in gemanagte Fonds investieren, wollen ihr Geld (für Ihre Ziele) gut anlegen.

Wenn man deine andere Frage anschaut, ist das ein Thema, das du ganz einfach vergessen solltest. Es verunsichert dich nur. Du kratzt da wie bei der Fondsauswahl nur irgendwo rum.

Wenn man einen ETF schlagen will, ist das ganz einfach. Man nimmt einfach irgendwas, das möglichst weit entfernt davon anlegen darf und nimmt dann einen Zeitraum, bei dem auch Rückgänge dabei sind (da sind Indizes nämlich schwach). Der von dir vorgeschlagene FvS Multiple Opportunities hat ihm z. B. seit 2007 um die 50 % abgenommen. Der Carmignac Investissement seit 2000 über 200 %. Einem Indexfonds (der auch Kosten hat) mehr 55 % und 210 %. Beide haben dazu eine Menge Nerven gespart. Es spricht wenig dafür, dass das in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren anders sein sollte.

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