Frage von Roserl, 21

Welchen Sparplan als Altersvorsorge für Berufseinsteiger?

Meine Nichte beginnt im September eine Ausbildung. Wir sprachen kürzlich über das Thema Sparen und Altersvorsorge. Was würdet Ihr derzeit empfehlen, wenn ein junger Mensch beginnt zu arbeiten und regelmäßig Beträge zurücklegen will?

Antwort
von gandalf94305, 20

Zunächst mal sollte man in jungen Jahren zwischen Altersvorsorge und Vermögensaufbau unterscheiden. Mit Ausbildungs- oder Berufsbeginn (16-25) stehen daher die Gründung einer finanziellen Eigenständigkeit und meist Ziele im Horizont von 5-10 Jahren im Raum (Auto, Möbel, Wohnung, Haus), während für jemanden ab ca. 30 zunehmend das Thema der Altersvorsorge an Bedeutung gewinnt, wenn man aufgrund einer begonnenen beruflichen Laufbahn nun auch schon über die Mittel für solche Altersvorsorgerücklagen verfügt.

Aus diesem Grund würde primär der Aufbau einer liquiden Reserve von vielleicht 1-3 Monatsbedarfen im Vordergrund stehen, um unvorhergesehene Ereignisse mit kurzfristigem finanziellen Bedarf selbst und eigenständig handhaben zu können.

Dann wird man als Beginn eines Vermögensaufbaus vielleicht zunächst einen aktienlastigen Mischfonds, später zusätzlich noch Aktienfonds (Europa, Industrieländer global, Emerging Markets) besparen, um schrittweise einen mittel- bis langfristigen Vermögensaufbau zu betreiben. Da ist dann auch die Gelegenheit für die Verwandten, zu besonderen Ereignissen (Geburtstag, Weihnachten, Ausbildungsabschluß, Berufseinstieg, ...) einen Zuschuß auf das Tagesgeldkonto zu leisten, der dann in die Abschöpfung durch die Sparpläne eingeht. Sollte es Marktphasen geben, in denen mal die Kurse krisenbedingt sehr niedrig liegen, kann man so auch gezielt noch Fonds aufstocken.

  • In der Ausbildung wird es wenig zum Zurücklegen geben. Daher füllt sich erst mal das Tagesgeldkonto und Deine Nichte beginnt zu verstehen, wie sie mit den Einnahmen haushalten kann. Die Zinsen auf dem Tagesgeldkonto sind egal - es geht erst mal um das Bilden einer liquiden Rücklage.

  • Bleibt dann etwas übrig, werden das vielleicht 25-50 EUR im Monat sein, die in einen aktienlastigen Mischfonds monatlich oder zweimonatlich gespart werden können. Das könnte auch ab Ausbildungsbeginn aus einem VL-Vertrag gespeist werden.

  • Nach dem Berufseinstieg nach der Ausbildung wird dann mit der Zeit vielleicht etwas mehr übrigbleiben, so daß weitere Fonds bespart werden können und man sich auch Gedanken über betriebliche Altersvorsorge oder z.B. einen Riester-Vertrag machen kann.

Über die allzu langfristige Planung würde ich mir noch nicht den Kopf zerbrechen, denn das kann sich schnell ändern. Vielleicht geht Deine Nichte ja nach ihrer Ausbildung erst mal ein paar Jahre nach Kenia :-) Wichtig ist hier einfach die Existenz einer Rücklage, durch langfristige Altersvorsorgeverträge würde ich mich nicht so früh binden wollen.

Antwort
von Rat2010, 19

Wenn man als Berufseinsteiger an die Altersvorsorge denkt, ist ein riestergeförderter Fondssparplan alternativlos. Sie zahlt 60 € im Jahr oder 5 € im Monat z. B. (und die würde ich vorziehen) in die DWS Toprente und der Staat legt 154 € drauf. Dazu kommen im ersten Jahr noch 200 € Berufseinsteiger-Bonus, wenn sie nach 1982 geboren und unter 25 Jahre alt ist.

Je nachdem, was ihr Leben bringt, geht das vielleicht das ganze Leben in diesen Relationen weiter. Wenn sie mal ein paar Jahre kein Geld übrig hat oder nicht so hoch gefördert wird, kann sie auch aussetzen, im Mutterschutz bekäme sie für die 60 € neben den 154 auch 300 je Kind.

Sie spart auf die Art bis zur Rente hoch gefördert, nie belastend (weil sie den Beitrag (der mit höherem Enkommen ansteigt) jederzeit anheben oder senken kann) und wegen des frühen Starts über lange Zeit fast ausschließlich in Aktien an. Besser geht nach heutigem Stand nicht! Außer vielleicht mit Rabatt auf dem Ausgabeaufschlag aber auch das ist kein Problem.

Dann kriegt sie bis zu einem zu versteuernden Einkommen von 20.000 € auf bis zu 400 € Sparleistung im Jahr 20 % Sparzulage. Das Geld muss aber vom Chef in einen Fonds gehen, der die Voraussetzungen des Vermögensbildungsgesetzes erfüllt (also Aktienfonds). Wenn neben den 5 € im Monat etwas übrig bleibt, sollte sich zuerst damit beschäftigen. Geringverdiener werden hoch gefördert. So hoch, dass alles andere vergleichsweise uninteressant ist. Dazu ist die Art der Anlage - weil sinnvoll - ein guter Einstieg in langfristigen Vermögensaufbau.

Kommentar von LittleArrow ,
alternativlos.

Wie sieht es denn mit der Anrechnung von Riesterrenten - rein theoretisch natürlich - im Falle vom späteren Status als Hartz IV-Empfänger aus?

Kommentar von Rat2010 ,

Riester-Guthaben ist im Gegensatz zu fast allem anderen in der Ansparzeit Hartz-IV-sicher. Wenn sie das durchzieht, ist sie im Altern nicht mehr vom Staat abhängig. Wenn doch, hat es nichts gebracht. Das ändert aber nichts daran, dass es heute, zu Beginn der Ausbildung, falsch gewesen wäre, es nicht zu machen.

Es ist auch so, dass in dem Fall die Rendite auf die Zulagen einiges ausmacht. Sollte sie also den Vertrag irgendwann kündigen und alle Zulagen zurückzahlen müssen, kann und sollte der Vertrag (genauer: die Rendite auf die Einzahlung) auch interessanter als die Alternativen gewesen sein.

Antwort
von Springbutterfly, 16

Ganz klar: Erst mal flexibel bleiben und in einen Fondssparplan investieren. Gibt's ab 25 € / Monat.

Anlagehorizont > 5 Jahre und die Sparsumme eher als eiserne Reserve sehen, die nicht unbedingt zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar sein muss.

Ansonsten hat Gandalf das Wesentliche dazu gesagt!

Antwort
von wfwbinder, 14

Gerade bei jungen Leuten die ins Berufsleben eintreten, sollte man nicht stur an den Renteneintritt mit 67 denken.

Altersvorsorge kann auch der Kauf einer Wohnimmobilie sein.

Daher etwas variables nehmen, wo man ggf. raus kann.

Ich empfehle einen Aktienfonds, oder einen Mischfonds zu besparen.

Das kann mit den Vermögenswirksamen Leistungen kombiniert werden.

Antwort
von Niklaus, 16

Eine der besten Möglichkeiten, längerfristig sein Geld anzusparen ist ein Fondssparplan mit Investmentfonds. So ein Fondssparplan kann man quasi für das ganze Leben brauchen. Entnahmen für den Führerschein oder das erste Auto, sind ebenso möglich wie die Kompensation von finanziellen Engpässen während dem Studium oder der Berufsausbildung. Der Sparplan kann natürlich auch für die Altersvorsorge genutzt werden. Bei dem Sparplan sind Aktienfonds zu bevorzugen wegen der vermutlich längeren Laufzeit. Fondssparpläne gibt es bereits für eine Mindesteinzahlung ab 25 € pro Monat. Verfügbarkeit, Erhöhung, Reduzierung oder Kündigung, keine feste Laufzeit, keine Stornokosten. Aktienfonds haben nachweislich alle anderen Anlageformen in Bezug auf Rendite und Sicherheit weit übertroffen. Aktienfonds sind sehr gut diversifiziert, weil sie viele Aktien im Portfolio haben. Die Anlage ist inflationsgeschützt, da Aktien Sachwerte sind und auch insolvenzgeschützt, weil Aktienfonds Sondervermögen sind. Aktienfonds schwanken, weil die Märkte volatil sind, aber das hat nichts mit Sicherheit zu tun. Zu einem Bausparvertrag einer Ausbildungsversicherung und zu ETFs würde ich nicht raten. Diese Produkte sind nicht nur unnötig sondern haben auch noch andere Nachteile

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