Frage von Patrizia425, 17

Welchen Forderungen sind hier durchsetzbar

Person A verkauft an Person B über Privatkauf einen 9 Jahre alten Audi A3.Im Kaufvertrag existieren keine ausdrücklichen Ausschlüsse, was die Haftung und die Gewährleistung angeht. Das Auto wurde mit dem Begriff TOP-Zustand verkauft.

Folgende Mängel waren mündlich und teilweise schriftlich angegeben. =

1 Unfallschaden( behoben)schriftlich

Probleme bei Start des Motors, wenn er heiß ist oder wenn Aussentemperatur zu hoch ist ( als Normal und nicht als Mangel angegeben.( mündlich, aber Zeuge vorhanden)

1 Lackschaden hinten (schriftlich)

Problem:

Innerhalb von 4 Wochen splittert der Lack von der Motorhaube und anderen Stellen ab. Drei von vier Zündkerzen gehen hintereinander kaputt. Das Auto startet zum Schluss nicht mehr. Die Dieselpumpe ist laut Werkstatt komplett kaputt. Person B stellt fest, dass der Schaden der Dieselpumpe bereits zum Kauf des Autos bestanden haben muss.Person A sieht in seiner Handlung keine Schuld, da das Problem bei ihm auch schon bestand. Jedoch war da nicht kaputt gegangen.

Kosten: Auto Kaufpreis : 8000€ Lackschaden : 300 Euro Dieselpumpe : 1000 Euro

Frage: Welche Ansprüche können geltend gemacht werden? Bei welchem Gericht ist die Klage einzureichen? Ist dass ein Fall von arglistiger Täuschung? Kann hier das Auto zurück gegeben werden?

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von gandalf94305, 17

Ei, der Zustand wurde als "TOP-Zustand" bezeichnet und dann die genannten Mängel? Der Käufer wußte Bescheid und hätte zumindest beim Punkt mit dem Motorproblem stutzig werden müssen.

Was sagt denn das Wartungsbuch über Inspektionen? Hier müßten (Long-Life-Service vorausgesetzt) alle ca. 30.000 km Inspektionen erfolgen. Die Dieselpumpe bzw. die Motorprobleme wären da angegangen worden.

Ich bin absoluter Laie, was Autos anbelangt, jedoch weiß sogar ich, daß ein Dieselmotor keine Zündkerzen hat. Diesel sind Selbstzünder. Es gibt hier höchstens Glühkerzen für den Start.

Bei einem neun Jahre alten Pkw können immer Überraschungen auftreten, die erst bei entsprechender Nutzung durch den Käufer auftreten, da der vorige Eigentümer das Fahrzeug beispielsweise nur selten nutzte und insbesondere dann nicht, wenn Probleme zu erwarten waren.

Ich habe noch nie gehört, daß Lack sich einfach so von der Motorhaube ablöst. Das ist eigentlich auch technisch nicht möglich - es sei denn, der Lack war bereits beschädigt oder es war nicht mehr der Originallack und im Rahmen einer Reparatur (z.B. nach Unfall) wurden in dilettantischer Weise die Motorhaube etc. neu lackiert bzw. es wurde beispielsweise der falsche Lack dafür verwendet.

Ich habe hier den Eindruck, ein Doofie A hat einem anderen Doofie B ein Auto verkauft. A war nicht unehrlich, hat aber ein paar Punkte nicht prominent dargestellt, während B keine Ahnung von Autos hatte und das Ding wie eine Tomate eben gekauft hat. Gut, die Tomate stellte sich dann als Gurke heraus, aber das würde ich primär einer mangelnden Sorgfältigkeit der Prüfung des gebrauchten Fahrzeugs durch den Käufer B zuschreiben. Motorprobleme sind ein Alarmzeichen und solche Autos kauft man nicht ohne klare Aussage einer Werkstatt über die Reparatur. 300 EUR Lackschaden-Reparatur ist nichts. Das war etwas Polieren und Nachlackieren. Richtiges Lackieren beginnt im vierstelligen Bereich, da immer ganze Teile ausgebaut und lackiert werden. Das dauert dann zwei Tage. Der Preis für die Dieselpumpe ist realistisch und dieses Teil wäre auch ein typisches Verschleißteil nach dieser Lebenszeit.

Mit anderen Worten: ich sehe da eigentlich keinen Ansatzpunkt für Ansprüche oder arglistige Täuschung - schon gar nicht für eine Rückabwicklung des Vertrags.

Antwort
von imager761, 11
Person A verkauft an Person B über Privatkauf einen 9 Jahre alten Audi A3.Im Kaufvertrag existieren keine ausdrücklichen Ausschlüsse, was die Haftung und die Gewährleistung angeht.

Tatsächlich? In dem Fall sieht der Gesetzgeber eine Gewährleistungsfrist von 24 Monaten vor :-O

Welcher Verkäufer haftet wohl freiwilig mindestens die ersten 6 Monate für erwartbar weitere Mängel eines 9 Jahre alten Gebrauchtfahrzeugs?

Welche Ansprüche können geltend gemacht werden?

Ansprüche? Denn der Wagen ist vielmehr frei von Sachmängeln, da diese "Beschaffenheit vereinbart" und im Übrigen "bei Sachen der gleichen Art üblich ist und die der Käufer nach der Art der Sache erwarten kann.", § 434 Abs. 1 BGB.

Ist dass ein Fall von arglistiger Täuschung?

Nein: Das Glühkerzen oder eine Dieselpumpe nach 9 Jahren ausfallen, ist durchaus erwartbar. Dass der Verkäufer wusst, dass es sich entgegen seinen Aussagen vielmehr um diese Ursachen handelte, dass der Wagen schlecht anspringt, müsste man ihm nachweisen. Und dass die Lackierung offenbar unfachmännisch vorgenommen wurde, konnte der Besitzer durchaus nicht wissen.

Kann hier das Auto zurück gegeben werden?

Nein. Znächst wäre - IMHO allenfalls nur für die Lackierung - der Verkäufer zu Nacherfüllung aufgefordert. Hätte man da schon selbst Auftrag erteilt oder Hand angelgt, wäre dieser Anspruch allerdings verwirkt.

G imager761

Antwort
von billy, 7

Vermutlich keine Ansprüche, welches Verkaufsformular wurde denn verwendet oder wurde der Vertrag vollständig handschriftlich erstellt ? Person A hat doch nicht etwa bei dem Fahrzeugalter einen neuwertigen Zustand erwartet ? Zündkerzen gibt es nur in Benzin - PKW, bei Dieselfahrzeugen heißen die Teile Glühkerzen und haben eine längere Lebensdauer als Zündkerzen.

Antwort
von barmer, 9

Hallo,

wenn wirklich keinerlei Gewährleistungsausschluss vereinbart war (bei Kfz-Kaufverträgen aber seit Jahrzehnten üblich), haftet der Verkäufer mind. 6 Monate für alles, was nicht Verschleiß oder alterstypisch ist. Also sicherlich für den Lack, auch die Dieselpumpe, sicher nicht für die Zündkerzen (zumal der Diesel keine hat).

Wie schon gesagt: für 300 EUR kann man keinen Lackschaden beheben.

Arglist ist hier schwer nachzuweisen, wahrscheinlich war der Verkäufer einfach nur blöd, sonst hätte er einen Gewährleistungsausschluss reingeschrieben.

WEnn Du nicht weißt, welches Gericht zuständig ist, lass es einen Anwalt machen.

Viel Glück

Barmer

Antwort
von Gaenseliesel, 5

Hallo Patritia425,

ärgerlich, und das bei einem Kaufpreis von 8000,- Euro :-(( schau mal hier:

http://www.12gebrauchtwagen.de/gebrauchtwagen-ratgeber/Kaputtes-Auto-von-Privat-...

K.

Antwort
von Privatier59, 5
Begriff TOP-Zustand

Das ist genauso aussagekräftig wie das weißeste Weiß.

1 Unfallschaden(

War der vielleicht an den Stellen wo der Lack abblättert?

Drei von vier Zündkerzen gehen hintereinander kaputt.

Als notorischer Dieselmuffel weiß ich natürlich nicht, wie oft die Zünd-"kerzen" beim Diesel ausgetauscht werden, beim Benziner aber gehört das zum normalen Wartungsprogramm und von regelmäßiger Wartung steht da nichts.

Dieselpumpe

Da müßte man mal recherchieren, wie lange Dieselpumpen so halten. Für altersbedingte Schäden haftet der Verkäufer nicht. Allerdings spricht hier einiges für das arglistige Verschweigen eines Mangels und das trifft den Verkäufer immer.

Kommentar von gandalf94305 ,
Als notorischer Dieselmuffel weiß ich natürlich nicht, wie oft die Zünd-"kerzen" beim Diesel ausgetauscht werden

Als notorischer Dieselfahrer weiß ich trotzdem nicht, wie die ganzen Teile an meinen Vehikeln heißen, daß aber ein Dieselmotor keine Zündkerzen benötigt, ist sogar mir bekannt :-)

Kommentar von Privatier59 ,

Das mir geläufige Wort Glühstrümpfe erinnert mich dann doch zu sehr an Damenunterwäsche.

Kommentar von Privatier59 ,

Und zur Ergänzung für die Fragestellerin:

Die Gerichtszuständigkeit hängt vom Streitwert ab. Wenn hier der gesamte Kauf rückabgewickelt werden sollte, wären das 8000 Euro und damit wäre die Zuständigkeit des Landgerichts gegeben (weil über 5000 Euro):

http://dejure.org/gesetze/GVG/23.html

Unschöne Nebenfolge: Beim LG herrscht Anwaltszwang. Mal eben eine Klage selber basteln geht also nicht.

Ganz nebenbei möchte ich das Augenmerk auf einen Umstand lenken der Deine Begeisterung vielleicht bremsen wird: Ist beim Verkäufer denn was zu holen? Was nutzt ein teuer erstrittenes Urteil wenn nachher nicht vollstreckt werden kann. Ich habe mal das Prozeßkostenrisiko überschlagen: In erster Instanz sind das ca. 4.200 Euro zzgl. eventueller Sachverständigenkosten. Selbst beim Obsiegen würdest Du für mehr als die Hälfte davon (nämlich alles mit Ausnahme der Anwaltskosten des Gegners) gerade zu stehen haben. Ich schätze mal inklusive Sachverständiger dürften das um die 4000 Euro sein. Willst Du das Risiko eingehen?

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