Frage von solicitation1, 155

Welche Möglichkeit kann man anwenden, um das Kapital der GmbH zu erhöhen?

Die GmbH wurde vor kurzem gegründet und hat noch keine Einnahmen. Um diese erzielen zu können, werden vermutlich mehr als die bisherigen 25.000 Euro Stammkapital notwendig sein. Ich möchte vorerst keine Bank einschalten, sondern erst noch weitere private Mittel investieren.

Der Notar hat mir geraten, das Stammkapital ganz offiziell mit Einbeziehung des Registergerichts zu erhöhen, da dadurch seiner Meinung nach der Wert der Firma steigt.

Der Steuerberater hat mir davon abgeraten. Er empfiehlt mir, der Firma ein Privatdarlehen zu gewähren. Das wäre einfacher und würde nur sehr geringe Kosten verursachen.

Zwei "Experten", zwei Meinungen. Was würdet Ihr tun/vorschlagen?

Antwort
von wfwbinder, 117
Etwas anderes.

Du musst Dir die Auswirkungen vor Augen führen und überlegen, was Dir mehr entgegen kommt:

Stammkapital erhöhen:

Vorteile: Die Kapitalbasis wird breiten, das Unternehmen wird mehr Wert, die GmbH hat keine Zinskosten.

Nachteil: Wenn die GmbH das Geld mal nicht mehr braucht ist es schwieriger Dein Geld dann wieder heraus zu bekommen (Kapitalherabsetzung), Notar und Gerichtsgebühren.

Darlehen gewähren:

Vorteil: Es ist mehr Geld in der GmbH, keine Kosten für Gericht udn Notar, Du kannst Dir das Geld aus der GmbH als Darlehenstilgung raus holen.

Nachteile: Die GmbH hat Zinskosten, das Unternehmen wird nciht mehr Wert, Das Unternehmen hat bei höherer Bilanzsumme eine schlechtere Eigenkapitalquote.


Da Du uns weder sagst, wieviel Geld die GmbH braucht um den Unternehmenzweck zu erreichen, auch nicht die Branche, welche Betriebserweiterungen erwartet werden (Businessplan), ist es leider schwer Dir zu raten.

Kommentar von solicitation1 ,

Ich hoffe das insgesamt 50.000 Euro ausreichen, um erste Einnahmen zu generieren. Branche wäre IT.

Kommentar von EnnoWarMal ,

Vorteile: Die Kapitalbasis wird breiten, das Unternehmen wird mehr Wert,

Eigentlich nicht. Es ist inzwischen üblich, sich Darlehen durch Bürgschaften der Gesellschafter besichern zu lassen.

Kommentar von wfwbinder ,

Hier geht es in meine Kernkompetenz "Rating."

Gegenüber der Bank hat @EnnoWarMal Recht, eine Bank wird vom Gesellschafter eine persnliche Bürgschaft wollen, wenn es um Kredit geht.

Aber im allgemeinen Geschäftsverkehr, wenn es um die Bewertungen bei den Wirtschaftsauskunfteien geht, um Kennzahlen usw. ist einfach ein Unternehmen mit Bilanzsumme 100.000,- und einem Stammkapital 50.000,- mit einer Eigenkapitalquote von 50 % ausgestattet udn eines mit 25.000,- eben nur mit 25 %, obwohl der Unternehmer mit ebenso 50.000,- im Risiko ist.

Antwort
von EnnoWarMal, 101

Der Steuerberater hat mir davon abgeraten. 

Damit er auch recht und der Notar hat keine Ahnung. Aus diesem Grund beispielsweise ist der Steuerberater zur geschäftsmäßigen Hilfeleistung befugt und der Notar nicht.

Bei einer Stammkapitalerhöhung kommst du doch an das Geld nicht wieder ran und das bezahlst du sogar noch teuer.

Du bist wahrscheinlich der Gesellschafter. Du reichst der Gesellschaft ein Darlehen aus und stellst einen Darlehensvertrag aus, der fremdüblich ist und auch fremdüblich vollzogen wird. Verzinsung nicht vergessen!

Das ist eines der einfachsten Vorgänge im Umgang mit einer GmbH.

Kommentar von EnnoWarMal ,

Vielleicht hat der Notar ja doch Ahnung: Die Kapitalerhöhung ist notarpflichtig. Und umsonst arbeitet der sicherlich nicht.

Kommentar von solicitation1 ,

Das habe ich auch schon befürchtet. Wäre dann ungefähr vergleichbar, wenn man seinen Friseur fragt, ob man einen neuen Haarschnitt braucht.

Kommentar von solicitation1 ,

Danke, wieso "Verzinsung nicht vergessen"? Darf ich kein zinsloses Darlehen vergeben?

Kommentar von EnnoWarMal ,

Doch, darfst du. Du darfst alles, solltest aber die Folgen kennen.

Es würde dann steuerlich das Darlehen abgezinst werden. Das bedeutet, dass in der GmbH ein Gewinn entsteht, der versteuert werden muss, ohne dass ein Pfennig Geld reingekommen ist.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community