Frage von gandalf94305,

Welche in Deutschland gehandelten ETFs haben kein Sondervermögen?

Es gibt hier immer wieder mal die These, daß es in Deutschland zugelassene ETFs ohne Sondervermögen gibt. Meiner Ansicht nach ist dies klar durch das InvG und die UCITS-Richtlininen geregelt. Die Fondsvermögen sind zu 100% Sondervermögen und damit vor einer Insolvenz der ETF-Gesellschaft geschützt. Selbst wenn ein ETF Swaps und andere Derivate verwendet, gehören diese zum Sondervermögen. Swaps werden besichert, so daß hier in vielen Fällen nicht einmal der Swap-Anteil von 2% per Materialisierung von Kontrahentenrisiken wertlos wird, sondern die Sicherheiten greifen, die üblicherweise mit >100% des Swapanteils bestehen. In manchen Fällen würde ein ETF sogar vom Wegfall eines Swappartners profitieren, da die Swapzahlungen wegfallen und der eigene Portfolio vielleicht den abgebildeten Index sogar outperformt.

Es gibt neben ETFs (Fonds) auch andere ETP, die zum Teil besichert sind. Die Besicherung dient nur einer Reserve bei Insolvenz des jeweiligen Teilfonds, jedoch ist in der Praxis meines Wissens der Fall einer Insolvenz einer Gesellschaft mit besicherten Teilfonds noch nie vorgekommen. Damit ist insbesondere unklar, was mit der Besicherung passiert. Hier handelt es sich strikt genommen jedoch nicht um Fonds, sondern Zertifikate (ETC bzw. ETN) auf besicherte Teilvermögen, d.h. dies fällt nicht unter die Kategorie ETF. Prominente Beispiele: Xetra Gold oder andere ETC auf Rohstoffe. Diverse ETN auf Strategieindices oder Währungen kursieren ebenfalls. Diese sind formal ebenso Zertifikate und in den meisten Fällen nicht besichert. Auch das sind jedoch keine ETFs.

Ich möchte also von denjenigen, die hier immer von ETFs ohne Sondervermögen sprechen, mal eine klare Ansage von ISINs lesen, welche in Deutschland zugelassenen ETFs kein Sondervermögen besitzen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von LittleArrow,

Ich kenne keinen ETF ohne Sondervermögen.

Ich vermenge auch nicht gedanklich ETC, ETN und ETP.

Kommentar von GAFIB ,

@LittleArrow: Zum 2. Satz: Da habe ich in Deinem Falle auch nicht die geringsten Sorgen... (;-)

Antwort
von Tritur,

Alle ETF haben ein Sondervermögen - zumindest soweit sie in Deutschland zugelassen sind.

Die Frage ist nur, welche Qualität das Sondervermögen eines ETFs hat.

Der unbedarfte Anleger glaubt doch, dass im Sondervermögen eines ETFs, der einen Index, wie z.B. den DAX nachbildet, die gleichen Aktien im gleichen Verhältnis vorhanden wären, wie es die Definition des Index vorschreibt.

Das ist leider keineswegs immer der Fall. Viele ETF Sondervermögen beinhalten alles mögliche (z.B. Anleihen), nur nicht die Aktien ihres Index. Die dem Index folgende Kursentwicklung solcher ETFs wird durch Derivate erreicht, die keine Substanz darstellen, sondern nur Forderungen sind, gegen irgendwelche dem Anleger unbekannt bleibende Swappartner.

Bei einer Insolvenz des Swappartners oder auch einer inflationären Entwertung der verzinslichen Forderungen im Sondervermögen, werden die Eigentümer solcher ETFs plötzlich sehr alt aussehen.

Kommentar von gandalf94305 ,

die keine Substanz darstellen, sondern nur Forderungen sind, gegen irgendwelche dem Anleger unbekannt bleibende Swappartner.

Die Swappartner sind im Verkaufsprospekt benannt.

Bei einer Insolvenz des Swappartners oder auch einer inflationären Entwertung der verzinslichen Forderungen im Sondervermögen, werden die Eigentümer solcher ETFs plötzlich sehr alt aussehen.

Irrtum. Der Swap sorgt ja gerade dafür, daß die Performance stimmt. Was also im Portfolio ist, spielt eigentlich keine Rolle, solange ein Swappartner die Performance für hinreichend geringe Kosten tauscht.. Passen gewisse Konstituenten des Portfolios nicht mehr so gut, werden sie eben ausgetauscht.

Und abgesehen davon ist mir bisher noch kein Fall bekannt geworden, in dem ein Swappartner tatsächlich insolvent geworden wäre. "sehr alt" bedeutet im absolut schlimmsten Fall, daß die 2% oder so, die als Swapanteil bestehen, ausfallen. Das ist ein tragbares Risiko, das deutlich unter der Marktvolatilität vieler Instrumente liegt.

Antwort
von GAFIB,

Hallo Gandalf, all diese Aussagen sind völlig korrekt! Dem ist also nichts hinzuzufügen. Auch sehr schön bei Wikipedia nachzulesen.

Wie ebenfalls richtig angesprochen, gibt es neben ETFs noch ETCs und ETNs. Manch einer, der wenig Erfahrung mit Index-Produkten hat, wirft das alles in einen Topf. Und das dürfte auch bereits die simple Erklärung sein...

http://de.wikipedia.org/wiki/Exchange-traded_fund

Kommentar von GAFIB ,

Und hier ist noch ein weiterer ausführlicher Link dazu: http://www.finanztip.de/recht/bank/investmentfonds-grundlagen.htm

Kommentar von gandalf94305 ,

Wie ich schon schrieb: mir ist das vollkommen klar. Ich warte eigentlich eher auf eine Stellungnahme von jemand anderes, der sich mehrfach anderslautend hier ausgedrückt hat.

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