Frage von seb0815,

Welche bAV (klassisch, fondgebunden oder britisch)?

Hallo community,

als GmbH-Geselllschafter-Geschäftsführer (kein Sozialversicherungspflicht, PKV) möchte ich eine BaV als ersten Baustein abschließen. Mein unabhängiger Finanzberater rät zu einer Versicherung nach britischem Modell (z.B. Netto-Police der Canada-Life / Standard-Life) mit ggf. kombiniert mit einer zweiten fondgebunden Versicherung mit möglichst großer Fondauswahl.

Macht diese Empfehlung im Vergleich zum klassichen Modell mit mehr Garantien / Absicherungen wirklich Sinn? Gerade die Standard-Life bekommt doch sehr durchwachsene Bewertungen (von Empfehlung bis Abraten), da das Risiko doch sehr schwer kalkulierbar scheint und die Rendite letztlich durch hohe Kosten aufgefressen werden (siehe z.B. Finanztest, welche keine überzeugende fondgebunden RV auflistet).

Mir ist klar, dass das Risiko steigt aber ich bin verwirrt, dass ein so negatives Stimmungsbild existiert.

Spricht etwas gegen den Vorschlag meines Beraters oder ist das zu risikofreudig und man sollte lieber konservativ anlegen?

Vielen Dank

Antwort
von Niklaus,

Zuerst einmal. Wer sagt denn, dass die betriebliche Altersvorsorge überhaupt die richtige Vorsorge für sie darstellt.

Betriebliche Altersvorsorge kann muss aber nicht richtig für sie sein.

Bezüglich der Standard Life, kann ich nur sagen es gibt kaum eine kostengünstigere Versicherung. Auch die Canada Life würde ich einer vor einer deutschen Versicherung bevorzugen. Der zugrunde liegende UWP-Fonds der Generation Produkte hat in der Finanzkrise sein Kapital gehalten. Ich keine Finanzanlage die das auch geschafft hätte.

Die wirklich wichtige Frage zur Altersvorsorge sollte lauten:„Welche Altersvorsorge ist für mich optimal“? In Deutschland ist die Altersvorsorge in drei Schichten aufgebaut. Aber Achtung: Weder die optimale Schicht noch die Art der Altersvorsorge kann man pauschal festlegen. Es ist ein großer Unterschied, ob jemand eine Rürup-Rente, eine Riester-Rente, eine betriebliche Altersvorsorge eine privat Rentenversicherung oder einen Fonds-Auszahlungsplan abschließt. Jede der Versorgungsarten hat unterschiedlich hohe Aufwendungen um die gleiche Nettorente zu erzielen. Dies ist abhängig von der Art der Arbeit, selbständig oder angestellt, ob er über oder unter der Beitragsbemessungsgrenze liegt, welchen Familienstand er hat, der Anzahl der Kinder, der Höhe des Einkommensteuersatzes und der Form der Krankenversicherung, gesetzlich freiwillig gesetzlich oder privat.

Alle Versorgungsformen sind sowohl in der Einzahlungsphase wie in der Rentenphase unterschiedlich besteuert. Die größten Auswirkungen entstehen aber ab Beginn der Rentenphase. Die Besteuerung und die Krankenversicherung wirken sich hier enorm aus. Um eine gleiche Nettorente nach Steuern und Krankenversicherung in allen Vorsorgearten zu erzielen, hat man unterschiedlich hohe Aufwendungen für seine Rente. Denn es ist schon ein großer Unterschied, ob ich von dem im Angebot errechneten Betrag noch Steuern und ggf. Krankenversicherung bezahlen muss oder nicht. Deshalb ist es wichtig, dass vor Abschluss jeglicher Altersvorsorge ein qualitativer und quantitativer Schichtenvergleich durchgeführt wird. Erst dann kann man sagen welche Schicht, welche Art der Altersvorsorge optimal ist. Auch Kombinationen können in betracht kommen.

Seit 1.1.2005 gilt das Alterseinkünftegesetz,

  • Schicht 1 Basisversorgung: gesetzliche Rentenversicherung und Basisrente (Rürup-Rente)
  • Schicht 2 Zusatzversorgung: betriebliche Altersvorsorge und Riester-Rente
  • Schicht 3 Kapitalanlagen: Private Renten- bzw. –Kapitallebensversicherungen, Investmentfonds

Beispiel:

Mann, ledig, 34 Jahre alt, Versorgungslücke ab dem 67. Lebensjahr 540 € monatlich (=erforderliche Nettorente)

Um die Versorgungslücke von 540 €/Monat netto abzudecken, werden folgende Bruttorenten je Schicht benötigt:

  • Basisrente: 779 €
  • Direktversicherung, Pensionsfonds, Pensionskasse: 1.050 €
  • Unterstützungskasse, Pensionszusage: 1.050 €
  • Riesterrente: 779 €
  • Private Leibrente: 568 €
  • Investmentfonds-Auszahlungsplan: 690 €

Der erforderliche Beitragsaufwand um die Versorgungslücke abzudecken beträgt:

  • Basisrente: 210 €
  • Direktversicherung, Pensionsfonds, Pensionskasse: 302 €
  • Unterstützungskasse, Pensionszusage: 302 €
  • Riesterrente: 210 € (damit wird aber nicht die komplette Versorgungslücke gedeckt)
  • Private Leibrente: 110 €
  • Investmentfonds-Auszahlungsplan: 116 €

Die Differenz zwischen Bruttorente und Nettorente sind Steuern und Beiträge für die Krankenversicherung. Ausgehend von den unterschiedlichen Bruttorenten, ist die Höhe des monatlichen Aufwands natürlich auch unterschiedlich. Bei der Ermittlung des Nettoaufwandes müssen nämlich noch die unterschiedlichen staatlichen Förderungen und die unterschiedlichen Renditen der Vorsorgeformen eingerechnet werden.

Antwort
von GAFIB,

Die schon gemachten Ausführungen zur Wichtigkeit einer steuerrechtlich einwandfrei formulierten Direktzusage sind korrekt. Ein Steuerberater/Steueranwalt mit Erfahrung auf diesem Gebiet ist sehr wichtig.

Wenn es um die Produktauswahl zur Rückdeckung einer Direktzusage geht, sind Gruppenversicherungsverträge (sog. Nettoprodukte) praktisch immer überlegen in ihrer Rentabilität. Diese werden von Honorarberatern verwendet. Solche Verträge erzielen nach 20-30 Jahren Laufzeit durchaus Ablaufleistungsvorteile von mehreren 10.000 €.

http://verbraucher.confee.de/Vorteile%20der%20Honorarberatung/Bessere%20Produkte...

Kommentar von GAFIB ,

Gekürzter Link: http://tinyurl.com/c7dzoh2

Antwort
von alfalfa,

An diesem Punkt sollten Sie keine Entscheidung treffen ohne Ihren Steuerberater zu befragen. Denn diese Form der Absicherung ist eng verknüpft mit ihrem Arbeitsvertrag und der GmbH Satzung.

Ob das Produkt klassisch, findsgebunden oder Britisch ist, ist eine Frage der Risikoneigung. Doch wenn Sie es über die GmbH abschließen, stellt sich die Frage ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmerfinanziert. Und dann ergibt sich ein bilanzielles Problem mit ggfs Nachschusspflicht.

Mal Extrembeispiel. Sie schließen Britisch ab als Direktzusage. Klingt gut, bringt tolle Ersparnisse in der Steuerbilanz. So, jetzt bringt das Ding nicht die Marktperformance. Sie zählen mehr ein was es bringt. Ärgerlich. Jetzt weren Sie älter. Nach Heubeck ist das Ding mit 5,5 % passivistischer zu verzinsen. Das müssen Sie nachschießen bzw finanzieren. Unlustig weil extrem teuer. Nun wollen Sie die GmbH verkaufen oder weitergeben.

Tolle Wurst. Besteht nur aus Fremdkapital und damit unveräußerlich.

Hat ihnen das alles ihr Berater gesagt? Ich hoffe, er ist Makler. Und ich hoffe sie dokumentieren das sehr gut mit!

Wenn ja, so ist er im Knast! Denn er hat Rechtsberatung betrieben.

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In Anbetracht der ungeklärten Fragen ist es Latte, ob das Ding 3,o%, 5,0% oder 10000% erwirtschaftet, es geht darum wie es verankert wird.

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