Frage von Privatier59, 49

Welche Anlagestrategie soll ich bei drohender Zinswende wählen?

Ist der Minicrash an den Bondmärkten nicht ein deutliches Zeichen dafür, dass die Zeit niedriger Zinsen vorbei ist? Unmittelbaren Einfluss hat das auf Renten und darin investierende Fonds. Aber auch die Aktienmärkte werden bei steigenden Zinsen leiden.

Was sollte man denn auf Sicht von 2 Jahren anlagemäßig tun? In Aktien investiert bleiben oder besser in Erwartung fallender Kurse Liquidität aufbauen? Lohnen Rentenwerte noch und wenn ja, in welchen Regionen und Währungen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gandalf94305, Community-Experte für Aktienfonds, 42

Es ist doch erstaunlich, daß trotz Ängsten vor Zinserhöhungen durch die relevanten Notenbanken die Bondmärkte in 2014 und auch in 2015 recht gut gelaufen sind :-)

Auch Emerging Markets Bonds laufen noch immer sehr gut, obwohl gerade massiv Kapital aus den Emerging Markets Aktien abgezogen wird - primär von US-Anlegern.

Die Retailzahlen aus USA verheißen nicht so viel Gutes. In der EUR-Zone ist gerade mal eine leicht steigende Inflation zu erkennen.

Kürzlich rutschte der Bund Future intraday über die 160, die rein rechnerisch für Idealanleihen das theoretische Maximum gewesen wäre. Der Bund-Future hat aufgrund einiger Eigenheiten in der Abwicklung einen theoretischen Maximalwert von knapp 164 Punkten. Man könnte sich auch negative Kupons vorstellen, d.h. der Maximalwert läge dann noch etwas höher. Das zeigte jedoch recht deutlich, daß eine Korrektur überfällig war.

Damit ist eigentlich klar, daß ein beherzter Schritt der Fed in 2015/2016 ein sehr kleiner Zinsschritt sein dürfte. Die ECB wird sich wahrscheinlich eher bis mind. 2016 noch Zeit lassen und dann auch keine heftigen Sprünge machen. Immerhin normalisieren sich die Sovereign Bonds in Europa ja erst gerade so langsam wieder. Ein Grexit könnte dieses Vertrauen zumindest kurzfristig jedoch wieder ins Wackeln bringen. Dann lauert 2016 noch ein möglicher Brexit... genug Stoff für Unsicherheiten.

In den Aktienmärkten werden nicht alle Branchen unter Zinserhöhungen leiden - nur die investitionsintensiven. Zunächst werden Banken und Versicherungen profitieren, da sie recht direkt von Maßnahmen der Zentralbanken beeinflusst werden. Die Sorge vor steigenden Zinsen würde auch Automotive, zyklische Konsumgüter, Investitionsgüter und das produzierende Gewerbe stimulieren, da man später mit höheren Kosten rechnen muss.

Die anderen Industrien werden ggf. die Möglichkeit nutzen, noch längerlaufende Bonds zu begeben, bevor die Finanzierung zu teuer wird. Hier kann es also im investment-grade Bereich, jedoch auch vor allem bei High-Yields zu einem Schub kommen, wenn sich eine Zinserhöhung abzeichnet.

Daher muß eine drohende Zinserhöhung nicht auf breiter Front zu einem Crash der Rentenmärkte führen, sondern Papiere mit einer kurzen Restlaufzeit bzw. hohen Risikospreads werden profitieren. Sie profitieren sogar zusätzlich dadurch, daß die wieder anspringende Wirtschaft Risiken reduziert und damit Spreads enger gefaßt werden können. Es dürfte also eine leichte Delle in Bond-Fonds geben, aber einen Crash halte ich für übertrieben.

Auf Sicht von zwei Jahren würde ich daher an einer aktuellen Anlagestrategie wenig in Bezug auf Bonds und entsprechende Fonds ändern. In Bezug auf Aktien würde ich im Zyklus etwas verstärkt auf Nicht-Basiskonsumgüter, Industrials und globale Marken setzen (das galt aber eigentlich schon seit Ende des letzten Jahres). Auf eine weitere Aufwertung der Währung würde ich höchstens bei China spekulieren wollen.

Antwort
von Tritur, 31

Bei steigenden Zinsen fallen die Kurse von Obligationen. Je länger die Laufzeit, desto höher die Kursverluste.

Wer aus den Obligationen aussteigt, hat das Problem, wohin mit dem Erlös. Unter die Matratze oder aufs Bankkonto???? Die Bonität der Banken wird durch einen schweren Rentencrash keineswegs besser, da sich deren hohe Rentenbestände dann stark entwerten. Auch viele Kreditnehmer der Banken werden durch steigende Zinsen Probleme bekommen. Vorsicht scheint angebracht!

Alles in allem dürfte die Anlage in gute Aktien auch bei steigenden Zinsen noch das Sicherste zu sein. Zumal eventuelle Kursverluste bisher immer wieder aufgeholt wurden. Man muss halt Geduld haben.

Antwort
von althaus, 31

Ich habe mich von Rentenwerten schon vor 3 Jahren verabschiedet. Auch Rentenfonds kommen nicht in Frage. Wird sich auch für die nächsten 2 bis 3 Jahre wohl nicht ändern, vor allem dann nicht, wenn die Zinsen steigen werden. Daher konzentriere ich mich eher darauf namenhafte Einzelwerte in Aktien zu kaufen. Evtl. auch verstärkt ein Fokus auf Dividendenwerte zu legen. Daß die Aktien nachgeben werden glaube ich kaum, wenn die Wirtschaft weiterhin anzieht. Es wird aber immer wieder Rückschläge geben, so daß man wieder günstiger an Aktien drankommt. Daher sollte man auch Liquidität dafür bereithalten um nachzukaufen, um evtl. Aktienfonds zu kaufen oder in Einzelwerte zu investieren. Gruß althaus. 

Antwort
von TBergmann, 32

Ich halte beides für sehr riskant. 

Folgendes habe ich vorhin gerade dazu geschrieben:

suche nicht nach einer oder nach der besten Anlage. Suche nach einer Strategie die schon seit Jahren oder besser seit Jahrzehnten funktioniert.

Universitäten wie Harward oder Yale erwirtschaften seit Jahrzehnten deutlich mehr als 10% pro Jahr, obwohl die Sicherheit vor Verlust an erster Stelle steht. In deutsch gibt es im Internet viele Artikel über verschiedenen Strategien nach dem Yale Modell. Auch über den ehemaligen Verwalter dieser Universität, David F. Swensen existiert deutschsprachige Literatur.

Ein weiterer Artikel:

Meine Empfehlungen sind immer wieder:

    In mindestens 6 verschiedene, voneinander absolut unabhängige Anlagen investieren. Alle frei handelbaren Anlagen, zählen als eine einzige.Immer gleich große Investitionen tätigen.Für Beteiligungen eine Prüfcheckliste verwenden. Diese erlaubt dem Laien die Spreu vom Weizen zu trennen ohne sich mit der Materie detailliert auszukennen.Keine Thesaurierungen und Wiederanlagen. Ausschüttungen immer neu, also in weitere Anlagen diversifizieren.Separates Dreh- und Angelpunktkonto einrichten, in welches alle Ausschüttungen gehen. Das erhöht die Übersicht erheblich.Bei guter Bonität vermietetes Immobilieneigentum erwerben.Rahmenkredit zur Sicherung der Liquidität beantragen. Dieser wird nur in Anspruch genommen, wenn ein Liquiditätsengpass entstehen sollte. Also im Normalfall nie. Kredit bekommen ich immer nur genehmigt, wenn ich der Bank glaubhaft machen kann, dass ich eigentlich keinen benötige.

Ich hoffe ich konnte ein Paar Anregungen geben und freue mich über Feedback 

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