Frage von Frangipani, 292

Weiterer Unterhaltsanspruch der Ex-Frau trotz Altersrente beider Partner? Und wenn ja, wie viel?

Hallo!

Mein Mann und ich versuchen, eine Antwort auf folgende Frage zu finden und stoßen auf unterschiedliche Informationen:

mein Mann wurde 1997 nach 20 Ehejahren geschieden, der Unterhalt für die Ex-Frau berechnet. Sie selbst hat bis Dezember 2014 in einer 3/4-Stelle gearbeitet, bezieht jetzt Altersrente und bekommt weiterhin Unterhalt von meinem Mann, der erst Ende dieses Jahres in Altersrente gehen wird.

Nun gibt es ja den berechneten Versorgungsausgleich, den sie ja bekommt, sobald mein Mann in Rente geht.

Meine Frage ist nun: Wie ist das mit dem weiteren Unterhalt geregelt? Ich habe diese Hälfte/Hälfte-Regelung gefunden, verstehe aber nicht wirklich, wann und wie sie angewandt wird, und ob der Unterhalt weiter gezahlt werden muss. Vor allem:

Wonach wird der dann zu zahlende Unterhalt (mein Mann "verdient" in der Rente ja auch weniger) berechnet und wird der Differenzbetrag der Hälfte/Hälfte-Regung mit dem Versorgungsausgleich verrechnet?

Beispiel: Mann 1500 Euro Rente Frau 800 Euro = 700 Euro Differenz : 2 = 350 Euro Frau kriegt diese 350 Euro dazu - wenn ich es richtig verstanden habe.

Werden diese 350 Euro nun auf den sowieso schon bestehenden Versorgungsausgleich angerechnet oder müsste mein Mann dann "doppelt" zahlen?

Vor allem: wer hat explizit festgelegt, ob mein Mann lebenslang Unterhalt zahlen muss? Bisher waren wir davon ausgegangen, dass sich dieses leidige Thema mit dem Renteneintritt meines Mannes endlich erledigt hätte :-(

Ich hoffe, dass ich mich einigermaßen verständlich ausgedrückt habe, das ganze Thema verwirrt mich!

Ich freue mich auf Antwort und sage jetzt schon mal Dankeschön!

Antwort
von Primus, 292

Dieser Versorgungsausgleich hat keine automatische Auswirkung auf die Unterhaltspflicht. Wenn es ein Urteil gibt, das zur Unterhaltszahlung nach der Ehe verpflichtet hat, dann gilt dieses Urteil zunächst weiter. Dein Mann muss selbst aktiv werden, um das Urteil zu verändern. Nach 20 Jahren ist es jedenfalls sinnvoll, ein Unterhaltsurteil zu überprüfen. Wenn weniger Einkommen zur Verfügung steht und die frühere Frau eine höhere Rente bezieht, kann Dein Mann vermutlich verlangen, dass die Unterhaltslast sinkt.

Allerdings hängt die Höhe der Unterhaltspflicht nicht nur von der Rente ab. Auch alle anderen Veränderungen, die seit dem Urteil eingetreten sind, müssen berücksichtigt werden. Wenn beide zum Zeitpunkt der Scheidung noch berufstätig waren, muss die Unterhaltspflicht heute vermutlich völlig neu berechnet werden.

Es ist auch denkbar, dass wegen der langen Zeit, die seit der Scheidung verstrichen ist, überhaupt nicht mehr zu Unterhaltszahlungen verpflichtet sind.

Möglicherweise kann eine genaue Berechnung der Einkünfte aber auch erspart bleiben,, wenn die frühere Frau seit mehreren Jahren mit einem anderen Mann in einer Lebensgemeinschaft lebt. Sie hat nur so lange einen Unterhaltsanspruch, wie sie nicht wieder eine feste Bindung eingegangen ist.

http://www.morgenpost.de/printarchiv/familie/article111893180/Unterhalt-fuer-die...

Kommentar von Frangipani ,

Vielen lieben Dank für die Antwort!

Leider haben wir sie nicht mehr mit einem anderen Mann verkuppeln können - das tut sich freiwillig keiner an ;-)

Kommentar von Primus ,

;-)))) Trotzdem solltet Ihr den Unterhalt neu aufrechnen lassen - und wenn nur ein paar Euros weniger gezahlt werden müssen - es lohnt sich immer.

Viel Glück!

Antwort
von billy, 231

Versorgungsausgleich und Unterhalt Die Unterhaltsberechnung bei Renteneinkünften:

Renten stellen unterhaltsrechtlich "normale" Einkünfte dar, d.h. sie sind sowohl beim Unterhaltsschuldner als auch beim Unterhaltsgläubiger als Einkommen anzurechnen. Dabei ist es ganz egal, ob die Rente vor der Ehe, während der Ehe oder nach der Ehe erworben wurde oder ob die Rente auf dem Versorgungsausgleich beruht. Deshalb müssen auch Rentner grundsätzlich weiterhin Unterhalt zahlen, wenn die weiteren Voraussetzungen vorliegen. Alles weitere hier ausführlich beschrieben. http://www.scheidung-online.de/ratgeber/versorgungsausgleich/va-unterhalt/unterh...

Kommentar von Frangipani ,

Danke für die Antwort.

Das würde also heißen, dass der besser Verdienende irgendwie doppelt "bestraft" wäre, er zahlt und zahlt....

Hoffen wir mal, dass über 20 Jahre Zahlung ausreichen, um weitere verhindern zu können.

Kommentar von billy ,

Sehr wohl möglich, ich würde an Ihrer Stelle den Unterhaltsanspruch überprüfen lassen.

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