Frage von Neunmalklug,

Was sagt das Volumen über einen Fond aus? Bzw hat das Volumen Einfluss auf Sicherheit und Rendite?

Finanzen

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds,

Ein solider Fonds darf durchaus ein gutes Volumen haben, damit er auch sinnvoll diversifizieren kann. Insbesondere bei Rentenfonds ist eine gewisse Größenordnung erforderlich, um sinnvoll über mehrere Papiere zu diversifizieren. Der Ausfall eines Wertes sorgt daher nicht gleich für große Bewegungen.

Gegenbeispiele findet man dennoch. Auch Energie-Fonds, die BP enthielten, bekamen eine deutliche Delle, als BP mit der Katastrophe im Mexikanischen Gold einen Absturz erlebte. Viele Tech-Fonds haben Apple hoch gewichtet und liefen mit Apple gut nach oben, haben jedoch auch die Korrektur auf das aktuelle Niveau mitgemacht. Auch ein großer Fonds kann also von bestimmten Werten stark abhängen.

Andererseits wird ein Fonds natürlich mit zunehmendem Volumen schwerfälliger, da eine nicht marktbeeinflussende Umschichtung bei bestimmten Ereignissen oder neuen Trends nicht mehr so einfach möglich ist.

Es ist ein Übel, wenn ein Fonds aufgrund neuer Kundengelder in einem Markt investieren muss, jedoch nicht die passenden Papiere findet. Beispiel: illiquide Märkte in Afrika und Asien, die schnell durch einen großen Fonds "leergekauft" werden können. Solche Fonds nehmen dann das Risiko einer schlechteren Performance durch ihre zu große Größe in Kauf oder aber sie führen einen Soft-Close durch, d.h. setzen die Ausgabe neuer Anteile aus.

Innovativere Themen und Regionen werden eher durch kleine Fonds adressiert, während die großen Fonds, die auch schon 5+ Jahre laufen, eher in etablierten Bereichen zu finden sind.

Letztendlich bedeuten große Fonds ja auch, daß viele Anleger hier investieren. Wenn man jedoch das tut, was alle tun, kann man keine Outperformance generieren. Man schwimmt mit dem Strom. Man sollte sich daher für Kerninvestments vielleicht eher einen Tick größere Fonds mit geringerer Volatilität als der Markt und mehr Robustheit bei Abwärtsbewegungen heraussuchen, während für Fokusthemen und Akzente eher kleinere, agilere Fonds und ETFs geeignet sind.

Antwort
von Typderfinanzen,

Je mehr Volumen desto mehr Geld "ist" in dem Fond. Einfluss hat es soweit, dass ein Fond mit 100 Mio € sicherlich das Risiko mehr streuen kann als einer mit 1 Mio €. Auf die Rendite hat es erstmal keine Auswirkung denn es ist egal ob das Volumen 1 Mio € oder 100 Mio € sind, 10% sind 10%.

Antwort
von detlef32,

Das hängt vom Zielmarkt ab und von der Aufmerksamkeit des Fondsmanagers (oder seines Bosses) für diesen speziellen Fonds.

Zwei Erläuterungen:

Aufmerksamkeit

Ein Fonds lebt von den Verwaltungsgebühren. Die sind meist so 1,5% pro Jahr und davon bekommt die Bank ca. 0,7% bleiben also 0,8% für die Verwaltung des Fonds, für den Manager, die Marktbeobachtung, Analysetools, Gespräche mit Vorständen usw.

Wenn also ein Fonds ein Volumen von 10 Mio hat dann hat der Fonds ein jährliches Budget von 80.000 Euro und bei 100 Mio ca. 800.000 Euro.

Meine persönliche Untergrenze ist klar die 100 Mio. Denn nur dann kann der Fonds einen Volltagsmanager haben - aber für die Fondsgesellschaft wie z.B. die DWS liegt dieser Fonds immer noch unter der Wahrnehmenungsschwelle. Wenn der schlecht funktioniert interessiert das kein Schwein. Reisen zu GM in die USA um mit dem Finanzchef zu reden sind auch nicht drin. Und der würde einen noch nicht mal empfangen.

Für mich ist also ein Fonds erst dann interessant wenn die 1 Milliarde überschritten ist. Dann kann der Analyst/Fondsmanager auf Augenhöhe mit den Großfirmen reden und sich Infos aus erster Hand holen. Und wenn er Mist baut dann wird der Chef der Fondsgesellschaft auch mit ihm ein deutliches Gespräch führen.

Zielmarkt

Wenn ich einen Branchenfonds in engen Märkten habe. Also z.B. Energieunternehmen in Nordeuropa dann werde ich nicht gut mit 10 Millarden hantieren können. Also hier ist eine kleinere Größenordnung hilfreich. Wenn ich aber einen globalen Mischfonds habe dann kann er eigentlich nicht groß genug sein. Wenn man sich die großen Staatsfonds aus Kuwait, Lybien, China usw. ansieht dann sind 10 bis 20 Millarden Volumen Peanuts. Der Weltmarkt für Geldanlage ist unendlich größer.

Rendite

Wenn ein Fondsmanager einen kleinen Fonds verwaltet dann kann er durch eine hohe Gewichtung auf einen mittleren Wert entweder viel gewinnen oder auch viel verlieren.

Fazit

Für mich ist das so: Entweder ich will selber rumhantieren. Dann sollten es ETFs sein. Wenig Gebühren, viel Eigeneinsatz und Verantwortung. Und das Volumen spielt keine Rolle. Oder ich will leben und ein anderer soll für mich arbeiten. Dann ein großer globaler Mischfonds und Ruhe im Karton.

Kommentar von Neunmalklug ,

Super erklärt. Muss denn der etwaige Manager wirklich vollzeit für EINEN Fond Zeit aufwänden? Und würde das nicht bedeuten, dass ein neu aufgelegter Fond, mit noch nicht so großem Volumen stets zu umgehen ist.? Da stecken doch auch Chancen drin?

Kommentar von detlef32 ,

Ein neuer Fonds bietet natürlich aufgrund des geringen Volumens höhere Chancen und Risiken (siehe meine Erklärung bei Rendite).

Aber im Endeffekt ist es immer eine Frage warum ich überhaupt in einen gemanagden Fonds investiere. Für mich erschliesst sich nicht der Sinn in einen kleinen Fonds der nebentätig durch einen Fondsmanager gemanaged wird zu investieren. Ich bekomme halt nur geteilte Aufmerksamkeit für mein Geld.

Entweder es ist ein eine Branche / Markt der auch klein ist dann kann es evtl. noch einen Sinn ergeben sofern kein ETF zur Verfügung steht. Denn oftmals investieren diese "Manager" auch nur in ETFs weil sie nur so in etwa eine Streuung hinbekommen.

Oder es ist eine Branche / Markt der groß ist. Dann will ich einen Manager haben der sich wirklich mit allen Mitteln auf dem Markt informieren und erfolgreich agieren kann. Wenn ich als Fondsmanager 2% der Aktien von Siemens besitze bekomme ich einen Termin beim Finanzvorstand. Wenn ich 10.000 Aktien besitze bekomme ich eine Marktingbroschüre oder ein Telefonat mit einem Sprecher des Unternehmens.

Antwort
von SBerater,

Einfluss auf Sicherheit und Rendite? Auf die Sicherheit nicht. Auf die Rendite mglw.

Man könnte nun viele Kausalitäten suchen und auch finden, damit hier eine Argumentation passend sein könnte.

Ich sehe folgendes: ein kleines Fondsvolumen ist insofern schlecht, weil dann die Gefahr besteht, dass der Fonds aufgelöst wird oder das Management weniger Interesse hat, weil wenig verdient werden kann. Auch ist eine Diversifizierung mit geringen Volumina schwierig(er).

Bei einem grossen Volumen sinkt die Flexibilität des Fonds/ Fondsmanagements. Dann kommt es auf den Sektor an, in dem der Fonds investiert ist. Ein Umschichten wird erschwert, weil mglw. durch den Verkauf einer grossen Position bei einer Aktie diese rein dadurch sinken könnte.

Ich sehe mehr ein Problem in sehr kleinen Volumina bzw. in Fondsvolumina, die stark schwanken. Das erschwert das Management. Meine Meinung.

Kommentar von Neunmalklug ,

Das ist eine gute, einleuchtende Antwort. Vielen Dank.

Antwort
von billy,

Mit Volumen ist das Vermögen gemeint. Auf die Sicherheit nicht unbedingt aber auf die Rendite auf jeden Fall.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community