Frage von meucke, 22

Was ist der Unterschied zwischen einem ETF und einem Fonds?

Ich versuche grad ein bißchen bei Aktienanlagen durchzublicken. Viele empfehlen ja Investments in ETFs. Ich hab mich da gefragt, was hier der Unterschied zu einem Fonds ist? Welche ETF würdet ihr empfehlen? Kann man da auch einen Sparplan mit machen?

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds, 6

Ein ETF ist eigentlich nur ein börsengehandelter Fonds. Viele Fonds sind derzeit börsennotiert, die jedoch keine ETFs sind. Das hilft also nicht so recht weiter.

Ich würde Dir überhaupt keinen ETF empfehlen, denn Du hast offensichtlich einfach ein Schlagwort aufgeschnappt und willst dort nun laufend Geld investieren? Das ist Unsinn.

Was ist also ein Fonds? Ein Fonds ist eine Gesellschaft, die Wertpapiere hält und nach bestimmten Kriterien dieses Depot von Wertpapieren verwaltet, um einen Ertrag zu erzielen. Dieses Depot ist ein Sondervermögen, das den Anlegern des Fonds gehört, nicht der Gesellschaft. Die Gesellschaft kann Dividenden ausschütten und muß ihre eigenen Kosten über das Fondsvermögen finanzieren. Anleger erhalten also nicht die Bruttoerträge des Sondervermögens, sondern zahlen für den Einstieg Ausgabeaufschläge (ca. 0-6%), für den Ausstieg ggf. Rücknahmeabschläge (ca. 0-3%) und für die Verwaltung Managementgebühren (ca. 1-2% p.a.) oder sogar performanceabhängige Gebühren (z.B. 10-20% des Gewinns über einem Benchmark). Weiterhin gehen Transaktionskosten, Steuern und sonstige Gebühren zu Lasten des Fondsvermögens. Würde also ein Fonds eine Bruttoperformance von 5% in einem Jahr erreichen und 1,8% Managementgebühren geltend machen, sowie 1,2% Transaktionskosten in Rechnung stellen, so bekommen die Anleger davon nur 2% zu sehen. Kauft oder verkauft man Fonds, so kennt man nicht den Preis, sondern erfährt diesen erst ein paar Tage später.

Institutionelle Anleger waren damit nicht zufrieden und haben daher eine neue Art von Fonds aufgelegt: börsengehandelte Indexfonds. Diese hatten zwei Besonderheiten:

  • sie konnten spontan über eine Börse gehandelt werden, d.h. man kann Limitorders oder Stop-Loss-Strategien damit umsetzen

  • sie folgten einem wohldefinierten Index und nicht einer wie auch immer gearteten Anlagestrategie (oder dem Bauchgefühl) eines Fondsmanagements

Damit stellen sie einfach handelbare Scheibchen des Kapitalmarkts dar. Man konnte diese ETFs aufgrund ihrer klaren Struktur mit sehr geringen Managementgebühren ausstatten, so daß sie insgesamt gerade auch für institutionelle Investoren sehr interessant waren, um bestimmte Anlagesegmente einfach abzudecken.

Heute sind ETFs praktisch synonym mit dieser Klasse von börsengehandelten Indexfonds und sie werden aufgrund des Fehlens einer durch ein Fondsmanagement flexibel ausgeführten Anlagestrategie auch als "passiv verwaltete Fonds" bezeichnet. Konventionelle Fonds (die heute auch börsennotiert sein können) werden als "aktiv verwaltete Fonds" bezeichnet.

Das Problem von ETFs ist nun, daß sie einem Index starr und fest folgen. Hat dieser Index beispielsweise einen hohen Anteil an Finanztiteln und der Bankenbereich rauscht in die Tiefe (cf. Finanzkrise), dann fällt auch der ETF-Kurs. Man muß außerdem darauf achten, was ein Index abbildet: Kurse oder Performance. Nimm als Beispiel den Euro Stoxx 50, der sich noch immer nicht von der Finanzkrise erholt hat, gegenüber dem Stoxx Europe 600, der deutlich stärker diversifiziert ist und eine deutlich bessere Performance als der Euro Stoxx 50 zeigt. Es kommt also bei der Auswahl von ETF-Instrumenten sehr darauf an, den konkreten Index zu verstehen und durch Setzen auf einen bestimmten Index einem Trend zu folgen. Passt dieser Index nicht mehr, so muß man umschichten, was die meisten ETF-Anleger jedoch nicht tun.

Es gibt Untersuchungen, wonach 80% aller Fonds ihre Benchmark-Indices nicht schlagen. Daraus leitet die ETF-Industrie ab, daß es besser wäre, gleich in den Index per ETF zu investieren. Das stimmt nur bedingt, denn man kann sich ja genauso gut überlegen, wie man die 20% besseren Fonds findet.

Institutionelle Investoren, die ETFs verwenden, haben daher heute typischerweise eine gemischte Strategie:

  • Bereiche, in denen man mit einem Marktindex und dessen Performance zufrieden ist, bildet man kostengünstig (Managementgebühren bei 0,0-0,8% p.a., Börsentransaktionskosten von ca. 0,2-0,3% per Transaktion) über ETFs auf repräsentative Indices ab.

  • Bereiche, in denen man Schwerpunkte setzen will, werden zusätzlich über spezifische Einzelaktien oder Übergewichtungen von ETFs abgebildet.

Damit vermeidet man die Risiken von Einzelwerten (da einzelne ETFs ja bereits über mehrere Basiswerte hinweg diversifizieren), hat jedoch eine Partizipation am Erfolg eines Marktsegments. Die Notwendigkeit der laufenden Beobachtung und des Umschichtens von ETFs bzw. Wechsels von Schwerpunkten je nach Marktlage besteht weiterhin. Man hat das "Management" nur von Einzelwerten auf Marktsegmente verlagert.

Harmlose Privatanleger wollen das in der Regeln nicht, obwohl die meisten meinen, man müßte aus der Mentalität "Geiz ist geil" nun ETFs kaufen. Billig ist aber nicht günstig. Das böse Erwachen kommt dann später und die Einsicht zu spät.

Harmlose Privatanleger sollen sich solide, aktienlastige Mischfonds zulegen, damit fahren sie langfristig am besten (3-6% p.a. Performance vor Steuern).

Kommentar von gandalf94305 ,

Differenziere ETFs auch bitte von ETCs (Exchange-Traded Commodities) und allgemein ETPs (Exchange-Traded Products). Nur ETFs sind nämlich Sondervermögen und vor einer Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt. Das Vermögen gehört dem Anleger. ETCs und andere ETPs sind nur Zertifikate und normalerweise nicht besichert. Nur sehr spezielle Edelmetall-ETCs sind physisch besichert und damit im Grunde vor einer Insolvenz durch Rücklagen geschützt.

Antwort
von SBerater, 4

ETF ist ein Fonds -> Exchange Traded Fund. ETFs sind eine Teilmenge aller Fonds.

Ein ETF ist ein automatisiert zusammen gestellter Fonds, meinst nur von Rechnern geführt. Ein ETF bildet einen Börsenindex nach, passiv verwaltet.

Ein Fonds ist generell ein börsennotiertes Investmentprodukt, das aus vielen Einzelwerten besteht. Viele Fonds werden aktiv verwaltet von einem Fondsmanager, was diesen Fonds flexibler, aber auch teurer macht in der Verwaltung.

Lies mal hier http://de.wikipedia.org/wiki/Exchange-traded_fund

Von wegen empfehlen... Das kommt darauf an. Fakt ist, dass viele aktiv verwalteten Fonds einen Vergleichsindex nicht outperformen. Nur ist das immer nur eine Sicht der Dinge.

Du kannst aktiv und passiv verwaltete Fonds über einen Sparplan besparen. Eine Empfehlung gibt es insofern nicht von mir, weil ich dein Risikoprofil nicht kenne wie auch deine finanzielle Situation oder deine Vermögenssituation.

Antwort
von Privatier59, 5

ETF ist die Abkürzung für Exchange-traded fund. Damit ist die Frage an sich schon beantwortet, es ist ein Fonds aber eben nur einer, der ledglich über die Börse gehandelt wird und nicht von der Fondsgesellschaft durch Ausgabe zu erwerben ist. Und die Frage nach der Empfehlung richtet sich doch nach Deinen Zielen, Deinem Gesamtvermögen und Deiner Anlageerfahrung und läßt sich so nicht beantworten. Direktbanken bieten auch Sparpläne auf ETF´s an.

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