Frage von Kelby,

Was ist der Anreiz einer Selbstbeteiligung bei Versicherungen?

Warum sollte sich ein Versicherungsnehmer auf eine Selbstbeteiligung einlassen? Im Schadensfall hat er damit ja nur Nachteile. Bekommt er damit im Nicht-Schadensfall günstigere Raten oder was ist das Argument der Versicherung?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von gammoncrack,

Das kommt darauf an, von welcher Versicherungssparte Du sprichst.

Bei den Sachversicherung reduziert sich Dein Beitrag, je höher die Selbstbeteiligung ist. Natürlich selbst redend. Ob sich das für Dich lohnt?

Der Versicherer rechnet vereinfacht folgendermaßen:

Schadenbedarf des Risikos ./. Selbstbeteiligung + variable Kosten + Fixkosten + VersSt.

Wenn Du also nun eine Selbstbeteiligung vereinbarst, reduzieren sich bei Dir die variablen Kosten (z. B. die Provision) und die Versicherungssteuer (19 %). Und natürlich reduziert sich die Grundprämie aufgrund der Selbstbeteiligung selbst.

Es gab im großgewerblichen Kfz-Geschäft Diskussionen mit den Finanzbehörden, wenn hier in Kfz-Haftpflichtversicherung sehr hohe Selbstbeteiligungen vereinbart wurden. Das in einer Größenordnung von auch mal 1 Mio. Euro. Da sich z. B. dann ein Beitrag von 5 Mio. auf 4 Mio. reduzierte, fehlten dem Finanzamt an der Stelle 190.000.- Euro Versicherungssteuer. Also haben die gegen diese Art der Selbstbeteiligung geklagt - aber letztinstanzlich verloren.

Kommentar von alfalfa ,

D.H. - für die FA Info...- diese Lurche..;-)

Antwort
von Mikkey,

Natürlich bekommt er bei den Beiträgen eine Vergünstigung

Beispiel PKV:

Der Beitragsunterschied zwischen keiner Selbstbeteiligung und 650€ selbstbeteiligung liegt bei meiner Versicherung im Jahr sogar über 650€. Der Versicherer spart Verwaltungsaufwand, den er dem Versicherten über niedrigere Beiträge zurückgibt.

Kommentar von Fragfreund ,

Der Beitragsunterschied zwischen keiner Selbstbeteiligung und 650€ selbstbeteiligung liegt bei meiner Versicherung im Jahr sogar über 650€.

Sollte er auch, da du ja nicht nur 650 Euro selbst tragen musst, sondern auch den Minderbeitrag nicht steuerlich absetzen kannst. Bei "normalen" Arbeitnehmern beträgt der Grenzsteuersatz sicherlich um die 30 %. Also kannst du leicht 200 Euro zu deinem zu zahlenden Beitrag "dazurechnen" !

Kommentar von alfalfa ,

Zwinkert: Da AN nach § 257 SGB V einen AG Zuschuss bekommen dürfe es in Deiner Rechnung nur die Hälfte sein. Außerdem sind nur Leistungen in Höhe der GKV Niveau nach dem Bürferentlastungsgesetz berücksichtigungsfähig.

Je nach Tarif also 60-80%. Und Last Not least können Eigenbeteiligungen als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. (by the Way, es heißt Differenzsteuersatz, Grenzsteuersatz ist etwas anderes.

Ultimativer Spartipp: PKV Beiträge für 2,5 Jahre im Voraus bezahlen. Effekt: 3 % Discount und im Folgejahr mindestens 1900€ die ich für andere Versicherungen im Rahmen des § 10 EKSTG "übrig" habe.

Antwort
von Niklaus,

Durch Wahl einer SB hat man immer niedrigere Beiträge. Allerdings sollte man das vorher immer rechnen. Eine SB von 150 € rechnet sich nicht , wenn sich der Beitrag von 43,49 € /Jahr für eine Privathaftpflicht auf 32,62 €/Jahr reduziert. Aber wenn du 1200 € / Jahr SB bei einer Krankenversicherung hast und statt 450 € / Monat nur 280 € /Monat zahlst. Denn hier kommt noch hinzu, dass du auch noch an der SB sparst, wenn du nicht zum Arzt musst.

Kommentar von alfalfa ,

PKV und Grosschadenstarif (hohe SB) hat auch Auswirkungen auf AR, weshalb auf jeden Fall auch auf die Auswirkungen im Alter hingewiesen werden sollte. Stichwort Vermögensaufbau. Grosschadenstarife können durchaus Sinn ergeben in Kombination mit KHT und KT auch ab Tag 181. Aber das führt jetzt zu weit, wie man einen solchen Tarif ergänzend absichert.

Antwort
von Rentenfrau,

Hallo Kelby, der Vorteil einer vereinbarten Selbstbeteiligung, zum Beispiel bei der privaten Krankenversicherung ist, daß man dann weniger Beitrag zahlt, weil die Versicherung im Fall der Leistungsgewährung (also wenn man Rechnungen einreicht und die Krankenversicherung zahlen müßte) weniger Krankheitskosten aufgrund der Selbstbeteiligung bezahlen muß.

Antwort
von GunniA,

Man hat halt eben geringere beiträge zu zahlen. Muss jeder selber wissen, ob ein SB sinnvoll ist oder eben nicht.

Antwort
von alfalfa,

Ich gehe mal auf die Sparte PKV ein und erläutere mal die Effekte die damit bezweckt werden:

  1. Senkung der Beitragshöhe Je höher die SB - desto geringer der Zahlbetrag. Logisch, Banal

  2. Senkung des Verwaltungsaufwands Auch selbstsprechend.

  3. Vermeidung von Moral Hazard Effekten Tarife ohne SB zeigen klar die Tendenz "ausgebeutet" zu werden. Gerne nutzen einige Individuen solche Tarife, um mal Medikamente für die Verwandschaft oder mal eine Massage für die GKV Versicherte Gattin/Gatten zu erhaschen. Klar, kostet ja nix!

Die Konsequenz aus 3. ist: Beitragsanpassung für alle. Merke: Der Versicherer - auf das Kollektiv betrachtet verliert nie.

  1. Bildung höherer AR In den Anfangsjahren bilden solche Tarife höhere AR. Liegt in dem Kalkulationsprinzip und dem Gesetz der KalVbegründet. Das ist das Motiv für Versicherer solche Tarife überhaupt erst aufzulegen. Ist ja auch ein gutes Marketing Instrument. Und auch sinnvoll für PKV Versicherte mit mehreren Kindern.

Alles klar?

Antwort
von SBerater,

wäre eine SB denn nicht sinnlos, wenn die Konditionen bei der Versicherung gleich wären? Wer würde dann bitte eine SB nehmen?

Wer eine SB nimmt, der zahlt einen geringeren Versicherungsbeitrag.

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