Frage von WilhelmR, 100

Was darf der Vermieter alles über den potentiellen Mieter nachforschen?

Hallo, ich bin Mieter und will die Wohnung wechseln. Kann mir jemand sagen, was mein zukünftiger Vermieter über mich an finanziellen Nachforschungen anstellen darf und was schon in meine Privatsphäre eindringt? Klar will der Vermieter sichergehen, dass ich finanziell in der Lange bin die Miete zu zahlen. Aber was geht zu weit?

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Antwort
von Primus, 88

Legst Du dem Vermieter Einkommensnachweise der letzten 3 Monate vor, kann er sich ein Bild darüber machen, ob Du in der Lage bist, die Mietkosten aufzubringen.

Mehr dürfte ihn eigentlich nicht interessieren, aber das ist nur theoretisch. In der Praxis sieht es leider anders aus.

Antwort
von MadRampage, 98

Aber was geht zu weit?

Alles was Dein privaten Interessen, Religonen und persönliche Einstellungen betrifft: Eine Partei- oder Religionszugehörigkeit habe den Vermieter nicht zu interessieren. Fragen wie "Ist Ihr Partner Ausländer?" oder "Haben Sie eine homosexuelle Beziehung?" sind ebenso tabu. Und auch Krankheiten sind ein Tabuthema, bei denen Mietbewerber sich nicht äußern müssen. "Da würde eine Grenze überschritten."

Was darf er Fragen: Alles wo er ein berechtiges Interesse geltend machen kann, das sind insbesondere:

  • Ob Du in den letzten 5 Jahren eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hast
  • Wie viele Leute einziehen werden
  • Welche Tiere mit einziehen werden
  • Ob Du Dir die Miete leisten kannst , sogar um einen Gehaltsnachweis darf er Bitten. Falls Du dann Nein sagst bist Du zwar im recht wirst die Wohnung aber nicht bekommen
  • Je nach Ort ist auch eine Schufaauskunft erwünscht. Wenn man diese ablehnt, bist Du zwar im recht, wirst die Wohnung aber nicht bekommen

Hier eine ausführliche Seite dazu: http://www.juraforum.de/forum/specials/die-selbstauskunft-des-mieters-a-darf-der...

Kommentar von imager761 ,

Graue Theorie.

Der Vermieter macht einen Mietvertragsschluss von Erkundigungen, einem persönlichen Eindruck und Fragen zum Bewerber abhängig. Fehlende oder nicht passende Antworten nehmen den Kandidaten aus dem Rennen - ob die Frage bewusst provozierend oder gar unzulässig war oder nicht.

Mieteinnahmen sind eine Sache, Mieterfrieden eine ganz andere.

Kommentar von MadRampage ,

Ja, Mieterfrieden ist viel Wert, da gebe ich Dir recht!

Da der Vermieter sich den Mieter frei auswählen darf, wird er einen wählen der möglichst offen und ehrlich rüberkommt und viel von sich verrät. Daher kann - wie geschrieben - das verweigern von Informationen dazu führen, dass man die Wohnung nicht bekommt.

Es gibt aber auch Städte und Regionen in denen Mieter Mangelware sind und Vermieter froh sind überhaupt einen Mieter zu finden. Da sieht es dann ganz anders aus - zum Vorteil des Mieters

Antwort
von imager761, 84

Klar will der Vermieter sichergehen, dass ich finanziell in der Lange bin die Miete zu zahlen.

Nicht nur. Auch der pflegliche Umgang mit seinem Eigentum, Rücksichtnahme auf die übrigen Mietparteien spielen da eine entscheidende Rolle :-)

Von daher darf der Vermieter alles anstellen, um dies herauszufinden :-O

Selbst kann er deine Ex-Vermieter/Nachbarn anrufen, bei der creditreform Auskunft einholen, deinen Arbeitgeber befragen, eine Detektei beauftragen usw.

Von dir darf er vor Mietvertragsschluss Vorlage von Gehaltsnachweis bzw. Steuerbescheid deiner selbständigen Einkünfte, schufa-Auskunft ebenso verlangen wie eine Selbstauskunft.

Da darf man allersings bei unzulässigen Fragen (Tierhalter, Schwerbehinderung, Schwangerschaft, Nationalität...) lügen - bei Gehaltsauskünften oder Anzahl und Namen der Einziehenden aber nicht (Anfechtungsgrund).

Hinreichend sicher geht er dann mit einer Kautionsvereinbarung, beiderseitigem Kündigungsverzicht und einem individuellen Mietvertrag oder Anlagen: Die wären bindend, auch wenn Auszugsrenovierung, Alleinvermietung, Untervermietverbot und Nichthaltung von Hund oder Katze geregelt wäre.

Wenn du jemendem unbekannten eine sechsstelligen Wertgegenstand anvertrauen möchtest, würde dir das ebensowenig wichtiger sein wie die "Privatsphäre" :-)

G imager761

Kommentar von MadRampage ,

Darf der Vermieter wirklich selber Auskünfte über den Bewerber einholen OHNE die Einverständnis des Bewerbers? Muss nicht der Bewerber/Mieter die Einverständnis dafür geben?

Antwort
von Privatier59, 70

Aber was geht zu weit?

Wenn er bei Dir in die Wohnung einbricht um Deine Kontoauszüge einsehen zu können würde das ohne Zweifel zu weit gehen und als Hausfriedensbruch plus Sachbeschädigung strafbar sein. Wenn er in der Zeitung eine Anzeige aufgibt mit dem Inhalt "WilhelmR ist pleite" nur um zu sehen, ob Banken darauf den Kredit kündigen würde das ebenfalls zu weit gehen weil es eine Verleumdung wäre (natürlich nur, wenn Du nicht wirklich pleite bist). Ansonsten aber ist Nachforschung nicht strafbar und ich fürchte, Du solltest Deine Empörung darüber besser für Dich behalten. Ansonsten gibt es keinen Mietvertrag.

Antwort
von robinek, 66

Darf oder nicht darf?! Wie bitte würdest Du Dich verhalten? Angenommen Du vermietest ein Haus oder eine Wohnung mit einem Wert von ca. 3,4oder 500.000,--€ an jemanden den Du garnicht kennst? Als Vermieter habe ich immer und alle für mich wichtigen Daten vorher erhalten, vorher habe ich keinen Mietvertrag unterschrieben

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