Frage von Alexandra71, 83

Warum spielt es für einen Erbbaurechtsausgeber eine Rolle, wenn der Wert des Erbbaurechtes vom Erbpachtnehmer zu 100% beliehen wird?

Antwort
von wfwbinder, 79

Wenn Du die Antwort von @Franzl0503 auf Deine andere Frage aufmerksam gelesen hättest, dann hättest Du Dir diese Frage sparen können.

Am Ende des Erbbaurechts, fällt das Erbbaurecht an den Erbbaurechtsgeber zurück. Also wenn auf dem Erbbaugrundstück ein Haus gebaut wurde, das Haus. Dafür ist ggf. eine Entschädigung zu zahlen. Aber es fällt eben nicht nur das Haus zurück, sondern auch die Lasten die mit diesem Haus verbunden sind. Also auch eine eventuell auf dem Haus lastende Grundschuld. Damit hätte dann der Erbbaurechtsgeber ggf. zwar ein Haus im Wert von 50.000,- aber gleichzeitig eine Grundschuld von 100.000,- die er bedienen muss. Das soll natürlich verhindert werden.

Hier die Passage aus @Franzl0503s Antwort:

Grund: Die Belastungen bleiben beim Heimfall des Erbbaurechts an den Grundstückseigentümer bestehen und müssen von ihm übernommen werden.
Antwort
von Franzl0503, 58

Alexandra:  Ein Beispiel zum besseren Verständnis.

Es betragen: der Grundstückswert 100 000 €, der Erbbauzins 5 % p.a.= 5.000,-- €, die angemessenen Gestehungskosten des Bauwerks (Einfamilienhaus)  375 000 € (Wohnfläche 150 qm, Baukosten  2.500 €/qm). Erbbaurechtsausgeber ist die Kirche.

Übl. Modalitäten: Vereinbarung über die Errichtung eines Bauwerks zu Wohnzwecken, Zustimmungsbedürftigkeit zur Belastung und zur Veräußerung. Entschädigung im Falle des Heimfalls 2/3 des Wertes des Bauwerks.

Der Erbbauberechtigte verhält sich vertragswidrig. Er stellt die Zahlung des Erbbauzinses ein und nutzt das Haus nicht zu Wohnzwecken sondern als Stripteasebar. Daraufhin macht der Erbaurechtsausgeber von seinem Heimfallanspruch Gebrauch.

Das Bauwerk hat aufgrund Alter und Nutzungsänderung nur noch einen Wert von 75 % = 281 250 €. Die Entschädigung in dieser Höhe, auf die der Erbbauberechtfigte Anspruch hat, wird vom Grundpfandrechtsgläubiger, der eine Hundert-Prozent-Finanzierung gewährte, gepfändet.

Schaden des Eigentümers:

Erbbauzinsrückstand 3 Jahre 15.000

Verzugszinsen

restl. Hypothekenforderung 93.750

rückständige Hypothekenzinsen

Rückbaukosten

usw,

Fazit: Hätte der Eigentümer einer Belastung von lediglich 70 % zugestimmt, wäre der Schaden beträchtlich geringer.

Antwort
von Privatier59, 54

Ergänzend zu den bereits gegebenen Antworten zu dieser und der vorherigen Frage gebe ich zu bedenken, daß kein Kreditgeber eine Vollfinanzierung eines im Erbbau errichteten Hauses und damit einhergehende vollständige Belastung des Erbbaurechts vornehmen würde.Da dem im Erbbau errichteten Haus nun einmal das Grundstück fehlt, kann es zu keinerlei Wertsteigerungen kommen. Im Gegenteil wird das Erbbaurecht durch Zeitablauf zum einen und die Alterung der Bausubstanz zum anderen ständig weniger wert. Das ist auch am Immobilienmarkt bekannt. Erbbaurechts sind deshalb echte Ladenhüter.

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