Frage von golfuhr, 5

Warum haften Banken/Bankarbeiter nicht für den Lehman Betrug am Kleinanleger?

Ich bin zum Glück nicht betroffen. Ich denke immer noch darüber nach wie viele Banken die Privatanleger systematisch getäuscht haben. Warum können die Personen die den Verkauf zB der Lehmanpapiere angeordnet haben nicht für Schadensersatz herangezogen werden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Privatier59, 1

Zunächst einmal geht die Frage im Ansatz schon in die falsche Richtung: Nicht Bankmitarbeiter sind Vertragspartner der Geschädigten gewesen, sondern das jeweilige Kreditinstitut.

Sodann ist der eigentliche Erwerbsvorgang ja schadensrechtlich neutral. Als Ansatzpunkt muß somit ein Fehler in der Beratung herhalten können.

Zunächst mal ist da die Frage, ob überhaupt beraten wurde. Wenn ein Händler Ware auslegt berät er damit doch nicht automatisch seinen Kunden. Es muß noch etwas hinzu kommen.

Wenn beraten wurde ist die Frage ob fehlerhaft. Hellseher braucht auch der Anlageberater nicht zu sein. Er muß im Bedarfsfalle nur die Risiken aufzeigen.

Dass so viele Schadensersatzverfahren in Sachen Lehmann gegen die Anleger ausgingen war ganz einfach dadurch bedingt, dass viele Anspruchsteller den Versuch unternommen haben, allgemeine Lebens- und Anlagerisiken auf die Bank abwälzen zu wollen. Wieso sollte es zu beanstanden sein, wenn die Gerichte dieser Einstellung einen Riegel vorgeschoben haben?

Antwort
von gandalf94305, 1

Es geht hier leider auch um einen ganz anderen Punkt: den dummen, gierigen Anleger. Verkaufsprospekte werden nicht gelesen, man will hohe Renditen bei minimalen Risiken haben, und das alles in handlichen Portionen für harmlose Privatanleger. Hier beginnt das Problem. Das geht so nicht.

Hätte jemand seinen Verstand eingeschaltet und die Verkaufsprospekte der entsprechenden Papiere von Lehman et al. gelesen, dann wäre schnell klar gewesen, daß nichts klar ist. Was nicht klar ist, kauft man nicht. Punkt.

Wer bei einer Kaupthing Bank oder sonstigen obskuren Banken sein Geld parkt, um ein paar Promille mehr an Tagesgeldzinsen zu bekommen, oder bei noch obskureren Banken, um ein paar Prozent mehr zu bekommen, der ist nicht nur höchst naiv, sondern auch gierig. Das gilt nicht nur für Privatanleger, sondern auch die ebenso richtungslosen Städte und Gemeinden, die in solche toxischen Papiere "investiert" haben, um hohe Renditen zu erreichen. Risiken werden ignoriert. Man versteht ja auch gar nicht, worum es dabei wirklich geht und woher die Renditen kommen sollen.

Wer Fremdwährungsanleihen und höchst fragwürdige Währungsswaps kauft, um eine suggerierte Rendite jenseits der 8% zu bekommen, der sollte sich mal ernsthaft fragen, wie denn das nochmal mit dem "Free Lunch" war.

Natürlich haben die Banken und ihre Investmentbanker eine Reihe fragwürdiger, verwerflicher, höchst riskanter Produkte hergestellt, die verkauft wurden, und ich hätte einige davon gerne mit empfindlichen Strafen abgeurteilt gesehen. Natürlich haben sicher einige Banken diese Produkte als deutlich konservativer dargestellt, als sie wirklich sind, was an Betrug grenzt oder die Grenze schon überschreitet. Natürlich haben Rating-Agenturen ihre komplette Überflüssigkeit und Ahnungslosigkeit in dieser Krise bestätigt, indem sie beste Ratings für diese Produkte ausgestellt haben, anscheinen ohne wirklich zu prüfen, was sie da bescheinigen.

Es sollte jedoch nie vergessen werden, daß eine Bank nicht für Verluste haftet. Eine Bank muß nur aufklären. Die Verluste macht der Anleger. Die Gebühren bekommt die Bank in jedem Fall. Und wenn ich die Lage heute im Licht der Lehren aus der Finanzkrise betrachte, dann muß ich leider feststellen, daß die Banken und Sparkassen ihren Kunden immer noch unterirdisch schlechte Produkte andrehen, von denen sie entweder selbst keine Ahnung über deren Funktion haben oder aber im Stil schlechter Autoverkäufer, jede Form von Wertpapier mit einem verschwörerischen Augenzwinkern verkaufen... oder beides.

Es gehören also immer zwei zum Spiel: der fragwürdige Verkäufer, der ein seltsames Produkt verkaufen will, und der dumme Käufer, der sich alles andrehen läßt. An den Verkäufern können wir nichts ändern... egal wie die Spielregeln - irgendwelche Lücken gibt es immer. Und schließlich kann jede Bank Produkte auflegen, die eine klare Strategie verfolgen, auch wenn die Gewinnwahrscheinlichkeit sehr gering ist. Lotto gibt es ja auch straffrei. Der Anleger entscheidet. An dem Anleger können wir jedoch etwas ändern - und das ist hoffentlich eine der großen Einsichten aus der Finanzkrise.

Anleger müssen einsehen, daß Rendite und Sicherheit im Widerspruch stehen und ein Kompromiß zu finden ist. Anleger dürfen nichts kaufen, was sie nicht verstehen, oder bei dem sie ein seltsames Bauchgefühl haben. Anleger müssen kompetenter und erfahrener werden, um auch nur Berater und Beratungen besser beurteilen zu können. Hier muß man ansetzen.

Schlechte Investmentvehikel verkaufen ist nicht strafbar. Deka macht das jeden Tag. Schlechte Beratung, die nur dem Verkauf und der eigenen Margen- und Provisionsoptimierung dient, kann man weiterhin anbieten, wie viele Tests von Banken und Sparkassen mit den lustigsten Zertifikaten zeigen. Alles geht, wenn man den Weg dorthin sauber dokumentiert hat. Beratungsprotokolle sind nicht als Sicherheit für Anleger gedacht, sondern als Absicherung für die Banken.

So viele strafbare Handlungen wird man also in dem ganzen Chaos der Finanzkrise nict finden können. Jedenfalls viel weniger, als wir gefühlt finden müßten. Also können wir nur auf eine Kapitalmarkt-Ertüchtigung der Anleger hoffen, die auf solche Produkte nicht mehr hereinfallen werden. Alles andere muß wohl in die Kategorie Lehrgeld gesteckt werden. Bitter für manche, die ihre Altersvorsorge oder ihr Haus auf diese Weise verloren haben. Vor allen schlechten Erfahrungen kann man Bürger nicht schützen.

Good judgement comes from experience, and experience comes from bad judgement.

Kommentar von Niklaus ,

Ich stimme dir in allen Punkt voll zu. DH. Hier eine Beitrag der das noch unterstützt. Leider aber es ist so. http://de.finance.yahoo.com/nachrichten/deutsche-geringster-finanzbildung-europa...

Antwort
von Primus, 1

Ich kann den Ausführungen von gandalf94305nur voll zustimmen.

Innerhalb der Familie habe ich erlebt, wie blauäugig Verträge unterschrieben werden, die nur kurz überflogen wurden.

Der Bankberater hatte die Geldanlage ja in höchsten Tönen gelobt und vielleicht irgendwann durch die Zähne genuschelt, dass das Kapital nicht abgesichert ist.

Der kleine Satz im Vertrag, der darauf hinwies, wurde erst entdeckt, als die Karre vor die Wand gefahren war.

Meine Meinung ist, dass nicht die Banken falsch beraten haben, sondern der Anleger mit den Dollarnoten in den Augen zu gierig war.

Kommentar von gandalf94305 ,

Na ja, den letzten Satz möchte ich relativieren, denn aus dem Unwissen anderer Leute Kapital zu schlagen mag nicht immer strafbar sein, wäre in jedem Fall unmoralisch.

Wenn jemand Produkte (und damit meine ich nicht nur die vielzitierten Zertifikate, von denen ja wirklich nur verschwindend wenige wirklich in der Finanzkrise eine Rolle spielten, sondern auch vor allem Fonds) verkauft, die vom Anleger nicht verstanden werden, haben immer beide Seiten - Käufer und Verkäufer - eine Verantwortung: der Verkäufer muß aufklären, der Käufer muß verstehen.

Antwort
von Niklaus, 1

Diese Aussage ist doch sehr fragwürdig. Jedes Produkt hat ein Prospekt und eine Risikoaufklärung. Der Kunde unterschreibt sogar, das er aufgeklärt wurde. Die Verantwortung für die eigene Unterschrift muss ich schon selbst tragen.

Im Falle von Lehmann lag es ja nicht am Produkt, das die Anleger ihr Geld verloren sondern, daran, das die Bank insolvent wurde. Das kann mir jedem anderen Zertifikat, über 1.000.000 Stück in Deutschland, ebenfalls passieren. Man muss wissen, dass ein Zertifikat nur eine Schuldverschreibung ist. Geht der Emittent pleite, ist das Kapital futsch. Was haben die Anleger aus der Lehman Pleite gelernt? Nichts. Es werden in Deutschland täglich massenhaft Zertifikate gekauft.

Antwort
von baufifrage, 1

tja, hier müssen unsere Politiker endlich klare Verhältnisse schaffen-ab einem bestimmten Stichtag an muß es so sein, daß Bankenmanager haften, wenn sie eine Firma in den Abgrund wirtschaften, derzeit leider noch Zukunftsmusik. Aber das Problem wurde ja nun wirklich erkannt, ich hoffe, hier tut sich bald was.

Kommentar von golfuhr ,

es geht ja nichtmal darum das die banken gerettet werden. es geht darum das die banken nicht für die täuschung am kleinanleger haften. ok mir ist klar das die verträge solche vorteile von verlustabsicherung dem kunden oft niemals geboten haben aber eigentlich müsste es in einem so grossen stil schon etwas passieren.

Kommentar von Niklaus ,

es geht darum das die banken nicht für die täuschung am kleinanleger haften

Diese Aussage ist doch sehr fragwürdig. Jedes Produkt hat ein Prospekt und eine Risikoaufklärung. Der Kunde unterschreibt sogar, das er aufgeklärt wurde. Die Verantwortung für die eigene Unterschrift muss ich schon selbst tragen.

Im Falle von Lehmann lag es ja nicht am Produkt, das die Anleger ihr Geld verloren sondern, daran, das die Bank insolvent wurde. Das kann mir jedem anderen Zertifikat, über 1.000.000 Stück in Deutschland, ebenfalls passieren. Man muss wissen, dass ein Zertifikat nur eine Schuldverschreibung ist. Geht der Emittent pleite, ist das Kapital futsch. Was haben die Anleger aus der Lehman Pleite gelernt? Nichts. Es werden in Deutschland täglich massenhaft Zertifikate gekauft.

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