Frage von ottoSch, 9

Warum haben die Schwellenländer auf einmal so massive Probleme?

Viele Jahre waren die Schwellenländer doch bei den Investoren hoch angesehen. Warum haben die Schwellenländer auf einmal so massive Probleme?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von freelance, 3

das muss man differenzierter sehen. Ob die Schwellenländer hausgemachte Probleme haben, stelle ich in Frage. Das Problem kommt mehr vom Anlegerverhalten. Das ist nicht neu.

Lange waren die Aussichten auf gute Renditen in den Schwellenländern gut, vor allem nach der Finanzkrise. Nun steigen jedoch die Aussichten, dass in den Industrieländern die Renditen bei vielen Anlagen steigen. Und daher schichten viele um von den "Randbezirken" in z.B. den US-Raum.

Dieser Kapitalabzug lässt viele Assets im Wert fallen wie auch die Devisen dort.

Antwort
von gandalf94305,

Es geht um Risiko und Renditespreads.

Wenn es in den Emerging Markets zweistellige Wachstumsraten, hohe Kapitalmarktzinsen, deutliche Risikoaufschläge bei Anleihen und aufwertende Währungen gibt, dann sind das die Märkte, in die man investieren will.

Die großen Emerging Markets sind inzwischen jedoch etwas mehr "emerged", d.h. die Risikoaufschläge von Anleihen fallen, Wachstumsraten fallen und die intrinsischen Probleme der Märkte treten stärker hervor. In Folge ist das Chancen/Risiko-Verhältnis anders gelagert und mit dem Abzug von Investmentgeldern fallen auch die Währungen gegen EUR und USD. In Folge fällt das Argument der Gewinne durch aufwertende Währungen weg, d.h. noch mehr Kapital verschwindet.

Parallel dazu scheinen sich die USA zu erholen und Europa kommt in ein ruhigeres Fahrwasser. Damit laufen auch die Unternehmensgewinne besser, so daß für Investoren in den Heimatmärkten in eigener Währung deutlich bessere Chancen/Risiko-Verhältnisse herrschen. Also investiert man in die anlaufende Wirtschaft, die für Anleihen im High-Yield-Bereich immer noch sehr geringe Ausfallsraten aufweist und in ihren Aktienmärkten Branchen mit nicht zu hohen Bewertungen.

Zusätzlich fährt die Fed ihr Anleihenkaufprogramm zurück, d.h. der Markt hat zwar nicht weniger Liquidität, aber die Zuwachsraten werden schrittweise geringer. Man muß sich auf Liquiditätsentzug einstellen, wenn auch noch Zinserhöhungen drohen.

Das ist nicht grundsätzlich ein Problem der Emerging/Frontier Markets, sondern ein verändertes Sentiment der Anleger.

Schaut man sich einzelne Emerging Markets an, so muß man sicher Emerging Europe, Russland, Indien, China, Emerging Asia (ex Indien und China), Africa/Middle East, Brasilien, Mexico und Latin America (ex Brasilien und Mexico) separat betrachten, da diese Märkte sehr unterschiedliche Entwicklungen zeigen. In der Tat lassen sich hier weiterhin gute Ertragsquellen finden, die trotz sinkendem MSCI Emerging Markets gut laufen. Man darf in solchen Märkten eben nicht nach dem Gießkannenprinzip investieren, sondern muß Schwerpunkte setzen.

Die gute Nachricht: was keiner haben will, sollte man genauer prüfen, ob man das jetzt kaufen sollte :-) Emerging Europe, Africa und Mexico weisen interessante Entwicklungen auf. China konzentriert sich auf die Binnenwirtschaft, um nicht nur eine stärkere Mittelschicht zu entwickeln, sondern auch diese mit chinesischen Produkten versorgen zu können.

Aus diesem Grund baue ich seit Jahresanfang wieder einige Emerging/Frontier Markets Positionen aus, denn die Kurse sind in manchen Regionen wieder attraktiv geworden. Ich bin überzeugt, daß in drei bis fünf Jahren diese Investments sich deutlich gelohnt haben werden.

Antwort
von GAFIB, 1

Rationales Investieren ist das Gegenteil von spekulativem Investieren. Für den rationalen Investor es ziemlich "wurscht", welche Region gerade höher steht, und welche tiefer. Nur wer die Börse mit einem Casino verwechselt, wird dauernd hin-und-herschieben, und dabei mit Sicherheit hohe Kosten produzieren - letztlich immer ein Verliererspiel (ganz wie im Casino).

Man muss schlicht und einfach global repräsentativ aufgestellt sein, und zwar immer. Denn niemand weiß, wie sich die (Regionen-)Verhältnisse entwickeln.

Für Zukäufe bieten sich jeweils solche Länder bzw. Regionen an, die preiswert sind, derzeit z.B. Emerging Markets und Europa. Denn der wichtigste Gewinntreiber sind langfristig die Preisverhältnisse. Wer günstig einkauft, wird mittel- und längerfristig überdurchschnittlich belohnt.

Um jegliches Missverständnis zu vermeiden: Derzeit sind die globalen Aktienmärkte durchaus noch fair bewertet, damit dürfte sich in den nächsten 5-10 Jahren weiterhin die historische Aktienmarktrendite von ca. 7% real (d.h. bereits nach Abzug der Inflationsrate) einstellen.

http://www.finanzfrage.net/tipp/welchen-erfolg-hat-aktienanlage-in-2013-erbracht

Antwort
von qtbasket,

Eigentlich ganz logisch:

Das ganze Geld, was die institutionellen Investoren in die Schwellenländer über Monate investiert haben, war zum großen Teil das Geld, mit dem die FED und auch die EZB die Märkte geflutet hatten. Dann fing die FED an, dieses billige Geld zurückzufahren - und die Finanzmärkte der Schwellenländer haben es deutlich aushalten müssen. Dort wo, real noch Wachstum erwartet wurde - dort fand sich dann das Kapital in den Finanzmärkten wieder.

Das ist mit ein Grund dafür, dass ganz aktuell der DAX sich so stabil zeigt. Gerade in den letzten zwei Börsentagen hat der DAX das schön wieder auf die 9600 er Marke geholfen.

Antwort
von Finanzschlumpf,

Die Probleme waren schon immer da.

Nur deren Interpretation ändert sich. Das ist das Ergebnis der Spekulation.

Antwort
von billy,

Weil massiv Kapital abgezogen wurde.

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