Frage von Nachtigall,

Warum gibt es Straffreiheit für Steuerhinterzieher - aber Gefängnis für Diebstahl?

Eine sehr moralische Frage haben wir noch: Wieso bekommen hartnäckige Steuerhinterzieher Straffreiheit bei Selbstanzeige, aber hartnäckige Diebe kommen dagegen ins Gefängnis? Wie ist dieser Unterschied zu rechtertigen?

Hilfreichste Antwort von LittleArrow,
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Einfach ist die Frage nicht zu beantworten, aber vielleicht gibt es doch einige (weitere) Aspekte für eine Bewertung:

Der Steuersünder, der seinen Schaden wieder gut macht, die Gesellschaft voll entschädigt, noch eine Geldstrafe kassiert und durch geeignete, relativ einfache Kontrollmechanismen gefaßt wird, war zwar dumm, aber nicht gemeingefährlich.

Demgegenüber ist der Dieb schwieriger zu fassen. Die permanenten, schlecht bezifferbaren Kontrollkosten (Überwachungssysteme/-personal) tragen wir alle mit höheren Preisen hinzu kommen die individuellen (betrieblichen) und gesellschaftlichen Fahndungskosten sowie die mangelnde Aussicht auf Wiedergutmachung (hier gibt es allerdings einen Teufelskreis, der an sich schon eine Strafe darstellt) rechtfertigen eine angemessene Strafe, ohne dass diese zum "Wellnessurlaub" verkommt.

Eine noch höhere, aber auch andere Art der individuell spürbaren Bestrafung verdient in meinen Augen der/die, der/die andere Personen im weitesten Sinne "verletzt". In diesem Zusammenhang erscheint mir die oftmals erfolgte straftatnahe Festnahme und gleichtägige Entlassung nach Feststellung der Personalien ("Verschonung durch den Haftrichter mangels Fluchtgefahr") als Systemfehler. Beispiele finden sich täglich im lokalen Polizeibericht. "Nachsitzen und -denken" durch sofortigen Fahrzeug- und Konsumentzug und andere unterstützende Mobilitätshemmnisse (z.B. elektronische Fußfesseln) werden nur selten praktiziert.

Antwort von wfwbinder,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

wie ist es zu rechtfertigen, das derjenige, der mir das Autostiehlt ins Gefängnis kommt, und der der mir das nasenbein bricht, mit Bewährung nach hause geht?

Da könnte man erstmal nach dem Sinn von Freiheitsstraen überhaupt fragen.

Vor wem hast Du angst?

Vor Herrn Zumwinkel, wenn er Dir auf der Straße begegnet?

Vor dem einem Körperverletzter, der eine Frau die Handtasche geklaut hat und sie vorher krankenhausreif schlug?

Vor dem, der einem Kind etwas angetan hat?

Vor einem Autodieb?

Dann eine andere Frage zu dem Thema. Der Dieb, der eine Uhr klaut und zu Geld macht, was leistet der für die Gesellschaft?

Der Fleischermeister, der jedes Jahr 100.000 euro versteuert und weitere 30.000,- nicht versteuert hat. Was passiert, wenn der in den knast geht? 4 leute Arbeitslos. Die Steuer auf die 100.000,- und nun 130.000,- pro jahr kommen auch nciht mehr.

sinnvoll den einzusperren? oder läßt man ihn nachzahlen und gibt ihm eine hohe Geldstrafe?

Oder aber, wenn er es reuig selbst noch meldet, dann ist es eben so OK. Man hat ihn doch. für das Alte und für die Zukunft.

Antwort von WolfgangB,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Die Steuerstrafgesetzgebung in Deutschland ist momentan im internationalen Vergleich gesehen sehr lasch. Es wird jedoch bereits diskutier die Strafen auf Steuerhinteriehung auch in Deutschland drakonischer ausfallen zu lassen. Dann wäre ja auch deinem Gerechtigkeitsverständnis Rechnung getragen...

Antwort von Niklaus,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Abgesehen von einer möglichen Strafe hat der Steuerhinterzieher die Steuern nachzuzahlen und zusätzlich Hinterziehungszinsen auf die hinterzogenen Steuern zu zahlen. Hinterzogene Steuern sind pro Monat mit 0,5 Prozent zu verzinsen. Die Verzinsung beginnt ab dem Zeitpunkt, zu dem die hinterzogenen Steuern hätten bezahlt werden müssen. Der Steuerhinterzieher hat also zusätzlich zur nachzuzahlenden Steuer einen Zinsbetrag zu zahlen, der über die Jahre gut die Hälfte der Steuernachzahlung ausmachen kann

http://www.finanztip.de/recht/steuerrecht/steuerhinterziehung.htm

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  • Regelverschärfung bei Selbstanzeige Bei Steuerbetrügern soll künftig eine straffreie Selbstanzeige wesentlich verschärft werden. Demnach soll künftig eine freiwillige Selbstanzeige nur dann straffrei bleiben, wenn sämtliche Schwarzgeldgeschäfte auch tatsächlich offengelegt werden. Werden nur Teile angegeben fällt die Straffreiheit demnach weg.

    1 Ergänzung
  • Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung gut durchplanen Steuerhinterziehung ist kriminell, da sind wir uns sicherlich alle einig. Doch wer Geld am Fiskus vorbeigeschmuggelt hat und nun reinen Tisch machen will sollte diese Selbstanzeige gut planen. Es gibt einiges zu beachten. Zum Beispiel: das Schreiben an das Finanzamt sollte nicht den Titel Selbstanzeige tragen. Denn dies führt unausweichlich zur Einleitung eines Strafverfahrens.

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