Frage von Butterbaer, 2

Warum gibt die EZB so viel Geld aus im Kampf gegen rückläufige Preise?

Immerhin hatten wir 1923 Inflation und so toll war das auch nicht. Und die Flaschen von der EZB wollen sogar absichtlich Inflation.

Allerdings haben wir doch jetzt Preisstabilität und das ist doch das beste, was es nur gibt. Es heißt zwar, dass es Deflation geben soll, aber das wäre doch noch besser. Dann wird alles noch günstiger und man konsumiert mit viel mehr Freude, wenn man sieht wie viel Rabatte es auf Neuwägen gibt, wie günstig Tablets, TVs, Computer und Smartphones durch den starken Wettbewerbsdruck in diesem Segment geworden sind. Tanken kostet wieder teils unter 1,50 und wer Heizöl kauft, dürfte sich auch freuen. Was ist daran so schlimm, wenn alles noch ein hauch günstiger wird?

Die kalte Progression frisst einem dann auch nicht die Lohnerhöhungen auf, weil man auch mit konstanten Löhnen glücklich ist und damit kann man noch mehr konsumieren, weil dann nicht nur die Herstellkosten, sondern auch die Vertriebs- und Verwaltungskosten je Einheit sinken. Und auch das Wohnungsproblem dürfte sich wie von selbst lösen, wenn die Preise wieder sinken und es könnte dann noch mehr konsumiert werden, was wiederum die Wirtschaft florieren lassen würde und man bräuchte auch den Mindestlohn nicht mehr, wenn sich wieder jeder der 40 Stunden die Woche arbeitet eine wohnortnahe Wohnung leisten kann. So könnten wir wieder in Deutschland produzieren, sodass die Produkte wieder besser werden und die Konsumfreude dadurch weiter gestärkt wird. Wozu um Himmels willen will die EZB, die japanische Zentralbank und die FED mit aller Gewalt Inflation? Wie sollen die klammen Staaten steigende Zinsen bewältigen, wenn sie jetzt schon ächzen und Frankreich immer mehr in die Abwärtsspirale gezogen wird?

Antwort
von wfwbinder,

Niemand will eine galloppierende Inflation wie 1923.

Jedoch ist eine leichte Inflationstendenz mit ca. 1,5-2,5 % Inflationsrate tatsächlich wirtschaftsfördernd, während eine Deflation der absolute Wirtschaftsmörder ist.

Bei Deflation, also sinkenden Preisen, sinkt automatisch das Interesse zu produzieren, weil man ja immer weniger für seine Produkte bekommt. Die sinkenden Erträge bewirken, dass keiner mehr investiert, sondern im Gegenteil Arbeitsplätze massiv abgebaut werden.

Natürlich sind auch Preissteigerungen von nur 1,5 bis 2,5 % schlecht für Sparer, ganz ohne Frage, aber eine Deflation wäre auch sehr schlimm.

Und zwischen einer geringen inflationsrate und einer galloppierenden Inflation liegen Welten.

Dazu kommt noch, das die Geldumlaufgeschwindigkeit zur Zeit langsam ist.

Das Ziel des billigen Geldes ist nicht die Inflation anzuheizen, sondern vor allem die Konjunktur in den Staaten mit Problemen anzukurbeln. Spanien zeigt leichte Lichtblicke und abwarten wie es in den anderen Staaten wird.

Kommentar von Butterbaer ,

Die konjunktur kann man doch nur ankurbeln, wenn die Preise wettbewerbsfähig werden. Dazu gibt es zwei volkswirtschaftliche Hilfsmittel, nämlich Deflation und eine eigene Währung, die sich abschwächt.

Mit Deflation im eigenen Land werden Produkte erschwinglich und Mieten bezahlbar. Zudem werden unprofitable und innovationschwache Unternehmen vom Markt beseitigt und es gibt dadurch die Chance, dass neue Unternehmen mit innovativen Produkten auf den markt drängen und somit Problemstaaten auch weltweit erfolgreiche Technologie und Dienstleistungen auf den markt bringen können. Daher sehe ich Deflation als eine Selbstheilungskraft eines kranken Systems und japan hat mit der hohen Geldschwemme schon vor der großen Finanzkrise eigentlich nur die Deflation gefördert, weil das Geld nicht in die Wirtschaft kam, sondern nur die Assets aufblies. Zudem haben die Unternehmen den markt verschlafen, weil sie sich auf die leichte Geldbeschaffung verließen und meinten sie könnten, wenn ihre Produkte nicht mehr gehen, einfach mal schnell sich paar Milliarden borgen und Apple spielen.

Eine schwache Währung verbessert den Export und macht heimische Produkte gegenüber ausländischen attraktiver und sichert so die Arbeitsplätze. Von demher wäre die einzige Lösung Pleitestaaten den Übergang zu einer eigenen Währung zu ermöglichen.

Antwort
von gandalf94305,

Inflation sorgt für das Abschmelzen von Schulden. Da Deutschland der größte Nettogläubiger im europäischen Finanzsystem ist, wird Deutschland somit am meisten von einer Inflation profitieren und bei einer Niedrigzinspolitik verlieren.

Die einzelnen Staaten haben ihre speziellen Probleme.

Frankreich ist mal zu recht einem Downgrade unterzogen worden, da das Land keinerlei Anstrengungen unternimmt, die hohe Staatsquote und die hohe Ausgabenlast zu reduzieren.

Griechenland sträubt sich auch noch und weist mit dem Finger auf andere, sollte aber endlich mal die Staatsbesoldungen in den Griff bekommen und ausstehende Steuern eintreiben.

Spanien benötigt eine Arbeitsmarktreform und eine Entbürokratisierung der Finanzbehörden im Land.

Italien sollte auch gründlicher Steuern eintreiben und vor allem einer Vetternwirtschaft bei der Zuteilung von Staatsaufträgen Einhalt gebieten. Es gehen jährlich wohl über 50 Mrd. EUR über die Theke an Verwandte sonstige Spezis der entsprechenden Entscheider, wenn man nur die hohe Politik betrachtet. Von den lokalen Vergaben wagt man nicht zu reden.

Irland geht es gut. Etwas Steuererhöhungen würden den Unternehmensstandort nicht gefährden, jedoch mehr Geld in die Kassen spülen.

Portugal wackelt noch und weiß nicht wohin... mal sehen.

Jeder hat jedoch Schulden... und da ist Inflation sehr praktisch.

Antwort
von SBerater,

deine Kausalitäten in Ehren... aber frag doch mal die Japaner, ob Deflation so toll ist. Deflation würgt die Wirtschaft ab. Dann magst du zwar Vorteile haben, aber viele eben nicht, weil sie ihre Jobs verlieren.

Durchleuchte nicht deine subjektive Sicht, sondern den Aspekt Deflation. Japan ist ein sehr gutes Beispiel.

Antwort
von robinek,

Sorget Euch nicht "Kleingläubige", alle haben wir mehrheitlich unser Schicksal gewählt und werden es "was man demokratisch nennt wieder wählen"! (Uns geht es doch "noch" gut, keiner geht auf die Strasse)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community