Frage von microgeo, 36

Warren Buffett und ETFs??

Warren Buffett scheint ja zunehmend für ETFs zu schwärmen und hat angeblich sogar eine entsprechende Festlegung für sein Vermögen getroffen. Demnach soll seine Frau ein Großteil seines Vermögens in einem S&P500 ETF anlegen. Wenn ein solches Börsen-Schwergewicht derartige Festlegungen trifft, wie ist diese Entscheidung zu werten? Gewinnt damit der Markt der ETFs weiter an Bedeutung? Ist diese Strategie für die Kleinanleger möglicherweise die Beste?

Einschätzungen?

Hier ein Link (auch wenn man das nicht tun soll...)

http://www.focus.de/finanzen/experten/markus_jordan/mit-exchange-traded-funds-an...

Antwort
von Geldbildung, 28

Diese Entscheidung ist aus meiner Sicht eindeutig auch als Signal für Privatanleger zu werten, verstärkt auf ETFs zu setzen. Erwiesenermaßen schlagen aktive Fondsmanager so gut wie nie den Markt und die, die es tun wechseln regelmäßig. Ich habe hierzu vor einiger Zeit einen Podcast gemacht, wo ich auch auf den genannten Artikel referenziere.

Kommentar von gandalf94305 ,

Aha... und warum ist das ein Signal für Privatanleger?

Blind eine Generalempfehlung für ETFs auszusprechen halte ich für dermaßen etwas von unseriös, da fehlt mir bereits die Skala für diesen Unsinn.

Kommentar von Niklaus ,
Erwiesenermaßen schlagen aktive Fondsmanager so gut wie nie den Markt und die, die es tun wechseln regelmäßig

Dieses Argument höre ich jedesmal, wenn es um ETFs geht. aber bisher hat mir noch nie jemand einen Beweis für diese Aussage geliefert.

Ich behaupte, das ETFs nichts anders sind als vom Markting entdeckte Möglichkeiten an das Geld der Anleger zu kommen. Kein Mensch braucht ETFs.

Kommentar von microgeo ,

Na ja, ganz so drastisch würde ich es nicht formulieren. Wenn ich mir z.B. den Dividenden ETF Global (A0F5UH) anschaue, so ganz grottenschlecht ist der nun auch nicht gelaufen. Dazu noch regelmäßige Ausschüttungen und geringe Kosten.

Natürlich gibt es viel ETF-Schrott. Aber warum trauen sich eigentlich so wenige hier im Forum an Einzelpapiere ran? Die Variante gibt es ja auch noch....

Kommentar von gandalf94305 ,

Bei Einzelpapieren gibt es mindestens drei Aspekte (die dann zu Risiken werden), die bei harmlosen Privatanlegern vernachlässigt werden:

  • Aktien welcher Sorte auch immer sind volatil, d.h. man muß sich hier auf die langfristige Entwicklung konzentrieren und darf nicht gleich in Panik verfallen, wenn ein Papier mal 10% unter seinem Hoch notiert. Bei einer mehr oder weniger konstanten Dividendenrendite von 2-3% hätte sich der Kaufpreis ja im Prinzip nach ca. 100 Jahren sogar komplett amortisiert :-) Bei Qualitätsaktien sind Kursrückschläge typischerweise Nachkaufgelegenheiten, nicht Verkaufssituationen.

  • Aktien können auch mal deutliche Einbrüche verzeichnen, von denen sie sich nicht erholen. Dahinter stehen nun mal Unternehmen, die Fehler oder Fehleinschätzungen machen können, d.h. das rächt sich im Kurs. Daher muß man unbedingt diversifizieren, damit Einzelpositionen mit höheren Risiken nicht zu sehr die Performance eines Portfolios beeinflussen können. Das erfordert ein gewisses Portfoliovolumen, um mind. 20, besser 40 Aktien zu halten.

  • Mit dem Kauf irgendwelcher Aktien, die irgendwo mehr oder weniger qualifiziert empfohlen werden, ist es nicht getan. Man muß sorgfältig Werte auswählen und bewerten, jedoch diese auch beobachten und im Vergleich zu anderen Aktien der gleichen Branchen, Regionen oder Währungsräume sehen. Dazu gehört ein gewisser Sachverstand und die Bereitschaft, sich mit Unternehmensberichten und Märkten zu befassen. Es gehört jedoch auch Zeit dazu oder eben die Bereitschaft, sich einem Berater anzuvertrauen.

Und zu den ETF: ETF sind Markt-Slices, die man kaufen kann, wenn man für ein bestimmtes Anlagesegment gerade keine bessere Alternative hat oder dem Segment eine im Sinne des Portfolios positive Entwicklung zuspricht (die Flut hebt alle Boote). ETFs muß man wie Einzelpapiere beobachten, denn jede starre Strategie findet ihre Nemesis :-) Ich kenne eine ganze Reihe von Fondsmanagern und es gibt für einen Fondsmanager nicht Schlimmeres, als sich an einem Index orientieren zu müssen. Was hilft es denn, einen DAX in jedem Jahr zu schlagen? Wenn dieser 25% in die Tiefe rauscht, will ich nicht dabei sein - auch nicht mit "nur" -20%. Wenn er 25% steigt, will ich +30% :-)

Beispiel: der db x-trackers auf den Eurostoxx 50 hat durch zusätzliche Geschäfte und Dividenden (der Index ist ja ein Preisindex) so viel an Überrendite erwirtschaftet, daß die Kosten und Spreads minimal gehalten werden konnten. Er lief sogar besser als der Eurostoxx 50. Darum steht nun der ETF dank Finanzkrise seit 2007 auf -5%, während der Index ebenso dank Finanzkrise und Bankenübergewicht bei -25% steht. Der passende Comgest Fonds steht auf über +50% in der gleichen Zeit.

Dann sollte man nicht vergessen: es kommt bei ETFs also auch darauf an, sinnvolle Indices zu wählen - daran scheitern harmlose Privatanleger, die den Geiz walten lassen wollen, nämlich meist schon. Sie kaufen, was sie zu kennen glauben. Eurostoxx 50 kennt man. Was ist ein Stoxx Europe 600?

Und aus diesen Gründen muß man jede Investmententscheidung sorgfältig abwägen. Das kann jedoch nicht jeder qualifiziert tun und daher: a priori für harmlose Privatanleger die Empfehlung für ETFs auszusprechen, halte ich für rundum fahrlässig und dazu stehe ich.

PS: und das sagt jemand, der knapp 40% seines Portfolios in ETFs hält :-) Ja, vor einem Jahr waren es noch 50%, aber inzwischen gab es ein paar Turbulenzen, die dann eher für Fonds sprachen. Man muß eben flexibel bleiben.

Expertenantwort
von gandalf94305, Community-Experte für Fonds, 18

Ich finde es immer lustig, wenn irgendwo berichtet wird, daß eine bekannte oder pseudo-bekannte Person nun verstärkt in ---PIEP--- investiert. Meist sind das Personen, die entweder eine große Menge Spielgeld besitzen und daher auch einiges riskieren können (Soros, Buffett, Roubini, Paulson) oder aber Leute, die groß tönen, jedoch es selbst bisher nicht zu dem ersehnten Vermögen gebracht haben (außer sie haben ein Buch geschrieben, das sich anstelle des Einkommens aus Kapitalanlagen besser darstellt).

ETFs sind doch per se weder gut noch böse. Man muß sie richtig einsetzen. Das bedeutet nicht, daß man sie ewig halten soll, es kann dies aber durchaus bedeuten. Geht man davon aus, daß die wesentlichen Kapitalmärkte mit ihren Indices so ca. 4% ziemlich sicher im langfristigen Mittel erreichen werden, dann ist das doch (Schwächeperioden aussitzend) ein praktisch sicheres Investment mit einer Rendite über der von Staatsanleihen. Wie kann man Buffett das übelnehmen?

Harmlose Privatanleger sollten sich klar sein, daß sie im Gegensatz zu Buffett vielleicht sehr wohl auf ihre Ersparnisse und Rücklagen angewiesen sind, d.h. Schwankungen reduziert werden sollten und auch vielleicht aktive Vorgehensweisen zur Umschichtung oder sogar nur zur Aufstockung den harmlosen Privatanlegern fremd sind. Man kauft und hält. Macht man mit Gold so und mit dem Sparbuch. Mit Aktien wird das ja auch so gehen.

Das ist aus meiner Sicht weder ein Zeichen für, noch gegen ETFs für Privatanleger, denn bei Buffett und bei vielen anderen institutionellen Investoren sind ETFs ein Teil einer aktiven Gesamtstrategie. Paßt der Baustein, dann setzt man ihn ein, muß sich aber auch klar sein, was die Konsequenzen sind.

Wie viele Anleger haben auf billige Eurostoxx 50 ETFs (z.B. den von db x-trackers) gesetzt, die auch noch viele Sternchen als Rating erhalten, um sich dann sehr zu wundern, wenn dieser im Zuge der Finanzkrise in die Tiefe rauscht und sich bis heute noch nicht so recht erholt hat? Wie schön wäre es gewesen, auf einen Fonds zu setzen, der solche Effekte glättet.

Dirk Müller darf Gold kaufen, Markus Jordan viele ETFs und Dein Sparkassenbebrater irgendwelche lustigen Aktien und Zertifikate, die er für ganz toll hält. Dürfen sie alle... nur, ich muß das nicht. Und andere müssen das auch nicht :-)

Antwort
von Rat2010, 15

Die testamentarisch auferlegte Kombination, einen Teil in den S&P 500 und den (vermutlich kleinen aber für das Leben der Ehefrau reichende) Rest in kurzlaufende US-Staatsanleihen zu geben, deutet darauf hin, dass er weder sich noch seiner Frau zutraut, das Geld selbst besser anzulegen. Dafür ist es aber auch wirklich zu viel.

Als institutioneller Investor hat er weder die Möglichkeit noch die Lust, sich mit irgendwelchen Fondsmanagern zu beschäftigen. Was er vermutlich schon jetzt mit einem Großteil macht und wozu er seine Frau verpflichtet, ist nachvollziehbar und wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich es vermutlich auch so machen. Der S&P 500 ist auch ein Index, der nichts mit anderen zu tun hat. Bei den größten 500 Unternehmen der USA sind auch einige nicht ganz so große dabei, wodurch ein großer Teil des Gesamtmarktes abgedeckt wird, in den Buffett ohne Währungsrisiko investieren kann.

Buy and Hold funktioniert aber eventuell nicht, wenn man - wie der typische Klein- oder auch Großanleger - Emotionen einbringt. Auch der S&P 500 hat schon über 50 % abgegeben, was Profis wie Buffett nicht stört. Normale Anleger, die nicht per testamentarischer Verfügung drin bleiben müssen aber sehr wohl. Eine Kombination verschiedener Regionen schützt auch nicht vor starken Korrekturen, innerhab denen man nie weiss, wie es weiter geht.

Langfristig sind Klein- wie Großanleger - nämlich wir alle - tot. Warren Buffetts Vermögen wird uns sicher überdauern und diese Komponente sollte Argument genug sein, es sich nicht so einfach zu machen.

"Mensch" sollte also nicht in Fonds anlegen, die irgendwelche Indizes abdecken. Außer er macht das bisher erfolglos selbst. Wesentlich interessanter sind für ihn aber Fonds (oder ein Portfolio davon), die das Geld nach den Bedürfnissen des Anlegers investieren. Nichts anderes hat WB für seien Frau gemacht. Sie hat aber eben ganz andere Bedürfnisse.

Kommentar von microgeo ,

Danke für die interessante Antwort. Warren Buffett empfiehlt in einem Interview auch den Kleinanlegern ein Investment in einen günstigen S&P500-ETF:

"Der Kleinanleger sollte nicht immer versuchen, die "Gewinner" herauszufinden. Stattdessen sollte er "einen Querschnitt der Wirtschaft besitzen, der sich insgesamt gut entwickeln wird. Ein günstiger S&P-500-Indexfonds tut genau das."

Kommentar von Rat2010 ,

Er hat auch in seiner Welt in allem Recht, nur sollte Kleinanleger halt wissen, welchen Horizont WB hat.

Der Schnitt der Anleger in amerikanischen Aktien (in den USA sind Aktien die Basis der Altersvorsorge; sie sind also fast alle Langfristanleger) wird - schon wegen der Transaktionskosten aber auch, weil sich bei vielen die Emotionen nicht ausschalten lassen - mit eigenen Aktienanlagen eher selten den S&P 500 schlagen. Wenn doch, wird dieser Anleger eine deutlich höhere Schwankung in seinem Portfolio haben.

Ein Aktienfondsmanager, der den S&P 500 als Benchmark hat, wird den Index nur dann schlagen, wenn er halbwegs gut ist. Je indexnäher er anlegen muss, desto mehr wird genau das zum Problem, weil die Kosten ein zu hoher Nachteil sind.

Solche Fonds gibt es in D auch und vielleicht ist gegenüber einem Deka-Fonds, bei dem man auch noch Ausgabeaufschlag zahlt, ein günstiger Indexfonds auf den DAX interessanter.

Dagegen gibt es Aktienfonds, die von keinem (auch Performance-)Index geschlagen werden. Vor allem langfristig. Wenn du z. B. den Threadneedel European Select (987663) mit dem STXE600 Performanceindex (natürlich auch jedem anderren europäischen) vergleichst (965821), trennen die vor allem langfristig Welten. Es gibt natürlich das selbe auch auf DAX und vieles andere (auch den S&P 500), nur ist das nicht WBs Welt.

Wenn du z. B. den JP-Morgan-Fonds (A0M5KE) oder viele andere passende in Vergleich zum S&P 500 setzt, merkst du auch, dass WB besser bei seinen Leisten bleiben soll. Von gemanagten Fonds hat er definitiv keine Ahnung. Wenn ich allerdings "passende" schreibe, dann natürlich nicht Fonds, die keine Möglichkeiten haben. Je indexnäher, desto geringer sind vielleicht die Kosten. Desto weniger hat ein Fonds (wie auch ein Indexfonds) eine Chance, den Index zu schlagen.

Menschen, für die z. B. Luca Pesarini ein Rennfahrer ist, die dazu auch keine Lust haben, jemanden zu fragen, der sich mit so was auskennt, können auch in Indexfonds investieren. Dann aber bitte wie WB für die nächsten hundert Jahre.

Expertenantwort
von freelance, Community-Experte für Aktien, 16

die Vorteile von ETFs sind bekannt, die Nachteile auch. Wenn Buffett hier von ETFs redet und das im Zusammenhang mit seiner Frau, dann reden wir über Summen, die kein Kleinanleger hat. Wir haben auch eine Situation in Sachen Streuung, die sich wenige leisten können.

Man müsste nun genauer wissen, wie Buffett wo sein Geld anlegt bzw. das seiner Frau. Bei Buffett und seiner Firma gibt es teils Cashpositionen, die im Mrd-Bereich liegen. Wenn er nun aus so einer Position heraus einige Mio in ETF anlegt und da einer auf Basis des S&P 500 ist, dann ist das Teil der Diversifikation.

Wenn ich nun als Privatanleger eine S&P500-nahe Anlage suche, mir ein Aktienfonds nicht zusagt, dann mag es sein, dass es ein ETF ist.

Auch als Kleinanleger sollte man eine Strategie haben, Investmentprodukte kennen und wenn es eben ein ETF ist, dann ist es einer. Das von Buffett abhängig machen, ist nicht zielführend.

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