Frage von Gronin,

Wann lohnen sich Prozessfinanzierer bei hohen Streitwerten?

Ich bin erst jetzt darauf gestoßen, dass es Firmen gibt, die einen Prozess finanzieren und dann am Streitwert beteiligt sein wollen. Wann lohnt sich das für jemanden? Ist das als Ersatz für die Rechtsschutzversicherung gedacht?

Antwort
von gammoncrack,

Sicherlich nicht als Ersatz für Rechtschutzversicherungen. Die finanzieren sich aus ihrer eigenen Beurteilung der Erfolgsaussichten. Eine gutes Beispiel ist hier die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen gegen Fluggesellschaften aufgrund von Verspätungen oder Flugausfällen. Es ist allgemein bekannt, dass die Fluggesellschaften sich gegen derartige Ansprüche zwar nicht wehren, aber Anspruchsschreiben einfach ignorieren.

Hier bieten u. a. EUclaim, Flightright, Fairplane und Verbraucherinkasso die Übernahme der Geltendmachung des Schadenersatzanspruches an, allerdings gegen eine Vergütung von bis zu 30% im Erfolgsfall.

Vorteil ist sicherlich, dass in diesen Fällen der Stressfaktor der aus Eigeninitiative möglichen Durchsetzung der Forderung höher sein mag, als die 30% Abgabe als Erfolgshonorar.

Fazit muss sein, dass derartige Unternehmen nur dann einsteigen, wenn die Erfolgsaussichten entsprechend groß sind. Sind sie das nicht, werden sie auch nicht tätig werden.

Antwort
von Tritur,

Bei geringen Prozessrisiken ist ein Prozessfinanzierer -statistisch gesehen - teurer als den Prozess auf eigene Kosten zu führen. Bei hohen Prozessrisiken wird der Prozessfinanzierer den Fall erst garnicht übernehmen.

Das Problem ist, dass es wegen des Interessenkonflikts kaum Anwälte gibt, die einem das Risiko einer Prozessführung objektiv darlegen. Man sollte also erst den Prozessfinanzierer fragen, ob er den Prozess führen will. Sagt er zu, sollte man das auf eigenes Prozess- und Kostenrisiko tun. Sagt er ab, sollte man auf das Führen des Prozesses besser ganz verzichten.

Im übrigen erfüllen die Prozessfinanzierer, die oft von Anwälten gegründet wurden, den Tatbestand einer Gesetzesumgehung. Anwälten ist es in Deutschland nicht erlaubt auf Basis eines Erfolgshonorars zu arbeiten. Es ist unverständlich warum dies den Anwälten durch die Einschaltung eines Prozessfinanzierers dann doch erlaubt ist.

Die Gesetzgebung in Deutschland gleicht immer mehr der einer korrupten Bananenrepublik.

Antwort
von Privatier59,

Es gibt Streitigkeiten die von der Rechtsschutzversicherung eben nicht finanziert werden können weil die unter ein Ausschlußkriterium fallen. Und es gibt Menschen die sich viel zu spät Gedanken über den Abschluß einer Rechtsschutzversicherung machen. Da bieten Prozeßfinanzierer eine Alternative.

Was meinst Du denn da aber mit "lohnen"? Der Prozeßfinanzierer übernimmt das Kostenrisiko des Verfahrens, läßt sich das aber teuer bezahlen mit einen nicht unerheblichen Anteil am erstrittenen Ergebnis. Zudem wird ja keinesfalls jedes Verfahren angenommen. Es muß schon mindestens um höhere 5-stellige Beträge gehen. Und vor Annahme der Sache führen die Juristen des Prozeßfinanzieres eine sorgsame Prüfung der Erfolgsaussichten durch.

Wer das Geld zur Prozeßführung hat und an seine eigene Sache fest glaubt, ist sicher besser damit aufgehoben, wenn er den Prozeß ohne Finanzierung durchführt.

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