Frage von dynamoss, 29

Währungsrisiko; Bilanziell/ Nicht-bilanziell

Die Bayer AG sichert ihr Währungsrisiko mit derivativen Finanzinstrumenten ab und unterscheidet dabei in ihrem Geschäftsbericht zwischen der Währungssicherung von gebuchten Geschäften und geplanten Geschäften. In den aktuelleren Geschäftsberichten heißt es dann Absicherung von bilanziellen und nicht-bilanziellen Risiken.

Welche Geschäftsfälle würdet ihr in die jeweilige Kategorie einteilen?

Ich würde sagen:

1.Kauf und Verkauf von Waren/ Produkten; Nach Übergabe des Vermögenswerts wird das Geschäft gebucht. Die Zahlung erfolgt auf Ziel. --> Bilanzielles Risiko

  1. Es wird eingeplant, die im nächsten Jahr benötigten Waren und die voraussichtlichen Fremdwährungsumsätze teilweise zu aktuellen Währungskursen abzusichern. --> nicht-bilanzielles Risiko

  2. Der geplante Verkauf eines Tochterunternehmens wird gegen Währungsschwankungen abgesichert (Translationsrisiko) --> nicht-bilanzielles Risiko

Seht ihr das auch so? ;D Habt ihr vielleicht noch andere Geschäftsfälle parat, die bei der Währungssicherung eine große Rolle spielen?

Antwort
von gandalf94305, 12

Klassischerweise sind davon alle Unternehmen betroffen, die Rohstoffe benötigen, die in USD notieren. Weitere Beispiele wären Fluggesellschaften (z.B. Lufthansa), Nahrungsmittelindustrie (z.B. Nestlé), Banken und Versicherungen (hier ist es Teil des Kerngeschäfts zur Absicherung entsprechender Gegengeschäfte, um das Restrisiko beim Kunden zu belassen).

Ein weiteres Beispiel wären Anleihen, die in einer Fremdwährung emittiert werden, sowie Schulden, die man in einer Fremdwährung aufnimmt. Man könnte durch ein Hedging dieses Risiko wieder reduzieren, hätte jedoch Zusatzkosten dadurch. Idealerweise würde man die Anleihe bzw. den Schuldzinsen/Tilgung durch Cashflows aus diesem Währungsraum finanzieren, jedoch sind das variable Geldflüsse gegenüber einer typischerweise fixen Zinszahlung bzw. Rückzahlung der Nominale. Auch hier ist also das Risiko einzuschätzen, das durch Wechselkurse auf Produktabsätze entsteht.

Wird jedoch ein Teil der Produkte auch wieder an Kunden in USD-Preisen verkauft, heben sich ggf. die Hedges gegeneinander auf und man muß nur die Differenz der Cashflows absichern.

Analog kannst Du natürlich auch andere Währungspaare betrachten, wobei ein effizientes und effektives Hedging nur bei sehr liquiden Währungspaaren möglich ist, da ansonsten die Spreads zu hoch werden.

Kommentar von dynamoss ,

Danke für deine Antwort. Meine Frage richtete sich allerdings mehr auf die Unterscheidung zwischen der Absicherung von bilanziellen bzw. nicht-bilanziellen Risiko. Kannst du dazu auch noch etwas sagen? ;)

Also welche Währungsrisiken sind bei Abschluss der Absicherung noch nicht bilanziell? Stimmt das mit dem überein was ich geschrieben habe?

Die Absicherung einer Finanzierung in Fremdwährung müsste typischerweise ein bilanzielles Risiko darstellen (solange der Kurs erst bei Abschluss der Finanzierung gesichert wird).

Kommentar von gandalf94305 ,

Bilanzielle Risiken schlagen sich in der Bilanz nieder. Wenn also ein Unternehmen z.B. Anleihen eines anderen hält und sich über CDS gegen den Schuldnerausfall abgesichert hat, so gehen in die Bilanz die Marktbewertung der Anleihen und die Kosten für die CDS ein. Die Tatsache, daß die CDS gegen den Ausfall absichern, wird hier nicht berücksichtigt. Dies ist eine außerbilanzielle Wirkung.

Anderes Beispiel: kauft man ein Unternehmen, so ist der Kaufpreis in der Bilanz zu finden. Das bilanzielle Risiko wäre also das Risiko, daß die in der Bilanz bereits gebuchte Kostenposition eine spätere Änderung erfahren müßte. Eine Wertkorrektur aufgrund schlechter Konjunktur wäre jedoch ein außerbilanzielles Risiko. Dieses würde erst dann zu einem bilanziellen Faktor, wenn z.B. die neue Tochter wieder (unter dem Kaufpreis) verkauft wird.

Du wirst bei Absicherungsgeschäften auch den Begriff der Eventualforderungen und Eventualverbindlichkeiten (contingent assets und contingent liabilities) finden. Das sind Forderungen und Verbindlichkeiten (Aktiva und Passiva), deren Materialisierung erst zu einem zukünftigen Zeitpunkt auf eine Art und Weise erfolgt, die nicht vollständig unter Kontrolle des Unternehmens liegt.

Bei Banken beeinflusst diese Risikoeinschätzung unter anderem auch die Wirkung der Leverage, d.h. bei einer hohen Leverage besteht die Gefahr, daß kleine Marktveränderungen bereits große Kapital- oder Bewertungsänderungen nach sich ziehen. Das ist einer der Punkte, die in Basel II und Basel III adressiert werden.

Antwort
von LittleArrow, 12

Der Berücksichtigung des Kursrisikos bei Vermögensübergabe bein Produktkauf/-verkaufs per geht das noch nicht bilanzierte vertragliche Kursveränderungsrisiko ab Vertragsabschluss voraus. Abzusichern ist also auch die Zeitspanne zwischen Vertragsabschluss und Rechnungserhalt. In der Praxis wird also die gesamte Zeitspanne zwischen Vertragsabschluss und Zahlungsanfall abgesichert. Diese gesamte Zeitspanne ist also in zunächst nicht-bilanzielles und anschließend bilanzielles Risiko zu zerlegen.

Darüberhinaus - das hast Du richtig erkannt - läßt sich auch das Budgetrisiko der Produktions-/Umsatzperiode bzw. eines Teils davon absichern, also bevor die eigentlichen Produktkäufe/-verkäufe vertraglich vereinbart werden. Zusammengenommen also: nicht-bilanzielles Risiko.

Viel komplexer kann das Fremdwährungsrisiko bei Investitionen in Produktionsanlagen werden. Die Anlagen (z. B. in den USA) wird durch viele lokale und ausländische Lieferanten und Dienstleister geliefert und errichtet. Hier sind ebenfalls die Zahlungsströme passend abzusichern, sofern Fremdwährungsrisiko bei Vertragsabschluss oder durch nachträgliche Änderungen entsteht. Hierzu kommen Devisentermingeschäfte in Frage.

Ein anderes Beispiel können anstehende Rechtshändel sein, die im Nicht-Euro-Ausland auftreten, wobei Eintreten, Höhe und Zeitpunkt der Zahlungsverpflichtung sehr offen sind. Gut, hierfür müssen zwar Rückstellungen gebildet werden, aber der Abschluss eines Kurssicherungsgeschäftes mag nicht opportun sein (auch nicht als Optionsgeschäft).

Kommentar von LittleArrow ,

Korrektur:

Der Berücksichtigung des Kursrisikos bei Vermögensübergabe bei Produktkauf/-verkauf per geht das noch nicht bilanzierte .... *

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