Frage von Joerg69, 458

Vorfälligkeitsentschädigung umgehen, geht das?

Überall im Internet liest man, man kann die Vorfälligkeitsentschädigung umgehen, wenn ein Anwalt herausfindet, das Fehler in der Widerrufsbelehrung des Kreditvertrages sind? Meine Fragen: Geht das? Und wenn ja, gibt es Erfahrungswerte oder Statistiken oder so, wo man sieht, bei welchen Banken, mit Verträgen aus welchen Zeiten das funktioniert hat? Vielen Dank!!!

Antwort
von KAPRecht, Business, 458

Hallo Joerg69, in den meisten Fällen von Verbraucherdarlehen haben sich die ausgebenden Banken nicht an die gesetzlichen Vorgaben zur ordnungsgemäßen Widerrufsbelehrung gehalten, sondern ihre eigenen Versionen geschrieben. Dies führt jedoch oft zu erheblichen Fehlern mit der Folge, dass man die Darlehen auch heute noch widerrufen kann. Wird ein Darlehen widerrufen anstatt gekündigt, darf die Bank zwar das Darlehen zurückverlangen, aber keine Vorfälligkeitszinsen abrechnen. Inzwischen haben sich einige Anwälte und Verbraucherzentralen darauf spezialisiert, die Widerrufsbelehrungen zu prüfen und Kunden so zu helfen, die Vorfälligkeitsentschädigung ganz oder zumindest zu einem großen Teil zu umgehen. Dein KAP-recht.de-Team

Antwort
von Stiefelkater, 333

Ja da hat man eine reale Chance, denn viele Veträge sind fehelerhaft und ungültig in diesem Belangen. Lass deinen vertrag von einem Anwalt oder Notar prüfen wenn du es genau wissen willst.

Antwort
von LittleArrow, 284

Joerg69: Möchtest Du Dir die Arbeit für einen Artikel einfach machen oder hast Du ein solches Problem? Ziel dieses Forums ist es, bei persönlichen Problemen der Fragesteller zu helfen und nicht den großen Wurf zu liefern, "bei welchen Banken, mit Verträgen aus welchen Zeiten das funktioniert hat."

Statistiken können im Einzelfall nützlich oder unnütz sein. Daher wäre bei einer Einzelfallprüfung schon ein genauer Sachverhalt zu schildern.

Kommentar von Niklaus ,

Die Frage ist erst interessant wenn man die Antwort von KreditCoaching liest.

Antwort
von KlausWehrt, 337

Zurzeit wird viel über den sog. Widerrufsjoker diskutiert. Im Kartenspiel bezeichnet der Joker eine Überraschungskarte, mit welcher der Inhaber sehr zum Leidwesen seiner Mitspieler einen überraschenden Zug tätigt. In der Beziehung zwischen Bank und Kunde liegt dieser Joker in den Händen des Kunden, nachdem die Bank ihm diesen versehentlich zugespielt hat. Mit dem Ziehen des Jokers hat die Darlehensgeberin auf eine etwaige Vorfälligkeitsentschädigung zu verzichten. Zudem kann der Kunde unter Umständen noch Zinserstattungsansprüche aufgrund zu viel gezahlter Zinsen in der Vergangenheit gegen die Bank richten.

Jeder Verbraucherdarlehensnehmer hat nach den zwingenden Vorgaben des Verbraucherkreditrechts (§ 495 BGB) die Möglichkeit, seinen bereits von der Bank bewilligten Kredit innerhalb der nächsten 14 Tage zu widerrufen (§ 355 Abs. 2 S. 1 BGB). Erst nach dem Ablauf dieser Frist entfaltet der Vertrag Rechtskraft. Die 14tägige Widerrufsfrist nimmt ihren Lauf frühestens mit der rechtsfehlerfreien Belehrung über dieses Widerrufsrecht. Wurde nicht rechtsfehlerfrei belehrt, so kann noch jederzeit widerrufen werden. Für ein Darlehen, das bereits über viele Jahre hinweg lief, eröffnet sich für den Schuldner somit die Möglichkeit, sich zinsentschädigungsfrei aus der Darlehensbeziehung zu verabschieden. Interessant ist das insbesondere in der gegenwärtigen Situation, in der historisch niedrige Zinssätze dazu einladen, Darlehen zu günstigeren Konditionen neu zu finanzieren.

Woran erkennt man eine rechtsfehlerhafte Belehrung? Leicht zu erkennen sind Mängel in der Gestaltung. Widerrufsbelehrungen müssen aus dem Vertragstext hervorstechen. Sie sind auffällig zu platzieren, so dass der Darlehensnehmer sie nicht übersehen kann. Nicht zulässig ist es, eine Widerrufsbelehrung im allgemeinen Fluss vertraglicher Klauseln untergehen zu lassen. Die Widerrufsbelehrung trägt eine deutlich hervortretende Überschrift.

Zudem hat die Belehrung vollständig zu sein, indem sie über die Widerrufsfrist, die Art der Erklärung des Widerrufs, den Fristbeginn, die Adresse, an die der Widerruf zu richten ist, wie auch die Folgen des Widerrufs unterrichtet. Beim Verbraucherdarlehen sind vom Darlehensgeber überdies die Pflichtangaben einzuhalten (§ 492 BGB).

Insbesondere mit dem Fristbeginn hatten die Geldhäuser in den vergangenen Jahren große Probleme. Daran nicht unschuldig war der Gesetzgeber, dem es nicht gelungen war, aus den von ihm selbst verfassten Vorschriften zum Widerrufsrecht eine Musterwiderrufsbelehrung zu basteln, der sich die Unternehmen bedenkenlos bedienen konnten. Weithin unklar blieb stets der Zeitpunkt, zu dem die Frist ihren Anfang nimmt. Dieser Termin ist aber deshalb so erheblich, weil er ebenso das Ende der Frist vorherbestimmt. Formulierungen wie „die Frist beginnt frühestens mit dem Erhalt dieser Belehrung“ ohne weitere ergänzende Hinweise wurden von den Gerichten als terminlich unpräzis und irreführend beurteilt, konnte die Frist doch ihren Lauf frühestens erst nach dem Abschluss des Darlehensvertrags nehmen (BGH, Urteil vom 09.12.2009, Az.: VIII ZR 219/08, BGH, Urteil vom 10.03.2009, Az.: XI ZR 33/08, aber zu beachten: BGH, Urteil vom 13.01.2009, Az.: XI ZR 118/08). Hatten die Kunden die Belehrung bei Antragstellung auf das Darlehen ausgehändigt bekommen und wurde der Antrag von der Bank erst nach drei Wochen angenommen, so betrug die Frist nach Aushändigung der Belehrung noch mindestens fünf Wochen und nicht nur zwei Wochen, wie die Belehrung suggerierte.

Besonders knifflig wurde die Antwort auf die Frage nach einer rechtsfehlerfreien Widerrufsbelehrung, nachdem der Bundesgerichtshof die Verwender der gesetzlichen Musterwiderrufsbelehrung unter die Obhut des Vertrauens in die gesetzlichen Vorgaben stellte (BGH, Urteil vom 01.12.2010, Az.: VIII ZR 82/10). Jedes Unternehmen, das sich der Musterwiderrufsbelehrung bedient hatte, konnte wegen einer rechtsfehlerhaften Widerrufsbelehrung nicht mehr belangt werden. Hatte es sich jedoch nur minimal von diesem Muster entfernt, so war die benutzte Widerrufsbelehrung rechtsfehlerhaft, es sei denn es war ihm – anders als dem Gesetzgeber zuvor – gelungen, aus den Rechtsvorschriften eine rechtsfehlerfreie Widerrufsbelehrung zu erzeugen.

Somit glich die Szene einem schmalen Pfad durch einen Sumpf. War man dem vom Gesetzgeber vorgezeichneten Weg bedingungslos gefolgt, so konnte man den Sumpf gefahrlos queren. Hatte man einen großen Umweg genommen und eine eigene, den gesetzlichen Vorgaben genügende Widerrufsbelehrung entwickelt, so blieb man ebenfalls verschont. War man jedoch dem vom Gesetzgeber vorgezeichneten Pfad durch den Sumpf nur ein wenig abgewichen, so holte einen der Sumpf im Gewand des Widerrufsjokers.

Zurzeit besteht eine gewisse Rechtsunsicherheit dahingehend, ob man den Widerruf bei einem Darlehen mit fehlerhafter Widerrufsbelehrung noch während des laufenden Vertrags zu erklären hat oder ob man auch noch nach der Beendigung des Vertrags mit entsprechenden Folgen f

Antwort
von Sparfuchs23, 249

Es funktioniert bei Verträgen, die zwischen 2002 und 2011 zustande gekommen sind. Laut Untersuchungen sind mehr als 2/3 aller Widerrufsbelehrungen fehlerhaft. Ich stehe zur Zeit vor der gleichen Frage und werde unsere Belehrung prüfen lassen. In vielen Fällen hat man dann sehr gute Chancen, ohne VVE aus dem Kreditvertrag herauszukommen. In diesem Forum wird ausführlich darüber diskutiert, und dort findet man auch viele Hilfen und Tipps sowie Erfahrungen, dass es sich tatsächlich lohnen kann:

http://www.finanz-forum.de/widerrufsjoker_erfahrungen_t11727_2.html

Antwort
von billy, 210

Ja geht, mit dem Vertragsentwurf zum Anwalt und beraten lassen.

Kommentar von gammoncrack ,

Guter Tipp!

Und dann stellt der Anwalt fest, dass alles seitens der Bank richtig gelaufen ist.

Wie heißt das dann so schön:

Außer Spesen nichts gewesen!

Kommentar von LittleArrow ,

Vertragsentwurf

Warum mit dem Entwurf?

Kommentar von Niklaus ,

Dann läuft das so ab:

Guten Tag. Sind sie der Anwalt bei dem zwei Fragen 300 € kosten. Ja der bin ich und die zweite Frage bitte.

Antwort
von baynado, 206

Ich habe auf Youtube dieses Video als passende Antwort auf Deine Frage gefunden.

Antwort
von Weltmeister04, 161

Hallo,

es ist richtig, dass gut 2/3 der Kredite in Deutschland falsch berechnet worden sind und dementsprechend die Widerrufsbelehrungen falsch sind.

Die Banken arbeiten ähnlich wie Steuerberater. Wenn z.B. Datev einen Fehler bei den Formularen macht und die Steuerberater diese Formulare benutzen, ist es sozusagen ein Massenfehler, wie bei den Banken in diesem Fall auch.

Der Kredithilfeverein e.V. (empfohlen von Verbraucherschutz der Sparer) checkt die Kreditverträge kostenlos und unverbindlich. Hier ist ein YouTube Video wie deren Arbeitsweise aussieht

Auf der Webseite Kreditprüfen.com kann man alles weitere lesen.

Hoffe ich konnte dir bisserl helfen.

Antwort
von KreditCoaching, 168

Es ist höchstrichterlich geklärt, dass ein Bankkunde in bestimmten Situationen (Verkauf der Immobilie, Notlage) aus den laufenden Kreditverträgen aussteigen kann. Die Bank erleidet einen Zinsschaden. Diesen muss der Kunde erstatten. Die Berechnung erfolgt nach klaren Regeln, die Bank hat aber Gestaltungsmöglichkeiten:

Folgende Schritte rate ich Ihnen: » Klärung ob eine vorzeitige Rückzahlung angenommen wird » Berechnung der Vorfälligkeit anfordern » Berechnung prüfen lassen (Verbraucherverband / Stiftung Warentest) » Alternativen abklären

Alternativen: Ich habe keine Kenntnis warum Sie das Darlehen zurückbezahlen wollen. Häufig wollen Verbraucher auch nur umschichten und auf die aktuellen niedrigen Zinsen zurück greifen. Diese Handhabung kann in Ausnahmefällen auch zu einem wirtschaftlichen Erfolg führen. Auf jeden Fall sollten Sie im Vorfeld mit einem unabhängigen Berater sprechen und den Vertrag prüfen lassen. Immer wieder kommt es vor, dass der Vertrag fehlerhaft ist oder Optionen vorhanden sind die nicht mehr bekannt sind (Sondertilgungsrechte etc.).

So können Sie zum Beispiel Bauspardarlehen sofort zurück bezahlen. Oder bei Darlehen mit langen Zinsbindungen bestehen Sonderkündigungsrechte nutzen. Als Kreditcoach prüfe ich immer zuerst die Verträge und erstelle dann Lösungsvorschläge. Ich berechne auch die Vorfälligkeit und stimme mich mit dem Ergebnis mit der Bank ab. Hier zeigt sich immer wieder, dass viele Banken Nachlässe gewähren oder die Berechnungen ändern.

Link zur Analyse der Verbraucherzentrale:
http://www.test.de/Vorfaelligkeitsentschaedigung-Nachrechnen-kann-sich-lohnen-11...

Antwort
von HilfeHilfe, 132

Hallo

schwierig ! Die neuen Darlehensverträge sind sicherlich wasserfest, bei älteren könnte man eine chance haben !

2 Faktoren spielen eine Rolle

a- Zeit ( Banken haben mehr Zeit wie Du) b- Geld für Rechtsanwalt ( haben Banken auch mehr und deine RSV wird sich über sowas freuen)

Viel Erfolg !

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