Frage von rospet, 96

Vorfälligkeitsentschädigung bei Darlehensablösung - Sonderzahlungen

Hallo, ich muss wegen eines Todesfalles unsere Immobilie verkaufen. Habe auch einen Käufer. Der festgelegte Zinssatz des Darlehens läuft noch gut 5 Jahre. Die Bank möchte von mir eine Vorfälligkeitsentschädigung. Welchen Betrag, das steht noch nicht fest. Als wir damals den Darlehensvertrag abgeschlossen haben, wurde eine jährliche Sonderzahlung vereinbart.

Jetzt habe ich gelesen, dass nach einem Gerichtsurteil die Bank bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung die Sonderzahlungen berücksichtigen muss. Nicht nur für die restlichen Jahre, sondern auch für vorherigen Jahre ab Darlehensbeginn, auch wenn in den vorhergehenden Jahren keine Sonderzahlungen geleistet wurden, aber geleistet hätten werden können. Wer kennt sich hier aus und kann mir evtl. weiterhelfen?

Antwort
von Laube1988M, 78

Ein Gang zum Steuerberater / Anwalt sollte hier gut helfen. Wird zwar ein paar Kröten kosten, kann dir aber eine Menge Geld bei der Bank sparen.

Vielleicht kannst du auch mit der Bank - auf Kulanz - verhandeln? Wenn du dafür einen neuen Kredit für ein neues Haus bekommst?

Kommentar von EnnoBecker ,

Was soll denn der Steuerberater hier machen?

Kommentar von Privatier59 ,

Was Steuerberater so machen: Kaffee servieren, in der Nase bohren und anschließend eine Rechnung schreiben.

Kommentar von EnnoBecker ,

@P59

Hast du letztes Mal heimlich eine Kamera installiert?

Ich finde ohnehin, dass die Arbeit viel zu anstrengend ist und auch nichts einbringt. Deshalb konzentriere ich mich lieber aufs Rechnungschreiben, das ist viel effektiver.

Kommentar von rospet ,

Hallo, ich glaube mit der Bank verhandeln wird nicht gehen. Habe ich schon gefragt. Die gehen nach Recht und Gesetz und machen keine Ausnahme. Einen neuen Kredit brauche ich nicht.

Aber was ist mit der Berücksichtigung der Sonderzahlung? Hat damit schon mal jemand Erfahrung?

Antwort
von Primus, 67

Ich habe einen - wie ich finde - interessanten Bericht gelesen, der zu Deiner Frage passt und Dir vielleicht einige Fragen beantwortet.

Sieh mal hier:

http://www.finanztip.de/recht/bank/wehrt-kreditabloesung-vorfaelligkeitsentschae...

Antwort
von georgpuetz, 68

Die Vorfälligkeitsentschädigungsberechnung ist eine in die Zukunft gewandte Berechnung. Der Schaden entsteht bei der Bank dadurch, dass der Kreditnehmer seine zukünftigen Zahlungsverpflichtungen aussetzt. Deshalb sind vertraglich vereinbarte Sonderzahlungen, die in der Zukunft stattfinden dürfen, bei der Berechnung der VFE zu berücksichtigten. Die in der Vergangenheit möglichen, aber nicht genutzten Sonderzahlungen sind irrelevant, weil die Vergangenheit nicht berechnet wird.

In Ihrem Fall würde ich mich vor dem Thema Vorfälligkeit erst einmal um den Widerruf wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung kümmern. Sollte die Widerrufsbelehrung fehlerhaft gewesen sein, weil...

  • Sie zahlen keine VFE
  • Sie zahlen nur den i.d.R. geringeren marktüblichen Zins an die Bank
  • Sie erhalten alle Ihre Zahlungen zurück (Zins und Tilgung)
  • Sie erhalten Verzugszinsen auf die zurück zu zahlenden Leistungen

Zum Thema VFE habe ich mal ein E-Book geschrieben: http://skadoogle.com/7SimpleWays-6883-Vorf/a>lligkeitsentschädigung

Kommentar von rospet ,

Hallo,

wegen des Widerrufs wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung wollte ich mich sowieso kümmern. Das Problem ist, ich habe eine Käufer für die Immobilie und der Vertrag soll nach Ostern unterschrieben werden. Wenn ich Widerspruch wegen der Widerrufsbelehrung einreiche, dann kann das ja Monate dauern und ich weiß jetzt nicht, ob ich damit durchkomme. Dann habe ich die Immobilie verkauft und bleibe auf der Vorfälligkeitsentschädigung gegenüber der Bank sitzen. Die Vorfälligkeitsentschädigung beträgt ca. 18.000 €. Das ist ein ganz schöner Batzen Geld den ich dann einbüße. Das kann ich mir nicht leisten. Besteht evtl. die Möglichkeit, dass man mit der Bank verhandeln kann? Kennt sich da jemand mit aus?

Kommentar von georgpuetz ,

Richtig, es sind sehr viele Fragen zu klären und alles das sollte man mit einem versierten Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht (Verbraucheranwalt) besprechen. Ohne juristischen Beistand werden Sie nichts bewegen.

Der Kauf nach Ostern kann stattfinden. Die Bank wird das Grundbuch nur räumen, wenn alles Forderungen der Bank beglichen sind. Das hat aber nichts damit zu tun dass man die Vorfälligkeitsentschädigung der Höhe nach überprüfen lässt UND die Widerrufsmöglichkeit überprüfen lässt. Sollte der Widerruf möglich sein und Sie in dem mit ziemlicher Sicherheit stattfindenden Prozess gewinnen, bekommen Sie die VFE zurück, alle Ihre Zahlungen zurück und auch noch den gesetzlichen Verzugszins auf Ihre Zahlungen. Die Bank hat Anspruch auf den marktüblichen Zins.

Über die korrekte Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung lässt sich in der Regel nicht verhandeln. Es ist ein konkreter Schaden, den die Bank erleidet und der muss ersetzt werden. Sollte die VFE zu hoch sein, ist das kein Verhandeln, sondern ein Fordern nach der korrekten Höhe.

Antwort
von LittleArrow, 46

Du könntest ja auch diese Schiene prüfen lassen:

https://www.test.de/themen/geldanlage-banken/meldung/-Ratenkredite/1838602/18386...

Das gilt auch für Immobilienfinanzierungen;-)

Antwort
von Privatier59, 34

Du meinst sicherlich die hier zitierte landgerichtliche Entscheidung:

http://www.vzhh.de/baufinanzierung/30381/vorfaelligkeitsentschaedigung.aspx

Das Landgericht ist eine der unteren Instanzen. Solange keine BGH-Entscheidung zu dieser Frage ergangen ist -auf die Schnelle kann ich zumindest keine auffinden- wird die Bank die in der Vergangenheit möglichen Sondertilgungsmöglichkeiten mit Sicherheit nicht berücksichtigen. Allerdings ist wird man dann sicher darüber diskutieren müssen.

Kommentar von rospet ,

Ja, die Entscheidung meine ich. Aber was ist mit den Sonderzahlungen, die evtl. in der Restzeit hätten gezahlt werden können? Wenn ich die Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung erhalten habe, werde ich mich mal mit der Bank in Verbindung setzen oder mit der Verbraucherzentrale.

Kommentar von Primus ,

Damit die Banken keine überhöhten Vorfälligkeitsentschädigungen berechnen, hat der Bundesgerichtshof in mehreren Urteilen die Banken verpflichtet, die Vorfälligkeitsentschädigung auf der Grundlage von auf dem Markt real erzielbaren Zinsen und nicht nach einem aktuellen Zinsindex zu berechnen

Sonderzahlungen und entfallende Verwaltungskosten sind bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung zu berücksichtigen.

Kann der Kreditnehmer dennoch beweisen, dass die Vorfälligkeitsentschädigung entgegen den Bestimmungen zu hoch berechnet wurde, ist die Bank zu einer Korrektur verpflichtet.

Der Rat eines Finanzfachmannes ist also immer angebracht.

Kommentar von Privatier59 ,

Das Problem liegt hier aber anders: Es geht darum, ob die Bank fiktive Sondertilgungen berücksichtigen muß und zwar deshalb, weil diese hätten vorgenommen werden dürfen. Nur darum geht es, nicht um die Zukunft.

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