Frage von berni28, 13

Vorfälligkeitsentgelt, für welchen Zeitraum berechnen?

Ein Darlehensvertrag aus September 2006 mit einer Laufzeit von 12 Jahren, also bis August 2018 soll vorzeitig abgelöst werden gegen Zahlung eines Vorfälligkeitsentgelts.

Der Darlehensvertrag wurde im Juni 2011 neu abgeschlossen da die monatliche Rate gesenkt wurde.

Die ursprüngliche Laufzeit wurde beibehalten ( August 2018 ). Da das Darlehen nach 10,5 Jahren ohnehin abgelöst werden könnte, in diesem Fall also in Februar 2016, stellt sich folgende Frage.

Für welche Restlaufzeit muß nun die Vorfälligkeit berechnet werden?

Antwort
von Interhyp, Business Partner, 10

Hallo berni28,

hoffentlich kann ich Dir hiermit weiterhelfen. Vorab solltest Du Folgendes wissen:

Nachdem Dein (neuer) Darlehensvertrag noch keine zehn Jahre besteht, kann Deine Bank laut Rechtsprechung des BGH eine Kündigung verweigern. Deine Bank muss Dich nicht vorzeitig aus dem Darlehensvertrag entlassen, auch nicht gegen die Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung. Daher bist Du auf deren Entgegenkommen angewiesen.

Die Vorfälligkeitsentschädigung wird i.d.R. auf einen Zeitraum von zehn Jahren und sechs Monaten, ab Abschluss des neuen Darlehensvertrages zur Anschlussfinanzierung, berechnet. Für die restliche Zinsbindung kommt die Vorfälligkeitsentschädigung nicht mehr zum Tragen, da Du ja dann ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht (nach § 489 I Nr. 3 BGB), ohne die Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung, hättest.

Die Berechnung an sich liegt jedoch im Ermessen des jeweiligen Kreditinstitutes. Diese kann bis zum doppelten des Zinsschadens erhoben werden, solange die Grenzen der Sittenwidrigkeit und des Wuchers (gemäß §138 BGB) nicht überschritten werden

Wenn Du den Darlehensvertrag im Juni 2011 neu abgeschlossen, also die Konditionen verändert hast und dafür auch ein neuer Vertrag erstellt wurde, dann wird die Vorfälligkeitsentschädigung wahrscheinlich für den Zeitraum Juni 2011 bis Dezember 2021 berechnet.

Vielleicht hilft Dir auch folgender Vorfälligkeitsentschädigungsrechner (www.interhyp.de/Vorfaelligkeitsentschaedigungsrechner) dabei, die ungefähren Kosten zu berechnen. Die Berechnungen ist aber absolut unverbindlich und nur ein erster ungefährer Anhaltspunkt.

Alles Gute und viele Grüße,

Interhyp AG, Franziska

Antwort
von gandalf94305, 6

Hier ist einiges unklar.

Der ursprüngliche Darlehensvertrag aus September 2006 sollte 12 Jahre laufen. War das eine Zinsbindungsfrist oder die Zeit bis zur Tilgung? Wann genau wäre die Zinsbindung des ursprünglichen Vertrags abgelaufen?

Was bedeutet "neu abgeschlossen"? Handelt es sich um einen neuen Vertrag, der den alten ablöst (neues Darlehen, Auszahlung zur Tilgung der Restschuld des alten Vertrags, neuer Vertrag läuft nun mit neuer Zinsbindung und neuen Raten), so läuft dieser nun mit einer neuen Zinsbindungsfrist und neuen Raten. Falls nicht, ändert sich am Vertrag selbst nichts und die Bank hat ungewöhnlicherweise in einem bestehenden, nicht veränderlichen Vertrag die Zinsen oder die Rate angepaßt.

Die Vorfälligkeit muß auf die Vertragsdauer bis zum Ende der Zinsbindung bzw. Zeit bis zur Tilgungsmöglichkeit berechnet werden. Dabei sind auch theoretisch mögliche Sondertilgungen zu berücksichtigen, die mindernd auf die Entschädigung wirken. Es spielt keine Rolle dabei, ob diese Sondertilgungen wirklich geleistet werden können. Vorfälligkeitsentschädigungen aus Verträgen, die einen hohen Sondertilgungssatz p.a. vereinbaren, sind daher deutlich niedriger als solche, die keine Sondertilgungen zulassen. Es ist auch zu berücksichtigen, daß Verträge nach einer Laufzeit von 10 Jahren gekündigt werden können, auch wenn die Zinsbindung länger wäre.

Zu klären sind also anhand der tatsächlichen Vertragsunterlagen:

  • Was genau passierte bei der Veränderung der Konditionen des alten Vertrags im Juni 2011?

  • Wie lautet die Dauer der Zinsbindung aus dem aktuellen Vertrag laut Vertrag?

  • Welche Sondertilgungsmöglichkeiten sind vorgesehen?

Lies dies doch bitte mal nach.

Antwort
von hypothekenteam, 5

Wenn die Zinsbindung 12 Jahre ab 09/2006 betrug, dann kann nach 10 Jahren mit einer Frist von 6 Monaten gekündigt werden (§ 489 BGB). Zu beachten ist jedoch, dass das Datum der Vollauszahlung des Darlehens zählt. Also, wann wurde der letzte Euro vom Darlehen ausgezahlt? Man kann dann 10 Jahre nach diesem Zeitpunkt kündigen, aber nicht vorher. In diesem Fall gibt es keine Vorfälligkeitsentschädigung. Wollen Sie jedoch heute schon kündigen und die Bank stimmt zu (was sie nicht muß), dann wird Vorfälligkeitsentschädigung berechnet für den Zeitraum bis 10 Jahre und 6 Monate nach Vollauszahlung des Darlehens. Oft lohnt sich das aber nicht, daher empfehle ich, dass Sie sich ein Angebot über ein Forwarddarlehen machen. Damit schließen Sie schon jetzt einen Vertrag zum Ende 10-jährigen (+ 6 Monate) Kündigungsmöglichkeit. Sie erwähnen ferner, dass der Vertrag im Juni 2011 neu abgeschlossen wurde. Ich vermute aber, dass dort nur der Tilgungssatz geändert wurde. Jedenfall sollten Sie sicherheitshalber in den Vertrag schauen, nicht dass dort eine neue Zinsbindung vereinbart wurde (ist aber unwahrscheinlich, denn dann wäre ja schon damals eine Vorfälligkeitsentschädigung angefallen).

Alexander Solya

Kommentar von LittleArrow ,

Wurde dies überlesen?

Der Darlehensvertrag wurde im Juni 2011 neu abgeschlossen da die monatliche Rate gesenkt wurde.
Kommentar von hypothekenteam ,

Wurde meine Antwort nicht zuende gelesen? :-) Am Ende gehe ich darauf ein.

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