Frage von DimitrisT, 143

Wie kann man Vermögen in maximaler Höhe (ohne Steuern) auf das volljährige Kind übertragen?

Hallo,

wie ich weiss, darf jeder Elternteil auf das Kind 400.000.00 Euro alle 10 Jahre übertragen (800.000 Euro zusammen) Wir haben 2 Eigentumswohnungen, die vermietet werden. Der Kaufpreis der ersten war 200.000 Euro (2010), der Kaufpreis der anderen: 305.000 (2011) Die erste Wohnung ist schon abbezahlt, die andere noch nicht. Eigentümer sind die beiden Eltern. Der Marktwert der beiden Wohnungen ist seitdem gestiegen.

Die Fragen sind:
Ob man der Wert der beiden Wohnungen (Kaufpreis zusammen 505.000 Euro) auf das volljährige Kind überträgt oder die Wohnungen erst von dem Sachverständigen bewerten lässt und erst dann der aktuelle Wert für die Übertragung benutzt?
Muss man die beiden Wohnung von dem Sachverständigen bewerten lassen (abzüglich des Niessbrauchsrecht der Eltern ) und dann nur den Betrag in entsprechenden Höhe dem Kind schenken oder kann man den maximalen Betrag (2 X 400.000 Euro) verschenken?

Besten Dank im Voraus, Dimitris

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Antwort
von LittleArrow, 73

Da das erwachsene Kind hier nicht wirklich Geld geschenkt bekommt, sondern zwei Immobilien, ist für den Schenkungswert der jeweilige aktuelle Verkehrswert der Immobilien maßgeblich. Es kann also nicht "ein oder zwei Beträge" verschenkt werden. Der jeweilige aktuelle Verkehrswert wird evtl. durch den Kreditsaldo reduziert, wenn die Schulden  vom Beschenkten übernommen werden. Prüft rechtzeitig mit dem Kreditgeber, ob er den Beschenkten als neuen, alleinige Schuldner akzeptiert (manchmal zickt der herum und will das Grundpfandrecht für beide Immobilien und/oder noch eine Elternbürgschaft!). 

Ein vereidigter Sachverständiger ist insb. dann sinnvoll, wenn es Nießbrauch, Instandhaltungsrückstau oder Reparaturbedarf gibt, den das Finanzamt bei seiner Schätzung nicht kennen kann.

Diese beiden Bewertungen sollen dann auch im notariellen Schenkungsvertrag aufgeführt werden. Sie bestimmen nämlich auch die Gebühren des Notars.

Kommentar von Franzl0503 ,

LittleArrow:

Einer überschlägigen Wertschätzung würde ich den Bauindex (2010 = 100) zugrundelegen und käme Ende 2015 bei WE 1) (2010 = 200 000) auf € = 223 000, bei WE 2 (2011 = 305.000) auf € 331.000). Geschäftswert somit max 554.000 € und nicht 800 000. Für die Wertermittlung des Nießbrauchs (kapitalisierter Mietausfall) fehlen die üblichen Angaben (Dauer = zeitl. begrenzt oder lebenslang,  Mietwert der einzelnen ETW, Alter der Berechtigten usw.). Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Grundpfandrechtsgläubiger die Schenker = Eltern = Niessbrauchberechtigten aus der pers. Schuldhaft entläßt. Lehnen sie einen Rangrücktritt ab, sind beide Objekte späterhin quasi unbeleihbar.

Kommentar von LittleArrow ,

Ganz herzlichen Dank für Deine praktischen Hinweise, z. B. zur Wertermittlung, für die Notargebühr. Der Bauindex repräsentiert den Neubauwert und vernachlässigt natürlich die Gebäudeabnutzung, Instandhaltungsrückstau etc. (was zusammen nach 5 Jahren nicht so hoch sein dürfte).

Sehr kritisch ist also die Entlassung der Schenker aus den Grundpfandpflichten zu sehen bzw. deren erforderlicher Rangrücktritt. Diesen Punkt hatte ich hier nicht auf meinem Radar. 

Kommentar von EnnoWarMal ,

" ist für den Schenkungswert der jeweilige aktuelle Verkehrswert der Immobilien maßgeblich"

Nein. Grundbesitz ist mit dem nach § 176-198 BewG auf den Bewertungsstichtag festgestellten Wert anzusetzen. Dass ist der Bedarfswert.

Die Norm findet sich in § 12 (3) ErbStG, dort jedoch mit veraltettem Verweis auf § 151 BewG, der ab seit 2009 nicht mehr gilt und eben durch §§ 176 ff BewG ersetzt wurde.

Bewertung mit dem Verkehrswert nur, wenn der niedriger ist als der Bedarfswert und der Steuerpflichtige dies nachgewiesen hat.

Kommentar von LittleArrow ,

Danke für Deine Korrekturen, EnnoWarMal.

Kommentar von DimitrisT ,

Danke für den Hinweis auf den Bauindex, Bedarfswert bzw. Verkehrswert. Falls der Geschäftswert der beiden Objekte (nach dem Bauindex, bzw. als Bedarfswert oder  Verkehrswert)  in der Höhe von z.B. 554.000 Euro geschätzt wird, kann dann jeder Elternteil ein Vermögen in Höhe von jeweils 277.000 Euro dem Kind übertragen (schenken). 
Ab dann gehören die beiden Wohnungen dem Kind, so dass ein späterer Wertzuwachs (z.B.beim Verkauf) nicht mehr besteuert wird  (?) Der Beschenkte kann später die Wohnungen steuerfrei (kein Spekulationssteuer) verkaufen (nach Ablauf der Haltefrist von zehn Jahren seit dem Kauf der Wohnung durch die Eltern)?

Antwort
von Zitterbacke, 101

Brauch das Kind das Geld ?

Ansonsten wäre ich für ein Testament.

Gruß Z... .

Kommentar von DimitrisT ,

Es geht darum, die Erbschaftssteuer/Schenkungssteuer zu vermeiden. Diese fällt für das Vermogen (Immobilien/Kapital) ab 400.000 Euro. Daher ist es sinnvoll, dem Kind das Vermögen vor dem Erbfall zu übertragen. Die Frage ist nur, sollen die Werte der Immobilien wie im Kaufvertrag berücksichtigt werden oder der aktuelle Wert der Objekte.

Grüsse,

Dimitris

Kommentar von Zitterbacke ,

Erbschaft und Schenkung ist gleich.

"Jede Person, die aus einer Erbschaft etwas erwirbt unterliegt der Erbschaftsteuer. Schenkungen unter Lebenden unterliegen der Schenkungsteuer. Sie wird im Wesentlichen nach denselben Regeln wie die Erbschaftsteuer erhoben. "

http://www.familien-wegweiser.de/wegweiser/stichwortverzeichnis,did=66782.html

 Bis eben auf die 10 Jahre.

Ich denke das FA wird den aktuellen Wert heran nehmen.

Kommentar von DimitrisT ,

Richtig, für das FA ist dies gleich (Erbschaft bzw. Schenkung). Falls es den aktuellen Wert nehmen wird, muss man dann diesen schätzen lassen.

Die Frage ist daher, ob man nicht einfach 2 X 400.000 Euro (als den maximalen Freibetrag) dem Kind überträgt ohne die Immobilien schätzen zu lassen. Da die beiden bestimmt nicht über 800.000 Euro liegen, wird dann auch keine Steuern fällig (?)

Kommentar von Zitterbacke ,

Falls es den aktuellen Wert nehmen wird, muss man dann diesen schätzen lassen.

Warum du??

Kommentar von DimitrisT ,

weil ich nicht glaube, dass das FA den Wert selbst ermitteln wird, bzw, ich würde es dem FA nicht unbedingt anvertrauen. Daher meinte ich ''schätzen lassen'', z.B durch einen Sachverständingen.

Kommentar von EnnoWarMal ,

"Warum du??"

Weil der Steuerpflichtige hier in der Nachweispflicht ist, § 198 BewG.

Siehe meinen Kommentar zu LittleArrows Antwort.

Kommentar von EnnoWarMal ,

" Die Frage ist nur, sollen die Werte der Immobilien wie im Kaufvertrag berücksichtigt werden oder der aktuelle Wert der Objekte."

Weder noch. Siehe meinen Kommentar bei LittleArrow.

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