Frage von tom9845, 66

Verlustvortrag nachträglich geltend machen

Hallo,

ich habe 2010 die Einnahmenüberschussrechnung für mein Einzelunternehmen falsch ertellt. Der ausgewiesene Verlust Betrug 2000 EUR. Tatsächlich lag dieser bei 9000 EUR. Kann ich dies nachträglich korrigieren bzw. in meiner Einnahmenüberschussrechnung 2012 berücksichtigen um die Nachzahlung von Steuern zu vermeiden?

Danke für eine Information.

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo tom9845,

Schau mal bitte hier:
Steuererklärung Verlustvortrag

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von EnnoBecker, 53

Natürlich kannst du in deiner Einkommensteuererklärung und Gewerbesteuererklärung nur den Verlust berücksichtigen, der auch festgestellt wurde.

Ob die 2010er Bescheide noch zu korrigieren sind oder gar noch angreifbar, muss abgewartet werden: Entweder kommt mehr Input oder du wartest einfach, bis meine Kristallkugel aus der Werkstatt zurück ist.

Eine Frage habe ich: Warum hast du denn den falsch ausgeweisenen Verlust nicht berichtigt, als der Bescheid kam?

Kommentar von tom9845 ,

Hallo danke für die Antwort,

die Antwort ist leider recht simpel. Mangels Erfahrung (es war die erste EÜR). In 2012 würde lt. Berechnung eine Nachzahlung aufgrund der positiven EÜR fällig, die ich gern vermeiden würde, da ich noch stark an den Verlusten aus 2010 zu nargen habe.

Der Bescheid sieht ein Einspruchsfrist von 1 Monat vor. Was für Informationen brauchst du noch?

Kommentar von EnnoBecker ,

Mangels Erfahrung (es war die erste EÜR).

Also war hier mal wieder kein Steuerberater teurer als ein Steuerberate.

Rechnen wir kurz: 7.000 Euro Verlustdifferenz mal angenommenen Steuersatz von 30% macht 2.100 Euro Realverlust.

Denkst du, der Steuerberater hätte dir für eine EÜR mehr als 2.100 Euro abgenommen?

Der Bescheid sieht ein Einspruchsfrist von 1 Monat vor.

Ja, das ist jetzt (fast) neu, kannte ich aber schon.

Was für Informationen brauchst du noch?

Zum Beispiel, von welchem Bescheid du gerade schreibst. Angriffsziel wäre selbstverständlich der 2010er Bescheid.

Kommentar von tom9845 ,

Sicher war, aber diese Erkenntnis hilft mir jetzt wenig weiter.

Ich schreibe zu dem Bescheid für 2010 über die Einkommenssteuer und Solidariätszuschlag. Feststellung des verbleibenden Zuwenundungsvortrages nach § 10b Abs. 1 EstG.

Was mußt du noch Wissen?

Kommentar von EnnoBecker ,

Von wann der Bescheid war.

Kommentar von tom9845 ,

vom 3.5.2011

Kommentar von blackleather ,

Und ob da z.B. irgendwas von § 164 AO auf der ersten Seite in der Mitte steht.

Kommentar von tom9845 ,

Es steht: Bescheid ist nach § 165 Abs. 1 Satz 2 A0 teilweise vorläufig: In der Begründung steht dazu: zu o.g. Satz: ....vorläufig hinsichtlich der Nichtabziehbarkeit von Beiträgen zur Rentenversicherung der Nichtabziehbarkeit von Steuerberatungskosten der Höhe der kindbezogenen Freibeträge der Höhe des Grundfreibetrages

Kommentar von EnnoBecker ,

So, dann haben wir den ersten Teil doch schon mal mühevoll zusammengekratzt. Der Bescheid ist nicht durch Einspruch angreifbar und auch nicht nach 164 änderbar.

Dann kommt es jetzt also darauf an, wer den Fehler gemacht hat und wie dieser Fehler genau aussieht.

Kommentar von tom9845 ,

Der Fehler lag auf meiner Seite. Ich habe einen Gründungszuschuss erhalten und diesen als Einnahme dargestellt. Allerdings nicht als Ausgabe. Allerdings bin ich der Meinung, dass ich dies auch als Ausgabe darstellen hätte müssen. So dass dieser Posten im Prinzip ein durchlaufender Posten gewesen wäre. Da ich dies nicht so dargestellt habe, hatte ich auf der Einnahmenseite ein um 7000 EUR besseres Ergebnis als tatsächlich vorhanden war. Der Verlust war entsprechend gering.

Kommentar von EnnoBecker ,

Wofür hast du die 7.000 denn ausgegeben?

Und wenn du sie nicht als Augabe angegeben hast, wie konnte denn da dein Bankkonto passen?

Kommentar von tom9845 ,

Dieser Zuschuss ist in den ersten 6 Monaten zur Deckung der Lebenshaltungskosten ( Miete, Strom usw.) gedacht. Dieser Zuschuss ist auch auf mein Konto geflossen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass zu Beginn der Existensgründung, es nur ein Konto gab.

Das habe ich dann aber recht schnell geändert, mangels Übersicht.

Was heißen würde, ich hätte diesen weder auf der Einnahmenseite als auf der Ausgabenseite darstellen dürfen?

Lässt das jetzt noch irgendwie korrigieren?

Kommentar von blackleather ,

Weshalb soll der Gründungszuschuss eine Ausgabe sein?

Kommentar von EnnoBecker ,

Der GZ selbst nicht, aber das, was er davon gekauft hat. Deshalb meine Nachfrage.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ich habe jetzt doch erst mal nachgelesen, was der Gründungszuschuss eigentlich ist.

Der GZ ist steuerfrei, § 3 Nr. 2 EStG und unterliegt auch nicht dem Progressionsvorbehalt, da er keine Lohnersatzleistung ist, sondern ein Instrument der Grundsicherung.

Er wird deshalb nicht in der Einkommensteuererklärung angegeben.

Offensichtlich hast du hier 7.000 Euro der Einkommensteuer unterworfen, die überhaupt nicht zu versteuern waren.

Kommentar von blackleather ,

@Enno, mir ist schon klar, dass du weißt, dass der Gründungszuschuss nicht Betriebseinnahme und -ausgabe gleichzeitig sein kann. Und meine Frage war auch nicht an dich, sondern an ihn gerichtet, wieso er den GZ als Ausgabe versteht.

Dass der Fragesteller den Zuschuss als Betriebseinnahme erfasst hat, ist ja bis dahin nicht falsch. Dass er nicht darauf hingewiesen hat, dass der Zuschuss steuerfrei ist, oder dass er das nicht so in seiner Gewinnermittlung dargestellt hat, dass das FA das auf den ersten Blick erkennen konnte, ist zwar tragisch, aber m. E. kein grobes Verschulden. Über § 173 sollte auf jeden Fall wieder reinzukommen sein; da würde ich streiten bis aufs Messer.

Ansonsten stimme ich mit dir darin überein, dass der erste und schwerste Fehler des Fragestellers hier einmal mehr war, dass er keinen Steuerberater genommen, sondern selbst in seinen steuerlichen Angelegenheiten rumgemurkst hat.

Kommentar von EnnoBecker ,

Über § 173 sollte auf jeden Fall wieder reinzukommen sein

Dass ich auf den 173 hingearbeitet habe, hast du ja mitbekommen.

Aber deine Ansicht kann ich nicht tgeilen.

Wenn ich es absichtlich unterlasse, mir das fehlende Wissen "einzukaufen" - hier also einen steuerlichen Berater hinzuzuziehen, dann ist das in meinen Augen schon grobes Verschulden. Es kann nicht angehen, dass die Allgemeinheit über die Hinter tür des 173 den Fehler heilt und derjenige dadurch doppelt begünstigt wird. Das Steuerrecht war auch 2010 schon so kompliziert und jeder wusste dies bereits 2010.

Und wenn ich sowas Profanes wie "Haareschneiden" einem Friseur überlasse und an sowas lebenswichtigem wie die eigene materielle Situation selbst herumschnippele - dann ist das m.E. nicht durch 173 zu decken.

Keiner kommt auf die Idee, sich selbst den Bilnddarm rauszuschneiden, weil der Arzt Geld für seine Arbeit nimmt. Warum wohl?

Vielleicht lesen wir ja noch Meandor dazu.

Kommentar von tom9845 ,

Erstmal vielen Dank an Euch beide, da ihr die Geduld mitgebracht habt, das Thema bis hier hin zu führen.

Zum weiteren vorgehen: Sollte ich mir also jetzt einen Steuerberater nehmen und den Bescheid anfechten und expliziet das Thema erörtern? Wahrscheinlich das Beste oder habt ihr noch einen weiteren Rat?

Kommentar von freelance ,

wenn ich das so lese, dann führt kein Weg an einem Steuerberater vorbei! Der ist allemal günstiger als der nächste kommende Fehler.

Übel wird es, wenn es zu einer Steuerverkürzung kommen sollte - auch wenn du es aus Unwissenheit machen solltest. Aus der Nummer kommt man dann nur noch mit hohen Kosten raus - ggf. auch mit schwedischen Gardinen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Das kommt darauf an, wem du mehr "glaubst".

blackleather sagt, er würde es durchsetzen wollen, dass der Bescheid geändert wird. Ich sage, dass das nicht klappt.

Warten wir mal noch Meandor ab, der findet bestimmt noch hierher.

Kommentar von blackleather ,

@Enno, Alle Achtung, diese Radikalität im Standpunkt, was die Inanspruchnahme des steuerberatenden Berufs angeht, bin ich ja sonst nur von mir selbst gewohnt. ;-)

Und da wollte ich jetzt mal ein wenig milde zum Stpfl sein und schon übernimmst du meinen Part... :-))

Ich sehe hier aber auch die Rechtsprechung auf meiner Seite: BFH Urteil vom 19.12.2006 - VI R 59/02

"Beruht die Abgabe einer unvollständigen Steuererklärung allein auf einem subjektiv entschuldbaren Rechtsirrtum, begründet dies kein grobes Verschulden i.S. des § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO 1977. Grobes Verschulden liegt dagegen vor, wenn der Steuerpflichtige eine im Erklärungsformular ausdrücklich gestellte und für ihn verständliche Frage nur deshalb nicht oder nur unvollständig beantwortet, weil er infolge eines Rechtsirrtums der Ansicht ist, die unterlassenen Angaben hätten in seinem Einzelfall keine Auswirkung."

Dass im Formular EÜR irgendwo nach Eingliederungszuschüssen, -beihilfen o.ä. gefragt wird oder in der Bastelanleitung zur Steuererklärung auf die Steuerfreiheit solcher Zahlungen hingewiesen würde, ist mir jetzt aber nicht erinnerlich. Da wird nämlich nur nach umsatzsteuerfrei bzw. -pflichtig unterschieden, aber nicht nach ertragsteuerfrei bzw. -pflichtig.

Kommentar von EnnoBecker ,

Respekt!

Das hätte ich nicht erwartet.

Übernimm doch den Auftrag.

Kommentar von Meandor ,

Aber nur weil ich durch Eure Antworten stöbere. Fragen bei den schon in der Überschrift "Verlustvortrag" steht übergehe ich gerne.

Bei der neuen Tatsache sehe ich auch schwarz. Erstmal beim neu (wie wurde die Einnahmen denn in der Gewinnermittlung tituliert), allerspätestens beim eigenen Verschulden, denn mangelnde steuerliche Kenntnisse sind keine Entschuldigung. Bei Unsicherheit (vor allem wenn es um den Ansatz von 7.000 Euro Einnahmen geht) ist es nur billig wenn eine Fachkraft hinzugezogen wird.

Kommentar von Meandor ,

Ihr könnt doch nicht antworten während ich meine Antwort schreibe.

Das BFH Urteil passt meines Erachtens nicht.

Der Steuerpflichtige hat 7.000 Euro Einnahmen erklärt und war sich darüber im klaren, dass diese Einnahmen seinen steuerpflichtigen Gewinn erhöhen. Er ging zu keinem Moment davon aus, dass diese Einnahmen keine Auswirkung haben.

Letztlich geht es nun nur darum, dass der Steuerpflichtige eine steuerfreie Einnahme als steuerpflichtige Betriebseinnahme erfasst hat. Für das Finanzamt wäre das zwar neu, aber es wurde durch den Steuerpflichtigen verschuldet.

Kommentar von EnnoBecker ,

Meiner Ansicht nach passt es schon, nur beim subjektiv entschuldbaren Rechtsirrtum gehe ich nicht mit.

Kommentar von blackleather ,

@Enno, hier gibt es keinen Auftrag zu übernehmen, weil der Fragesteller ja keinen erteilt, sondern die Dinge lieber selbst in die Hand nimmt.

@Meandor: Das Verschulden und seine Grobheit sind hier offensichtlich der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Angelegenheit. Und da kommt es nicht mehr auf materielles Recht, sondern auf Argumentation und Eloquenz an. Das ist so die Art von Aufträgen, bei denen ich mich gern zum Don Quijote mache...

Kommentar von Meandor ,

Ich weiß, als ich gelesen hab, dass Du antwortest hab ich mich zuerst gefragt, ob das irgendwie über die Amtshaftung gehen könnte, aber ich werd doch nicht von selbst den Stall beschmutzen, wenn es nicht sein muss.

Ich hab sogar die Pamphlete der Arbeitsagentur zum Gründungszuschuss gesichtet, aber selbst dort wird nirgends auf eine Steuerfreiheit hingewiesen. Der Verwaltungsmensch in mir sieht ein Verschulden des Pflichtigen, der vernunftbegabte Mensch sieht lediglich eine entschuldbare Nachlässigkeit.

Kommentar von blackleather ,

Ich hätte hier noch ein obiter dictum aus einem ziemlich jungen BFH-Beschluss anzubieten (BFH Beschluss vom 29.10.2002 - III B 17/02):

"Die Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) halten für grundsätzlich klärungsbedürftig die Frage, ob es einem Steuerpflichtigen als grobes Verschulden angelastet werden könne, wenn er trotz seiner Angaben im Fragebogen für Gewerbeanmeldung eine steuerliche Beratung nicht in Anspruch nimmt. Ob die Kläger damit überhaupt eine Rechtsfrage herausgestellt haben, kann dahingestellt bleiben. Sie ist jedenfalls nicht klärungsbedürftig, denn es ist offenkundig, dass ein Steuerpflichtiger, der in seiner Gewerbeanmeldung einen steuerlichen Berater benennt, später seine Gewinnermittlungen aber selbst fertigt, nicht allein deshalb grob fahrlässig handelt. "

Kommentar von blackleather ,

Oder wie wäre es hiermit (FG Düsseldorf Urteil vom 21.03.1996 - 8 K 1953/95 E):

"Die Kläger waren auch nicht verpflichtet, für die Erstellung der Steuererklärungen von rechtskundigen Dritten Rat und Hilfe einzuholen. Es gibt keine Vorschrift, die dem Steuerpflichtigen aufgibt, sich steuerlich beraten zu lassen (Tipke/Kruse, Abgabenordnung und Finanzgerichtsordnung, 15. Aufl., § 173 AO Rdnr. 31 d). Der ihnen lediglich obliegenden Verpflichtung, das Steuererklärungsformular vollständig und gewissenhaft auszufüllen, haben die Kläger, wie der Mantelbogen und die übrigen Anlagen zeigen, genügt. Daß sie dabei den ihnen unterlaufenen Rechtsirrtum nicht erkannt haben, begründet, wie dargelegt, kein grobes Verschulden der Kläger."

Kommentar von EnnoBecker ,

@BL

Das ist ja alles schön und ich kann offen gesagt dazu nur nicken.

Aber was bringt uns das hier in praxi? Es wäre schön, sowas mal vors FG zu bringen, vielleicht folgt ja aus dem Instanzenzug mal eine bürgerfreundliche Anwendung der Normen. Aber vor gericht und auf hoher See....

Die Empfehlung an den Fragesteller kann nur lauten:

Lieber Tom, es gibt also einige Rechtsprechungen, die Anlass zur Hoffnung geben. Man kann die Urteile und das obiter dictum[1] aus dem Ärmel zaubern und hoffen, dass das Finanzamt beeindruckt ist. Denn wenn es das nicht ist, kommst du an einer eigenen Klage nicht vorbei.

Das kann ins Auge gehen, aber du kannst auch Ruhm und Erfolg ernten.

Nur das Risiko, das bleibt bei dir.


[1] obiter dictum: das ist eine Aussage in der Urteilsbegründung, die mit dem eigentlichen Fall zu wenig zu tun hat, um als Präzedenz für den verhandelten Fall herangezogen zu werden. Also so eine Art "Nebenbeigesagt". Allerdings kann man oft aus sowas auch Honig saugen.

Antwort
von blackleather, 32

@tom9845

Die Zusammenfassung von EnnoBecker bringt es auf den Punkt. Dass ich hier noch mal gesondert Senf dazu ablasse, soll dir nur die technische Möglichkeit eröffnen, ihm morgen die "Hilfreichste Antwort" zu verpassen.

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