Frage von Autobahn, 377

Verlustverrechnung, Verluste Allgemein und Sparer-Pauschbetrag

Ich habe folgende Frage:

Ich habe durch Anleihentilgung einen Verlust realisiert, der korrekt im Verrechnungstopf Allgemein aufgeführt wird von meiner Bank. Zudem habe ich dort einen schon teilweise genutzten Sparer-Pauschbetrag. Meine Bank hat nun eine unterjährige Steuerverprobung/Verlustverrechnung durchgeführt. Hierbei hat sie den Verlust aus dem Verrechnungstopf Allgemein auf 0 gesetzt und ihn stattdessen als Sparer-Pauschbetrag angesetzt. Sie verweisen hierbei auf EStG § 20, der eigentlich die Abgeltungssteuer und die Verrechnung der Gewinne regelt. Dort finde ich aber keinen Passus, der beschreibt, dass aus einem Verlust ein Sparer-Pauschbetrag gemacht werden kann.

Prinzipiell scheint es egal zu sein, denn Gewinne (keine Aktiengewinne) werden zunächst mit den Verlusten des Verrechnungstopfes Allgemein und erst danach mit dem Sparer-Pauschbetrag verrechnet. Aber es ist doch so, dass Verluste ins nächste Jahr fortgeschrieben werden können, Pauschbeträge nicht. Würde ich nun keinerlei Gewinn mehr machen wäre ich schlechter gestellt, denn mein Verlust wurde "genullt", ich kann diesen nicht fortschreiben und ich habe einen Pauschbetrag, der am Ende des Jahres verfällt.

Diese Praxis meiner Bank ist mir komplett neu und habe ich bislang noch nicht gesehen. Ist dies rechtens?

Antwort
von wfwbinder, 278

Irgendwie verstehe ich Deinen Sachverhalt nicht.

Man kann keinen Verlust als Sparerfreibetrag ansetzen, so wie Du es schreibst.

Oder meinst Du, dass man zuerst die Verluste aus einem Teil der abgerechneten Anlagen zuerst mit den Gewinnen saldiert. Das wäre richtig.

Also zu Klarstellung.

Du hast positive Einkünfte in Form von Zinsen oder Aktiengewinnen von 700,- Euro.

Verluste von 500,-.

Dann wird nicht von 700,- der Sparerfreibetrag abgezogen und Deine Verluste vorgetragen.

Erst werden die Einkünfte nach § 20 ermittelt und dabei die positiven mit den negativen Einkünften verrechnet. Verbleibt danach ein Verlust, wird der zurück, oder vorgetragen.

Verbleiben positive Einkünfte, dann wird der Sparerfreibetrag abgezogen.

Kommentar von EnnoBecker ,

...und § 20 regelt nicht die Abgeltungsteuer. Die gibt es nämlich gar nicht.

Aber der Steuersatz von 25%, der wird in § 32d geregelt.

Antwort
von gandalf94305, 271

Es ist festgelegt, in welcher Reihenfolge die einzelnen Verrechnungen erfolgen.

  • Gewinne werden erst gegen den Sparer-Pauschbetrag (Freistellungsauftrag) gerechnet.

  • Was übrig bleibt, wird gegen den zutreffenden Verlusttopf gerechnet.

  • Was übrig bleibt, wird gegen die (vierfache) anrechenbare Quellensteuer gerechnet.

  • Was übrig bleibt, ist zu versteuern.

Nun kann durch die Reihenfolge von Transaktionen einiges an Chaos entstehen, wenn nämlich Gewinne und Verluste nicht einfach so zu verrechnen sind. Dafür gibt es die Steuerverprobung, die quasi alles auf den Stand vom 01.01. des Jahres zurücksetzt und die gesamten Gewinne und Verluste nochmals berücksichtigt. Die Erfordernis der Banken, eine solche Steuerverprobung mindestens einmal zum Jahresende durchzuführen, ist im EStG geregelt.

Ein Beispiel:

  • Freistellungsauftrag über 800 EUR zum 01.01. erteilt (der Einfachheit halber habe ich den einen EUR unterschlagen).

  • Gewinne von 500 EUR aus einem Wertpapiergeschäft werden gegen den Freistellungsauftrag gerechnet. Es verbleiben 300 EUR.

  • Nun hast Du ein Wertpapiergeschäft (Anleihe) mit 400 EUR Verlust. Dieser wird in den Verlusttopf allgemein eingestellt.

  • Die Steuerverprobung rechnet nun alles zusammen, d.h. die Verluste werden von den Gewinnen abgezogen und danach steht der Verlusttopf auf Null, während der Freistellungsauftrag noch 700 EUR ausweist.

Das ist in der Tat rechtens, denn Du kannst nicht Verluste akkumulieren und mit den Gewinnen den Freistellungsauftrag in Anspruch nehmen. Gewinne und Verluste, die auf der Ebene einer einzigen Bank anfallen, müssen dort verrechnet werden.

Einziger Ausweg wäre dann, eine Bank für Anlagen zu haben, die immer positive Erträge bis zum Freistellungsauftrag abwerfen (vielleicht auch mehr), so daß nur dort die 801/1.602 EUR genutzt werden, sowie eine zweite Bank, die potentiell mit Verlusten behaftete Anlagen hält, d.h. wo vortragfähige Verluste anfallen. Hast Du dann in einem Jahr zu viel Steuern gezahlt, da der Freistellungsauftrag deutlich überschritten wurden, kannst Du bei der anderen Bank eine Verlustbescheinigung beantragen, d.h. im Zuge der Veranlagung den Ausgleich wieder bewirken.

Diese spezielle Form der Trennung ist jedoch sehr kompliziert. Ich habe daher eine andere Strategie: durch Ausschüttungen liege ich mit den positiven Erträgen immer über dem Freistellungsauftrag. Der wird also ausgenutzt. Die Verlustrealisierungen dienen zur Reduktion des zu besteuernen Betrags, den man ungefähr einschätzen kann (ausländische thesaurierende Fonds muß man eben schätzen). So komme ich Jahr für Jahr mit einer relativ kleinen Steuerlast durch die Kapitalerträge durch, muß jedoch alle paar Jahre mal ggf. eine größere Position versteuern, wenn es einfach keine Verluste mehr gegenzurechnen gibt :-) Unter dem Strich arbeitet jedoch mein Kapital aufgrund der späteren Steuerabzüge länger für mich, als das bei einem sofortigen Steuerabzug der Fall wäre.

Daher: mach' Dir keine Gedanken um die Verlustoptimierung, sondern sorge dafür, daß immer genügend Gewinne für die Ausschöpfung von Freistellungsauftrag und anrechenbarer Quellensteuer bestehen, damit da nichts verschenkt wird. Die Verlustoptimierung wäre nur dann sinnvoll, wenn Wertpapiergeschäfte noch der einjährigen Spekulationsfrist unterliegen würden.

Kommentar von Autobahn ,

Hallo gandalf94305,

genau diesen Sachverhalt meinte ich. Danke für die ausführliche Antwort. Finde es zwar seltsam, dass unterjährig eine Verlustverrechnung stattfindet und die Töpfe neu sortiert, aber anscheinend ist das gängige Praxis. Habe ich in den letzten Jahren - trotz ähnlich gelagerter Gewinne und Verluste - bei dieser Bank noch nicht erlebt.

Kommentar von gandalf94305 ,

Relevant ist hier übrigens §43a Abs. 3 EStG.

Es mag sein, daß dies nun bei Deiner Bank unterjährig neu eingeführt wurde. Manche Banken hatten das nur zum Jahresende durchgeführt. Das EStG fordert keinen speziellen Zeitraum - im schlimmsten Fall erfolgt der Verlustausgleich also zum Ende der Veranlagungszeitraums.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community