Frage von Frei123,

Verlust der Hälfte des Stammkapitals und Einberufung der Versammlung

nach §49 (3) GmbH ist die Versammlung der Gesellschafter unverzüglich einzuberufen, wenn das Stammkapital zu 50% aufgebraucht ist.

Ich habe mit einem Start-up zu tun. Dort wird (noch) viel Geld verbrannt. Entsprechend schnell wird das Kapital aufgezehrt.

In der Firma sind 50.000 Stammkapital, 250.000 Euro Kapitalrücklage. In Summe ist das bilanz. Kapital also bei 300.000 Euro.

Wann ist dann die Hälfte des Stammkapitals nach GmbHG verbraucht? Wenn 150.000 Euro verbraucht sind? Oder erst, wenn die 250.000 + 25.000 (275.000) verbraucht sind?

Wann muss der GF die Gesellschafterversammlung einberufen?

Antwort
von blackleather,

Die Kapitalrücklage ist nicht Bestandteil des Stammkapitals. Das siehst du, wenn du mal in § 266 Abs. 3 Pos. A HGB schaust. Dort wird unter I. das Gezeichnete Kapital und unter II. die Kapitalrücklage ausgewiesen. Beides ist also voneinander zu unterscheiden, denn

"Gezeichnetes Kapital ist das Kapital, auf das die Haftung der Gesellschafter für die Verbindlichkeiten der Kapitalgesellschaft gegenüber den Gläubigern beschränkt ist." (§ 272 Abs. 1 Satz 1 HGB).

Die Haftung bei einer GmbH ist auf das Stammkapital beschränkt; das ergibt sich aus §§ 13 Abs. 2 und 14 Abs. 1 GmbHG, wonach die Gesellschafter nur zur Leistung der Stammeinlage verpflichtet sind, jedoch nicht zu einer Einzahlung in eine Kapitalrücklage.

Daraus folgt, dass bei einer GmbH mit nur 50.000 EUR Stammkapital die Einberufungspflicht gem. § 49 Abs. 3 GmbHG bereits ausgelöst wird, wenn das Stammkapital auf unter 25.000 EUR gesunken ist - egal, wie hoch die vorhandene Kapitalrücklage ist.

Es ist ohnehin nicht nachzuvollziehen, warum eine Gesellschaft, bei der bekannt ist, dass am Anfang viel Geld verbrannt wird, nur mit 50.000 EUR Stammkapital gegründet wird statt mit einem höheren Betrag. Das erste, was die einzuberufende Gesellschafterversammlung deshalb tun sollte, wäre eine Umwandlung der vorhandenen Kapitalrücklage in Stammkapital zu beschließen!

Kommentar von blackleather ,

Faktisch wird es natürlich nicht dazu kommen, dass das Stammkapital überhaupt angegriffen wird, solange noch eine Kapitalrücklage vorhanden ist, denn die Position "Verlustvortrag" saldiert sich ja mit der Kapitalrücklage, und erst wenn der Verlustvortrag höher ist als die Kapitalrücklage, greift er das Stammkapital an.

Kommentar von EnnoBecker ,

Da hast du aber tief Luft geholt, um "25.000" zu sagen.

Ich hab auch so eine GmbH, die mit 25.000 Stammkapital, 1 Mio Kapitalrücklage und 800.000 Bilanzverlust daherkommt. In manchen Branchen ist das nun mal so.

8c-Problem inclusive.

Kommentar von Frei123 ,

verstanden, danke!

Bei der Firma ist die Rücklage definitiv sehr angekanbbert. Und die haben ein sehr volatiles Geschäft. Mal ist da ein Monat mit 15.000 Gewinn, mal einer mit höherem Verlust.

Das Stammkapital kann, wenn denn die Rücklage keinen Puffer mehr bietet, in 2 Monaten weg sein, wenn das Geschäft mal schlecht läuft.

Kommentar von blackleather ,

Klar, vor allem, wenn es so niedrig ist. Deswegen stattet man so eine Firma ja auch von vornherein mit einem höheren Stammkapital aus. Mindestens das Fünffache wäre wohl ratsam.

Kommentar von Frei123 ,

auch wenn das 5-fache Sinn machen würde, werden die Gesellschafter in dem Falle dieses Kapital nicht schaffen.

Kommentar von blackleather ,

Dann staune ich darüber, dass sie ein Business anfangen, zu dem ihnen das Geld fehlt.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ich staune nicht darüber.

Wagniskapital ist in einigen Branchen nun mal üblich.

Kommentar von blackleather ,

Und in einigen auch nur das Wagnis.

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