Frage von Casio58413, 140

Unterliegt die Gewinnausschüttung einer GmbH der Kapitalertragsteuer?

Mich würde mal interessieren, ob es stimmt, dass die Gewinnausschüttung/Dividende einer GmbH der Kapitalertragsteuer (26%) unterliegt?

Beispiel: Ich gründe eine GmbH als Geschäftsführer und bin alleiniger Gesellschafter. Der Gewinn der GmbH beträgt für das Jahr 2017 100.000,-€. Anstatt mir monatlich Lohn auszuzahlen, zahl ich mir am Ende des Jahres den Gewinn als Gewinnausschüttung aus. Nach der Körperschaftssteuer würden ja 85.000€ übrig bleiben, die mit 26% zu versteuern wären. Stimmt das so?

Wenn das echt so stimmt, könnte man ja viel Geld sparen, indem man eine Offshore Firma gründet mit 0% Körperschaftssteuer oder sonstiger Steuer (z. B. eine Limited in Hong Kong) und am Ende des Jahres die Gewinnausschüttung macht? Dann wäre die Steuer ja immer 26% unabhängig vom Einkommen.

Spielt das DBA hier eine Rolle?

Freue mich auf Antworten :-)

Antwort vom Steuerberater online erhalten
Anzeige

Schnelle und günstige Hilfe für Ihre Steuerfrage. Kompetent, von geprüften Steuerberatern.

Experten fragen

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von EnnoWarMal, 100

Die KapSt ist doch nur eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer. Die Frage in der Überschrift passt gar nicht zu der Sachverhaltsbeschreibung.

Bei einer in Deutschland ansässigen GmbH fallen nicht nur 15% Körperschaftsteuer an (ohne Bindungs-s bitte), sondern auch rund 15% Gewerbesteuer. Macht zusammen etwas über 30% Steuerbelastung (mit SolZ).

Aber das hat noch nichts mit der Einkommensteuer des Gesellschafter-Geschäftsführers zu tun. Der zahlt nämlich auch nach Tarif, egal ob es Arbeitslohn oder Gewinnausschüttung ist. Da ist nix mit abgeltender KapSt.

Und ohne in ein DBA zu gucken: In Hong Kong oder wo auch immer gibt es auch Steuern. Deine "0%" kannst du also getrost auf der Märchenwiese begraben.

Kommentar von Casio58413 ,

Ich weiß nur, dass es Länder gibt, wo man Offshore-Firmen registrieren kann. Gibt auch einige Länder, wo die Steuer tatsächtlich 0% ist. Dazu zählt auch eine Limited in Hong Kong,wenn die Umsätze nicht aus Hong Kong erwirtschaftet wurden und der Offshore-Status beantragt wurde.

So kenne ich einige digitale Nomaden, die ihren Wohnsitz in Deutschland abgemeldet haben, weniger als 6 Monate sich in Deutschland aufhalten, alle 2 Monate das Land wechseln und mit einer Offshore-Firma legal keine Steuern zahlen. Ist vermutlich aber komplizierter, als ich es hier schreibe.

Kommentar von NasiGoreng ,

... und illegal!

Kommentar von EnnoWarMal ,

Ich betreue auch so einen Hans, der eine Firma auf BVI hat, also Britische Jungferninsel. In Tortola. Der war ganz sicher noch nie in Tortola gewesen.

Ist mir aber auch egal. Die Einkünfte, die er in Deutschland hat, besteuert er schön in Deutschland.

Kommentar von Casio58413 ,

Solang er die Einkünfte normal in DE besteuert, gibt es da kein Problem oder? Offshore-Firmen sind soweit ich weiß nicht unbedingt illegal.

Kommentar von EnnoWarMal ,

Das Problem bei solchen Gestaltungen ist meistens der Vollzug. Wie will man denn in BVI die Steuerzahlungen durchsetzen?

In meinem Fall handelt es sich um eine GbR, an der gleich drei ausländische Kapitalgesellschaften beteiligt sind. Es werden Grundstücke vermietet. Das bedeutet, dass das Finanzamt seine Forderungen durchsetzen kann, in dem es eines oder mehrere Grundstücke verwertet.

Antwort
von Valeskix, 22

Hallo,

bei einer deutschen Ein-Mann-GmbH ist die Gesamtauswirkung meist recht gleich (je nachdem wie viel Gewerbesteuer die GmbH zahlt).

Gewinnausschüttung:
Eine Gewinnausschüttung beeinflusst den steuerlichen Gewinn der GmbH nicht
, d.h. bei einem Jahresergebnis von 100.000 € würde die GmbH rund 30% Steuern zahlen (Körperschaftsteuer 15%, Soli 5,5% und Gewerbesteuer hier geschätzt bei ca. 400-450% Hebesatz). D.h. 30.000 €.

Der Gesellschafter bekommt dann 73.625 € ausgezahlt (Beispiel ohne KiSt)

Die GmbH muss Kapitalertragsteuer, Soli und ggf. KiSt (Registrierung und Anlass- bzw. Regelabfrage beim BZSt) einbehalten und an den Fiskus abführen.

Der Gesellschafter kann je nach Beteiligung und Tätigkeit wählen, ob er die Einkünfte pauschal besteuert lässt und seinen weiteren Einkünften nicht hinzurechnet, also dann selbst KapESt + SolZ + ggf. KiSt mit abgeltender Wirkung belässt (Stichwort Abgeltungssteuer), oder diese Einkünfte anteilig seinem persönlichen Steuersatz unterwirft (Antrag auf Teileinkünfteverfahren).

Beim Teileinkünfteverfahren würden dann nur 60% der Bruttoausschüttung herangezogen werden, also 60.000 €. Je nach Grenzsteuersatz kann dies auch günstiger sein, oftmals ist aber die Abgeltungssteuer bei höheren Gewinnausschüttungen günstiger. Vorteil des Teileinkünfteverfahrens ist aber, dass zu 60% Werbungskosten geltend gemacht werden können (z.B. weil die Beteiligung fremdfinanziert ist, bei der Abgeltungssteuer gibt's nur pauschal 801€).

Geschäftsführergehalt:
Ein solches Gehalt mindert den Gewinn der GmbH, welche dadurch Betriebssteuern spart. Angenommen das Geschäftsführergehalt beträgt 80.000 € hätte die GmbH nur noch einen Gewinn von 20.000 € zu versteuern; bei 30% pauschalem Ansatz also 6.000 €.

Das Geschäftsführergehalt unterliegt im Beispielsfall dann als Lohneinkünfte dem persönlichen Steuersatz (in diesen Regionen als dem Spitzen-Grenzsteuersatz), sagen wir mal mit Soli bei ca. 45% = 36.000 €. 

Die erste Variante kommt bei Abgeltungssteuer auf Gesamtsteuern von 56.375 €; beim Teileinkünfteverfahren auf 57.000 €
Die zweite Variante auf 56.000 €. In der zweiten Variante den Restgewinn von 20.000 € auszuschütten beeinflusst das Ergebnis ggf. noch etwas, wobei man die Gewinne einer GmbH nicht restlos ausschütten sollte.

Wie du siehst ist der Fall bei einer deutschen GmbH nicht sehr unterschiedlich. Dort interessieren dann andere Dinge wie Haftung, Altersvorsorge, Verwaltungsaufwand, Bankfinanzierungen (besser bei hohen Rücklagen/Gewinnen)
Eine dritte Variante währe eine Mischvariante aus Gewinnausschüttung, Gehalt und ggf. einer Gewinntantieme, aber das führt zu weit.

Ausländische GmbHs
Die Einkünfte aus ausländischen GmbH, ob jetzt als Gehalt oder Ausschüttung, werden insbesondere bei Ausschüttungen je nach DBA sehr unterschiedlich behandelt; hier kann es teilweise zu einer echten Doppelbesteuerung kommen.

Antwort
von wfwbinder, 89

1. Die Idee ist schon mal von Grund auf schlecht, kein Gehalt zu zahlen, weil dann nämlich der gesamte Gewinn erstmal der Gewerbesteuer unterliegt, während eine Einzelfirma 24.500,- Freibetrag hätte.

von den 100.000,- würden je nach Gemeinde schon mal so ca. 11.000,- bis 14.000,- Euro weg sein.

2. Ein Geschäftsführer ohne Gehalt wird vom Finanzamt ohnehin gekippt werden, weil Verträge zwischen der Gesellschaft und dem Gesellschafter/Geschäftsführer sein müssen, wie unter fremden Dritten. Welcher fremde Geschäftsführer würde denn 1 Jahr + 3 Monate arbeiten, bis er zum ersten Mal Geld bekommt?

3. Bei der Ausschüttung sind dann die 25 % + darauf 5,5 % Soli einzubehalten.

Im Privatbereich kann man sich dann die günstigste Version aussuchen.

Auf jeden Fall wenn wir mal Gew.St. + KSt mit 28 % annehmen, bleiben von den 100.000,- nur 72.000,- vor Kapitalertragsteuer nur ca. 53.000,- übrig.

Kommentar von Casio58413 ,

Oops. Dann ist es wohl doch nicht so einfach, wie ich denke.

Kommentar von wfwbinder ,

Na Rate mal, wofür ein Steuerberater eine so lange Ausbildung braucht. ;-) :-)

Aber es gibt Lösungen, wende dich vertrauensvoll an Deinen Steuerberater. Es gibt die (wirklich legale) Möglichkeit Deine Ertragssteuerbelastung für das Geld, was Du nicht verbrauchen musst um leben zu können, auf 5 % zu begrenzen. Das Einkommen, was zum Leben gebraucht wird, muss natürlich nach den üblichen Grundsätzen versteuert werden, wenn man in DEutschland lebt.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten