Frage von Whity,

Unfalltot Versicherung will nicht zahlen

Unfallhergang: Mein Vater wurde von einer Erdwespe gestochen und reagierte Allergisch. Daraufhin bekam er einen Herzinfakt und verstarb darauf hin im KH.

Unfallversicherung lenkt ab mit der Begründung: Die Vorraussetzungen sollen zwar erfüllt sein für einen Unfall, aber da es eine allergische Reaktion war auf den Wespenstich ist( also eine innere/körpereigene Reaktion) besteht laut Versicherung kein Versicherungsschutz.

Was kann ich dagegen machen, weil wenn ich das richtig Verstehe, wenn mein Vater nicht diese allergische Reaktion gehabt hätte, würde die Versicherung jetzt zahlen.

Danke im vorraus

Antwort
von gammoncrack,

Privatier59 hat ja schon geschrieben, dass es hierzu ein Urteil gibt.

Der Wespenstich mit Allergieschock und Tod ist sicherlich versichert, er gilt als plötzlich von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis. In dem Urteil - die Webseite des Links funktioniert gerade nicht - ging es meines Wissens nach um eine Nussallergie, die tödlich endete. Da wurde das "von außen" vom Versicherer bezweifelt, er wurde jedoch eines Besseren belehrt.

Die Versicherung wird hier vermutlich argumentieren, dass kein Zusammenhang zwischen Wespenstich und Herzinfarkt besteht. Das zu klären geht sicherlich nür über eine Klage, bei der dann Gutachten, Gegengutachten, usw. den Zusammenhang herstellen oder verneinen sollen. Vermutlich eine langwierige Sache - leider.

Kommentar von Whity ,

Danke erstmal, ja es ging um eine Nussallergie. Werde mir Montag die Krankenakte aus dem KH holen und damit dann zum Anwalt.

Kommentar von gammoncrack ,

Bitte mal posten, ob die die so einfach herausgeben. Das würde ich erst einmal bezweifeln wollen.

Ich habe da mal ein wenig gegoogled. Da gibt es z. B. die ärztliche Schweigepflicht auch über den Tod hinaus. Da muss also zumindest eine Schweigepflichtsentbindung vorliegen.

Ein Anwalt kann allerdings bei einer Klage eine Kopie anfordern, wobei er schon im Anschreiben auf die Kostenübernahme für die Kopien hinweisen muss. Witzig, aber darüber gibt es tatsächlich ein Urteil, da ansonsten garnicht geantwortet werden muss.

Antwort
von Sobeyda,

Mir scheint, die Versicherung lässt es hier drauf ankommen, weil die Kausalität Wespenstich -> Herzinfarkt möglicherweise nicht durch den Unfallbegriff gedeckt ist. Da bleibt Dir vermutlich wirklich nur der Klageweg - mit ungewissem Ausgang.

Es gibt auch die Möglichkeit, sich bei der Aufsichtsbehörde (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungaufsicht, BaFin) und/oder dem Versicherungsombudsmann zu beschweren. Ich bin mir nicht sicher, ob das in diesem Fall zu empfehlen ist, weil es um eher Grundsätzliches geht.

Falls Du diese Möglichkeit jedoch in Betracht ziehst, solltest Du wissen, dass Du die Entscheidung der jeweiligen Stelle abwarten musst und erst danach klagen darfst. Fälle, die bereits bei Gericht liegen, werden zumindest vom Ombudsmann nicht mehr behandelt.

Kommentar von Privatier59 ,

"Kausalität": Da hast Du völlig recht und deswegen wird das ein harter, steiniger, teurer und sehr langer Weg, bis der Fragesteller das Geld bekommt. Falls überhaupt!

Kommentar von gammoncrack ,

Natürlich kann sich der Fragesteller an das BaFin oder den Ombudsmann wenden. Ich bezweifel allerdings, dass sich das BaFin hier einsetzen wird, da es den Sachverhalt nicht prüfen kann und wird. Einen Verstoß gegen die in den Versicherungsbedingungen niedergelegten Leistungsbeschreibungen wird es wohl nicht erkennen. Vermutlich wird es auf den Klageweg verweisen.

Der Ombudsmann könnte zwar entscheiden, dass eine Entschädigung von maximal 10.000.- Euro zu leisten ist. Das wäre verbindlich für den Versicherer, der Fragesteller kann aber ablehnen. Ich vermute, dass die Versicherungssumme doch um einiges höher liegt. Voraussetzung ist hier zusätzlich, dass sich die betroffende Versicherung dem Verein "Ombudsmann" angeschlossen hat. Es gibt ein paar wenige, die das nicht gemacht haben.

Kommentar von gammoncrack ,

Ganz wichtiger Hinweis von Sobeyda: Erst Ombudsmann, dann Klage,

Kommentar von Privatier59 ,

Wenn ich da die traute Eintracht mal stören darf: Der Ombutsmann befaßt sich mit Anträgen des VERSICHERUNGSNEHNERS. Selbiger aber ruht, Gott hab ihn selig, auf dem Friedhof!!

Kommentar von gammoncrack ,

Danke für den Hinweis.

Ich frage mich nur, ob er nicht doch zuständig ist, wenn die Ansprüche auf die Erben übergegangen sind. Ich habe mir einmal die Verfahrensordnung angesehen. Da ist keine Hinweis vorhanden, dass die Eingabe ausschließlich durch den Versicherungsnehmer erfolgen kann. Es wird immer von dem Beschwerdeführer geredet.

Auf diesen Fall bezogen könnte es aber gut möglich sein, dass der Ombudsmann nicht mehr zuständig ist. Es gibt eine Höchstgrenze von 100.000.- Euro. Ist die Todesfallsumme größer, geht nichts mehr über den Ombudsmann.

Kommentar von Privatier59 ,

Schau mal in § 2 Abs.3 d) der Verfahrensordnung: Ansprüche eines Dritten sind ausgeschlossen und der Erbe ist doch Dritter.

Außerdem ist die Frage, ob ein OLG-Urteil als höchstrichterliche Rechtsprechung genügt. Auch das wird ja da zitiert.

Und die ev. notwendige Beweiserhebung dürfte ein zusätzliches KO-Kriterium sein.

http://www.versicherungsombudsmann.de/Navigationsbaum/Verfahrensordnung.html

Kommentar von gammoncrack ,

Ich gehe ja fast mit Dir konform. Ich wühle mich schon die ganze Zeit durch etliche Internetseiten. Aufgefallen ist mir hier folgendes:

Unter

http://www.versicherungsombudsmann.de/Ressourcen/PDF/Jahresbericht-2011.pdf

finden sich folgende 2 Sätze, die m. E. auch für die Zuständigkeit des Ombudsmanns sprechen könnten

<< unter 1.4.>>

Das Verfahren ist verbraucherorientiert ausgestaltet. Die Beschwerdeführer benötigen keine besonderen Kenntnisse zur Einleitung oder Durchführung des Verfahrens. Die Vertretung durch einen Vertrauten oder einen Rechtsanwalt ist zulässig, aber nicht notwendig.

<< Unter 2. Bericht zur Unfallversicherung>>

Daher muss das Ereignis im Detail nicht selten genau ermittelt und von Sachverständigen nachvollzogen werden. So ist für die Annahme eines Unfalls etwa entscheidend, ob ein Sturz, der zu Verletzungen oder zum Tode führte, durch eine Ohnmacht oder durch ein Ausrutschen verursacht wurde.

Aus beiden Formulierungen könnte man m. E. ableiten, dass der Ombudsmann doch zuständig ist, da einerseits auch ein Vertrauter, den Sohn des Verstorbenen würde ich wohl so bezeichnen wollen, sich an den Ombudsmann wenden kann, andererseits der Ombudsmann selbst auch auf Todesfallereignisse eingeht, bei denen sicherlich nicht der Versicherungsnehmer der Beschwerdeführer war.

Ein absolut interessantes Thema.

Antwort
von alphabet,

Hallo, ein Unfall ist definiert als ein äußerlich einwirkend. Der Insektenstich ist zwar äußerlich einwirkend, aber nicht tödlich. Der Tod trat durch die innere allergische Reaktion ein. Gruß + Beleid alphabet

Kommentar von Whity ,

Nein der Tod trat durch den Herzinfakt ein, der von der allergischen Reaktion ausgelöst wurde.

Antwort
von Privatier59,

Da gebe ich Dir mal den Link zu einem Urteil des OLG München wo allergische Reaktionen als Unfall anerkannt wurden:

http://www.justiz.bayern.de/gericht/olg/m/presse/archiv/2012/03409/index.php

Ob das allerdings Deine Versicherung beeindrucken wird, weiß ich nicht. Sicherlich nämlich ist das Urteil dort schon bekannt, man will sich dieser Rechtsprechung nicht beugen. Da bleibt wohl nur der Gang zum Anwalt.

Kommentar von Whity ,

Danke, werde ich sehe ob es die Versicherung beeindruckt...werde mich aber noch beim RA beraten lassen

Antwort
von mig112,

Du hast nicht geschrieben, welche AUB dem Unfallversicherungsvertrag zugrunde liegen.

Ich sage voraus, dass deine Chancen auf eine Unfall-Todesfall-Entschädigung mehr als schlecht stehen...!

Kommentar von gammoncrack ,

und was nützen die AUB, wenn man den Versicherer nicht kennt?

Außerdem sind die Chancen nur dann schlecht, wenn kein Zusammenhang zwischen Wespenstich und Herzinfarkt besteht. Ich kann das zumindest ohne medizinische Kenntnisse und erst Recht nicht ohne Krankenakte beurteilen.

Kann es sein, dass Du eine Reinkarnation von Nostradamus bist?

Kommentar von mig112 ,

Ganz einfach: In alten AUB waren noch nicht mal (Insekten-/Tier-)bisse und auch keine Allergien (Nüsse, Erdbeeren, Bienen u.ä.) mitversichert. Da musste sogar "Blutvergiftung" extra aufgeführt sein; sonst galt der jeweilige Folgeschaden als von Innen kommend und erfüllte damit nicht den Unfallbegriff an sich.

Von Bedingungswerk zu Bedingungswerk wurden die Voraussetzungen für eine Entschädigung immer kundenfreundlicher gestaltet. Wobei ICH nur für die letzten 25 Jahre sprechen kann :-)

Der Versicherer der Fragestellerin wird sich mit aller Gewalt auf Vorschäden, fehlende Zusammenhänge und Ausschlußtatbestände berufen - und zwar durch zwei Instanzen und mehr als drei Jahre. Das Prozesskostenrisiko ist immens; aber nicht für die Versicherungsgesellschaft...

Kommentar von gammoncrack ,

Wann haben denn Deine letzten 25 Jahre geendet?

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