Frage von docqu, 20

Unbeschränkte und beschränkte Steuerpflicht, Einkommensteuer

Möchte ich heute eine steuerliche Frage für eine eventuelle, steuerliche Abänderung stellen:

Als sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer (gewerblich) und ohne Deutschen Wohnsitz (seit 1997 bereits) sowie ohne gewöhnlichen Aufenthalt (unter 183 Tage beruflich in Deutschland), bin ich als beschränkt steuerpflichtig klassifiziert (seit 2009). Lohnsteuerklasse I, 2 Kinder, Beriebsstättenfinanzamtsregelung (wg. des Haupsitzes meines Arbeitgebers), allerdings an wechselnden Einsatzorten aktiv. Eine persönliche ID-Nummer wurde mir, obgleich anfänglich nicht relevant oder zugestanden, dennoch zugeteilt.

Einher mit der SV-pflichtigen Tätigkeit geht, dass ich als ein, einem Bundesverband zugehörenden, Mitglied, über mein berufliches Profil, zu den Listenberufen in Deutschland zähle und somit auch als selbständig/freiberuflich ohne Gewerbebetrieb gelte. In diesem, meinem Bereich aber habe ich nur ehrenhalber in Deutschland Beauftragungen, womit dieser freiberufliche Status bisher außer Acht gelassen wurde.

In der Vergangenheit habe ich keinerlei EK-Erklärung einreichen sollen, auch wenn ich eben diese, Jahr um Jahr, vorbereitet halte. Das aktuell zuständige Finanzamt sollte, gemäß meiner Kenntnis nach, eine Prüfung der Einnahmen leisten, um dann ggf. eine Erklärung von mir abzufordern - dies ist bisher nicht geschehen und auch auf Rückfrage noch nicht in Betracht gezogen worden.

Nun möchte ich, wie jedes Jahr, meine Lohnsteuerbescheinigung 2015 für den Arbeitgeber beantragen (§ 39d), aber denke kurzfristig über folgende Umstände, ggf. auch zur Vereinfachung, nach:

1) Im Rahmen der SV-pflichtigen Tätigkeit in Deutschland werde ich keinerlei Abänderlichkeit haben. 2) Im Rahmen des Listenberufs würde ich ggf. wieder einige Honorar bezogene Aufgaben ab 2015 übernehmen wollen. In diesen Fällen kann ich kombiniert mit meiner SV-pflichtigen Tätigkeit an gleichen Tagen aktiv werden und bin somit nur im Einsatz gebucht, wenn ich beruflich sowieso in Deutschland bin. Die heißt auch, es wird keine Betriebsstätte oder ein Sitz in Deutschland begründet.

Fragen:

A) Sollte ich ggf. den Antrag auf 'unbeschränkte Steuerpflicht', ohne Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland, beim zuständigen Finanzamt stellen? B) Welche Auswirkungen, neben dem Einreichen einer EK-Erklärung und dem Anrechnen von Werbungskosten und sonstigen anrechenbaren, abzugsfähigen Lasten, hätte dieser neue Umstand? Eine GuV-Anlage zu Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit, zähle ich nicht als Auswirkung. C) Käme somit das sog. Welteinkommen in Deutschland zur Erklärung infrage? D) Könnte es sein, dass das Einkommen voneinander getrennt werden würde, so dass die freiberuflichen Gewinne im europäischen Sitzland versteuert werden müssten, auch wenn die Erfüllung in Deutschland liegen würde? Diesen Umstand hätte ich im aktuellen Fall unter der Flagge der beschränkten Steuerpflicht.

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo docqu,

Schau mal bitte hier:
einkommensteuer Beteiligung

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für einkommensteuer, 9

Ein paar der Punkte im Sachverhalt muss man rätseln.

  1. Gewerblicher Arbeitnehmer, soll wohl heissen, dass Du im gewerblichen, nicht im kaufmännischen Bereich tätig bist.

  2. MitListenberuf meinst Du im freiberuflichen Bereich vermulich einen Katalogberuf gem. § 18 EStG.

  3. Aber dann wird es schon mal problematisch, Du benennst den anderen Staat nicht. Die Besteuerung von Einkünften aus einem freien Beruf ähnelt sich in den DBAs ist aber nicht gleich. Es kommt z. B. darauf an, ob man dafür eine Einrichtung (z. B. Schreibtisch) benötigt, oder den freien Beruf als Vortragstätigkeit ausübt.

  4. Was heisst ausserdem an den gleichen Tagen, wo Du sowieso in "D" tätig bist? Vormittags als Angestellter und Nachmittags FReiberufler? Am gleichen Platz?

  5. Dann der Hinweis auf "Welteinkommen." Gibt es auch noch andere einkünfte zu berücksichtigen?

Wäre es möglich, dass Du einen Sachverhalt nach diesem Muster:

http://www.finanzfrage.net/tipp/sachverhaltsdarstellung

fertigst und klar sagst, um welche Tätigkeiten es sich handelt, in welchen Ländern, ggf. Familienstand und falls vorhanden, ob auch die Ehefrau Berufstätig ist. Denn es könnte ja sein, dass auch das Auswirkungen auf die Gesamtsteuern hat.

Kommentar von docqu ,

Vielen Dank für die weitere Antwort.

Beantworte Ihre Nachfrage wie folgt:

1) Ja, das ist korrekt 2) Ja, das ist korrekt, 'Listenberuf' oder Katalogberuf bspw. auch Journalist, Heilpraktiker 3) Königreich der Niederlande, freier Beruf als 'Vortragstätigkeit', wie Sie es nennen 4) Die Arbeitszeit am Einsatzort beginnt für die SV-pflichtige Tätigkeit abends oder findet auch an Wochenenden statt; somit ist am Tage ausreichend Zeit für eine freie Tätigkeit und dann in Deutschland; eben an den Tagen, wenn ich beruflich in Deutschland vorstellig bin 5) Ja, es sind auch andere Einkünfte zu berücksichtigen

Anmerkung: Die Gesamtsteuern sind eher nicht interessant für mich. Vielmehr sind die veränderlichen Anforderungen an mich, mit welchen Aufgaben ich mich unter einer anderen, steuerlichen Variante dann ggf. ab 2015 beschäftigen müsste, von Interesse.

Steuersachverhalt:

Ledig, zwei Kinder (bei den Müttern), kein Wohnsitz in Deutschland wg. des Hauptwohnsitzes im Ausland und dem immer nur tageweisen Einsatz in Deutschland (Tatsachenentscheid aus 2009 des zuständigen Betriebsstättenfinanzamts). Ich bin als Angestellter im Sicherungsdienst (mit und ohne Waffe) tätig. Ca. 17.000,- brutto im Jahr über die elektronischen Meldungen an den SV-Träger und das Finanzamt. Seit Jahren bin ich als redaktioneller Journalist akkreditiert sowie als Grafik-Design-Druck-Sachverständiger geprüft und beurkundet und aktiv im Verband organisiert, aber nicht öffentlich bestellt. Hierzu werden keinerlei Verdienste erzielt, da ich mich zurückgezogen habe, auch wenn ich von Standeswegen, als aktives Mitglied, weiterhin als freiberuflich gelte.

In 2015 aber könnte ich wieder in verschiedene 'Aufgaben' in Deutschland einsteigen. Zusatzeinkommen in Deutschland ggf. 10.000 €/Jahr. Dies heißt aber auch, dass das Zusatzeinkommen aus dem Ausland (wie o.a.) sich gegen das Einkommen in Deutschland austauschen würden, also nicht mehr im Ausland erwirtschaftet werden würde.

Ggf. würde die unbeschränkte Steuerpflicht sich alleine schon wg. der Höhe eines zukünftig erzielbaren Einkommens und der Art des Einkommens ergeben.

Doch ich muss relativ zeitnah (November) meine neue Bescheinigung für das Jahr 2015 beantragen und den Sachverhalt vorplanen, so dass ich im nächsten Jahr, bei evtl. Mehreinnahmen, nicht eine neue Bescheinigung oder eine Korrektur greifen lassen muss.

Die sogenannte 10.200 € Prüfung des Finanzamts ist bisher nicht erfolgt. Somit habe ich bisher tatsächlich keinerlei EK-Erklärung einreichen sollen. Eine Ursache, wobei noch zu keiner Zeit bestätigt (seit 2009), könnte darin bestehen, dass ich keinerlei (feste) Werbungskosten oder Freibeträge über meine Jahresbescheinigung eintragen lasse und somit die Sachbearbeiter keinen Anlass sehen (Tatsachenentscheid), ob der Einkommenshöhe, diese 10.200 € Prüfung auch durchzuführen und dann eine EK-Erklärung abzufordern. Eine 'reguläre Steuernummer' des zuständigen Finanzamts wurde mir daher und dazu bisher auch noch nicht zugewiesen.

Auszug: "Die Einkommensteuer gilt auch als abgegolten, wenn Einkünfte dem Steuerabzug vom Arbeitslohn unterliegen. Diese Einkünfte sind in der Einkommensteuererklärung grundsätzlich nicht anzugeben. Wurden jedoch bei einem Arbeitnehmer Werbungskosten, Sonderausgaben i. S. d. § 10b EStG, der Freibetrag oder der Hinzurechnungsbetrag nach § 39a Abs. 1 Nr. 7 EStG auf einer Bescheinigung nach § 39d Abs. 1 Satz 3 EStG eingetragen, greift die Abgeltungswirkung nicht

Last but not least, ergibt sich die auf den Punkt gebrachte Frage:

Beibehaltung des aktuellen Status oder für die Vereinfachung meiner Belange, die Beantragung der 'unbeschränkten Steuerpflicht' in Deutschland?

Kommentar von wfwbinder ,

Nach Artikel 9 des DBA "D-NL" sind die freiberuflichen Tätigkeiten immer im Wohnsitzstaat zu versteuern, ausser man hat im anderen Staat Einrichtung, bzw. es handel sich nur um eine vortragende, oder ähnliche Tätigkeit. Da habe ich nach der Beschreibung:

gelegentlich um Mithilfe und Einschätzung/Meinung befragt.

etwas Bauchkneifen, weil ich denke, dass Jemand diese Meinung auch dokumentiert haben möchte, also auf Papier. Dann wäre in "D" ein Schreibtisch notwendig.

Damit würde dann die Grundlage für die Beantragung der unbeschränkten Steuerpflicht entfallen.

Ich würde an Deiner Stelle aber ohnehin vorziehen die Einkünfte aus der Selbständigkeit in den NL zu versteuern, denn die gehören (mit den von Dir genannten Zahlen) dort in die Box 1 und werden nur mit ca. 1-8 % besteuert udn das ist hier nicht billiger zu bekommen.

Kommentar von docqu ,

Vielen Dank für die Einschätzung, welche mit bereits schon weiter hilft.

Möchte wie folgt aber noch kurz nachfassen:

"etwas Bauchkneifen, weil ich denke, dass Jemand diese Meinung auch dokumentiert haben möchte, also auf Papier. Dann wäre in "D" ein Schreibtisch notwendig"

Genau diese Frage hat sich das Betriebsstättenfinanzamt auch gestellt.

Das Ergebnis aber war, dass an verschiedenen Stellen (am jeweiligen Erfüllungsort also; ggf. bei einem "Klienten") eine 'Betriebsstätte' oder min. eine "Geschäftsansässigkeit" begründet werden würde. Dies hätte aber zufolge, dass dort auch die Einnahme erklärt werden müsste, was gegenüber von den Tatsachen, da es sich immer um mehrere Standorte handelt, nicht möglich ist bzw. nicht vorgesehen ist.

Somit hat man angeboten bzw. festgestellt:

Im Falle von Mehreinnahmen, eben auch der o.a. Art, würde zunächst das Betriebsstättenfinanzamt eingesetzt tätig werden, eben diese Einnahmen mit einzurechnen und somit den Fall in Deutschland abgelten zu können. Lediglich eine GuV für die freie Tätigkeit wäre dazu notwendig, wobei die Frage nach unbeschränkter oder beschränkter Steuerpflicht nochmals gestellt werden müsste. Dies alles aber erst, wenn tatsächlich Einnahmen vorhanden sind oder aber ein Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht gestellt werden würde oder wurde.

Ich entnehme aber den bisherigen Antworten, dass ein Fall dieser Art eher über zwei Länder und über zwei Steuerlichkeiten behandelt werden sollte.

Eine Zusammenlegung von Einnahmenarten, auf welchen Gründen und Angeboten auch immer basierend, ist ggf. problematisch in Deutschland.

Vielen Dank.

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