Frage von Mattes1980,

Unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland bei gewöhnlichem Aufenthalt im Ausland?

Ich lebe seit kurzer Zeit in Australien und werde auch die nächsten Jahre hier verbringen. Ich habe derzeit noch einen Hauptwohnsitz in Deutschland bei meinen Eltern. Diesen würde ich aus organisatoren Gründen (Post, Versicherungen, Bankverbindungen, etc) gerne behalten. Konsularische Dienste im Ausland (z.B. neuer Reisepass) sind wohl auch so möglich.

Der einzige Grund der aus meiner Sicht für eine Abmeldung sprechen könnte ist die Steuerflicht, die ggf. an den Wohnsitz gekoppelt sein kann. Hierzu finde ich weder im Gesetzt noch in den einschlägigen Foren eine eindeutige Antwort. Ich hoffe, ihr könnt mir dort ggf. weiterhelfen.

Konkret zu meiner Situation. Ich lebe das gesamte Jahr (abgesehen von ein paar Wochen Urlaub der mich natürlich theroetisch auch nach Deutschland führen kann) in Australien. Da es hier keine Meldepflicht gibt, habe ich jedoch keinen Wohnsitz offiziell angemeldet (kann ich auch gar nicht). Ich habe auch hier in Australien meine Haupteinkünfte. Dazu werde ich ggf. noch geringe Einkünfte als freelancer für deutsche Firmen haben (arbeite jedoch aus Australien heraus).

Daher würde ich normalerweise davon ausgehen, dass ich alle Einkünfte (mein Welteinkommen) auch in Australien versteuere.

Allerdings ist man gemäß § 1 Einkommensteuergesetz unbeschränkt in Deutschland einkommensteuerpflichtig wenn mann "in der Bundesrepublik Deutschland einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt" hat.

Einen gewöhnlichen Aufenthalt habe ich ja sicher nicht. Falls ich den Wohnsitz bei meinen Eltern in Deutschland behalte, werde ich dann ggf. in Deutschland steuerpflichtig für mein australisches Einkommen oder den Teil des Einkommens den ich von deutschen Firmen beziehe?

Fände ich absurd, aber so steht es ja im Gesetzestext. Danke für eure Unterstützung.

Antwort
von EnnoBecker,

Also deine Überlegungen zum deutschen nationalen Recht sind da zutreffend: § 1 (1) Satz 1 EStG definiert die unbeschränkte Steuerpflicht für Leute, die einen Wohnsitz in Deutschland haben.

Was ein Wohnsitz ist, hängt nicht von den melderechtlichen Bestimmungen ab. Allenfalls kann ein Blick ins Melderegister eine Indizwirkung haben.

Allerdings ist auch das DBA zu beachten, und da befinden wir uns in Artikel 7.

http://www.steuerschroeder.de/australi.pdf

Danach steht Australien das Besteuerungsrecht zu, sofern du in Deutschland keine Betriebsstätte (oder feste Einrichtung) hast. Davon können wir hier wohl ausgehen. Deutschland unterwirft die australischen Einkünfte (die aber nach deutschen regeln ermittelt werden) dem Progressionsvorbehalt. Sofern du also in Deutschland keine steuerpflichtigen Einkünfte hast, kommt es in Deutschland damit nicht zu einer Besteuerung.

Ohne Wohnsitz in Deutschland hätten wir keinen DBA-Fall, da du mit der deutschen Steuerpflicht nicht kollidieren würdest (Wohnsitz + Einkünfte in Australien).

Ich lebe seit kurzer Zeit in Australien

Für das Jahr des Wegzugs (und das Jahr des Zuzugs) gelten besondere Regeln: In dem Jahr werden die australischen Einkünfte auf jeden Fall dem Progressionsvorbehalt unterworfen, weil das im EStG so vorgesehen ist: § 2 (2) Satz 3, § 50 (2) Nr. 3, § 32b (1) Nr. 3 EStG (ohne nachzugucken, vielleicht ist die Nummer eine andere).

Kommentar von Privatier59 ,

Da habe ich gleich zweifach das DH geklickt: Für die präzise und in einwandfreiem Deutsch gestellte Frage und die ebensolche Antwort. Den Steuerschroeder habe ich bei der Gelegenheit auch kennengelernt.

Sorgen mache ich mir nur um die Gesundheit von EB: Keine Häme, kein Spott?! Fühl mal nach, ob die Nase kalt ist.

Kommentar von EnnoBecker ,

Keine Häme, kein Spott?

Ironie und Sarkasmus gibt es, wenn mal wieder der Turm von Pisa umkippt.

Steuerschroeder

Den besuch ich aber auch nur, um die DBA zu finden.

Kommentar von Mattes1980 ,

In der Tat, vielen Dank für die präzise und hilfreiche Antwort Enno!

Das Jahr des Wegzugs 2012 gestaltet sich bei mir glücklicherweise recht unkritisch weil ich im Nov/Dez (seit dem bin ich hier) noch kein Einkommen in Australien hatte. Damit gehts erst in 2013 los. Von daher versteuere ich einfach mein Einkommen bis Okt 2012 wie gewohnt in Deutschland dieses Jahr.

Mir sind auf Grundlage deiner Antwort noch zwei Fragen gekommen. Ich weiß nicht, ob du mir da auch weiterhelfen kannst, insbesondere die zweite kann man aber ohnehin fast noch einmal separat stellen.

1) Nur um sicher zu gehen: Du schreibst <<< sofern du also in Deutschland keine steuerpflichtigen Einkünfte hast, kommt es in Deutschland damit nicht zu einer Besteuerung >>>. Ich werde voraussichtlich auch Einnahmen aus selbstständiger Arbeit (neudeutsch: freelancer) für Firmen in Deutschland haben. In der Praxis heißt das, ich schreibe eine Rechnung über x EUR und die deutsche Firma überweist mir das auf mein deutsches Konto. Diese Beträge sind dann aber keine steuerpflichtigen Einkünfte in Deutschland, sondern die gebe ich mit in meiner australischen Steuererklärung an, korrekt?

2) Wie mache ich das dann eigentlich mit der Steuererklärung in 2013 in Deutschland wenn ich meine Einkünfte in Australien versteuere? Die Behörden werden ja mit Sicherheit eine anfordern. Reicht da ein Schreiben "Ich lebe in Australien und versteuere da" oder muß ich eine Art leere Steuererklärung abgeben?

In jedem Fall, besten Dank!

Mattes

Kommentar von EnnoBecker ,
  1. Richtig. Nur weil dir ein Deutscher den Auftrag erteilt und die Rechnung bezahlt hat, werden es dadurch nicht Einkünfte aus Deutschland. Hier zu wäre erforderlich, dass du die Arbeit in (d)einer Betriebsstätte oder festen Einrichtung in Deutschland betreibst.
  2. So ähnlich. Einerseits hast du in Deutschland ebensowenig Verpflichtungen, eine (Einkommen-)Steuererklärung abzugeben wie jeder chinesische Reisbauer. Eine Verpflichtung könnte jedoch dadurch entstehen, dass das Finanzamt zur Abgabe einer Steuererklärung auffordert, § 149 AO. Diese Aufforderung stellt einen Verwaltungsakt dar und kann mit einem Einspruch angefochten werden.

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