Frage von GbRneu, 321

Umwandlung einer GbR in eine GmbH? Aufwand? Timing?

wir überlegen im Moment, unsere GbR in eine GmbH umzuwandeln. Ist das ein aufwendiger Schritt? Geht das jederzeit oder gibt es Momente im Geschäftsjahr, zu denen eine Umwandlung zu empfehlen ist, z.B. Jahresende?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von EnnoBecker,

Im Prinzip geht es jederzeit, aber man sollte schon ein wenig optimieren. Wozu soll man mitten im Jahr einen Jahresabschluss aufstellen, wo zum Jahresende ohnehin einer aufgestellt wird? Falls die GbR nur eine EÜR macht, ist es aber eigentlich auch egal, da ja bisher kein Jahresabschluss aufgestellt wurde.

"Aufwendig" ist ein dehnbarer Begriff. Wenn in der GbR keine großen stillen Reserven liegen, kann man sich auch überlegen, die Umwandlung sein zu lassen und das GbR-Vermögen an eine bestehende oder neu gegründete GmbH zu verkaufen.

Ansonsten eben das Übliche: Umwandlungsbeschluss, Sachgründungsbericht, handelsrechtliche Übertragung, steuerrechtliche Übertragung und Fortschreibung der Konsequenzen der Übertragung. Die sollte man dann allerdings schon abschätzen können.

Kommentar von blackleather ,

Sachgründungsbericht,

Das ist das Komplizierteste, vermutlich Teuerste und auch unter Haftungsaspekten Gefährlichste an dem Vorgang. Deswegen macht man das anders:

  1. Bargründung der GmbH

  2. Kapitalerhöhung der bereits im HR eingetragenen GmbH um einen minimalen Betrag (jedenfalls einen, der allerdeutlichst unter dem niedrigstmöglichen Verkehrswert der eingebrachten Assets liegt) und Erfüllung der Einlageverpflichtung durch Sacheinlage.

Ein direkter Kauf aus dem Barvermögen der neugegründeten GmbH wäre eine verdeckte Sacheinlage und hätte deshalb dieselben Folgen wie die unmittelbare Sachgründung.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ah ja.

Auf jeden Fall also keine Umwandlung.

Kommentar von blackleather ,

An was dachtest du denn bei Umwandlung? Formwechsel?

Kommentar von EnnoBecker ,

Ähm, der Fragesteller dachte an Umwandlung.

Formwechsel scheitert m.E. an § 191 (1) UmwG.

Kommentar von blackleather ,

Das meine ich auch.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ich würde es anders machen.

Ich würde die (neu gegründete oder zu gründende) GmbH als weiteren Gesellschafter in die GbR aufnehmen (darauf achten, dass sie nicht GF ist wegen § 15 (3)) und nach einer kleinen Schamfrist würde ich die anderen Personen ausscheiden lassen, so dass wir bei der GmbH zu einer Anwachsung §737 BGB kommen.

Oder spricht was dagegen? Okay, die stillen Reserven würden aufgedeckt, aber man kann den Austritt ja ein bisschen steuern und austreten, wenn ein Verlustjahr ist.

Kommentar von blackleather ,

Eine GF-Tätigkeit der GmbH in der GbR ist zwar keinem direkten Verbot analog § 6 Abs. 2 Satz 1 GmbHG unterworfen, wäre aber nur über den GF der GmbH überhaupt zu bewerkstelligen. Ist mir in der Praxis aber auch noch nie untergekommen.

Deine Idee hat Charme. Möglicherweise würden dabei noch nicht mal die stillen Reserven aufgedeckt werden müssen, sondern man könnte es per Buchwertübertragung gem. § 6 Abs. 3 EStG machen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Buchwertübertragung gem. § 6 Abs. 3 EStG

Leider nicht. Durch den Anspruch der Aufgebenden entsteht ja ein Step Up bei der GmbH, zu buchen bei der GmbH "Anlagevermögen an Verbindlichkeit".

Versteuert wird der 16er (falls gewerblich) dann beim Aufgebenden.

Kommentar von blackleather ,

Vorausgesetzt, die Aufgebenden übertragen zum Verkehrswert des Anteils (gegen Entgelt). Wenn sie aber gleichzeitig die GmbH-Gesellschafter sind, könnten sie evtl. ein Interesse daran haben, unentgeltlich zu übertragen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Dann sind wir im § 20 UmwStG. Eine Thematik, mit der ich mich noch nicht allzusehr auseinandergesetzt habe. Ich hab mein Examen noch vor dem SEStEG geschrieben.

Kommentar von blackleather ,

Nö, sind wir nicht. § 20 Abs. 1 UmwStG setzt ja voraus, dass der Einbringende die neuen Anteile im Zuge der Einbringung erst bekommt. Entsprechend deinem Vorschlag hat er sie aber schon vorher (die GmbH ist ja bereits fertig gegründet und an der GbR beteiligt!) und kriegt für sein Betriebsvermögen überhaupt nichts.

Kommentar von EnnoBecker ,

Dann verstehe ich es jetzt nicht.

Wenn er für sein BV nichts bekommt, dann hat die GmbH etwas geschenkt bekommen. Und schenken kann man nur etwas, was man auch hat. Also haben die Gesellschafter ja vorher zwangsweise entnommen.

Kommentar von blackleather ,

Muss man denn entnehmen, um zu schenken? Der Grundgedanke des § 6 Abs. 3 EStG ist doch gerade, dass Betriebsvermögen Betriebsvermögen bleibt und nur unentgeltlich den Eigentümer wechselt.

Schenkung mag vorliegen; ob SchSt ausgelöst wird, käme auf die Höhe an.

Kommentar von EnnoBecker ,

Hm.... ist den 6(3) überhaupt anwendbar? Immerhin haben wir ja eine KapGes als Empfänger.

Kommentar von blackleather ,

Nun, falls nicht und falls die stillen Reserven in jedem Fall aufzudecken sind, könnte man sich aber auch die Anwachsung sparen und gleich an die GmbH verschenken.

Kommentar von EnnoBecker ,

Das ist zwar wahr.

Aber bei der Anwachsung kann ich zeitlich steuern und in einem Verlustjahr hineinschenken.

Kommentar von blackleather ,

Du denkst an sukzessives Übertragen? Nicht alles auf einmal? Auch interessant...

Das kann ich aber auch, wenn die GmbH nicht GbR-Gesellschafter ist.

Kommentar von EnnoBecker ,

Aber vom 6 (3) bist du auch weg, oder?

Ich bin mir da nicht sicher und gucke morgen mal in den Schmidt, wenn ich Zeit dazu finde. Ist aber eher unwahrscheinlich. Leider.

Vielleicht sollte man zu erfahren suchen, welche Werte in der GbR überhaupt vorhanden sind. Dann könnte man gezielter überlegen.

Kommentar von blackleather ,

Also, nicht allein deshalb, weil der Empfänger eine KapGes sein soll. Mein Schmidt, § 6, Rz. 488, hält anscheinend die Anwendung des § 6 III für möglich, allerdings wohl nur, wenn keine gesellschaftsrechtlichen Verbindungen bestehen. Anderenfalls läge eine verdeckte Einlage vor.

(Ist allerdings die 2008er Ausgabe; ich weiß nicht, ob inzwischen eine andere Meinung gilt. (Ich habe sie auch nur beschafft, weil ich für ein aktuelles FG-Verfahren die Kommentierung des § 20 vor Einführung der Abgeltungsteuer brauchte.))

Kommentar von EnnoBecker ,

Na, DER Teil wird wohl schon weitergelten, ist ja immerhin nach SEStEG.

Dennoch: Mir leuchtet ein Zusammenhang zwischen 6 (3) und KapGes nicht ein, aber ich leuchte da womöglich nach innen und würde diese Lücke gern schließen.

Da weiß ich ja schon, was ich am ersten Advent machen kann.

Kommentar von EnnoBecker ,

Mein Schmidt, § 6, Rz. 661, sagt, es ist nicht möglich (§ 6 (3) Satz 1 HS2 Alt1 EStG), um über solche Gebilde nicht die stillen Reserven in die KapGes sickern zu lassen.

Bauchgefühl war also richtig.

Wie geht es nun weiter?

@Fragesteller
Kannst du eigentlich noch folgen?

Kommentar von blackleather ,

Bauchgefühl war also richtig.

Herzlichen Glückwunsch!

Wie geht es nun weiter?

Jetzt muss der Fragesteller - der hoffentlich noch folgen konnte - sich entscheiden, was er nun machen will. Anregungen gab es hier ja zuhauf.

Kommentar von EnnoBecker ,

Hast du nachgelesen? Stimmst du zu?

Kommentar von blackleather ,

Nachgelesen habe ich nicht; meine 2008er Ausgabe geht nur bis Rz. 581. Aber ich vertraue darauf, dass du lesen kannst und weiß, dass du Fachmann genug bist, das Gelesene richtig zu interpretieren. Das ist Grund genug, dir zuzustimmen.

Kommentar von GbRneu ,

netter Austausch.

Musste ich mir nach Monaten nochmals geben, weil er so toll ist!

:)

DH DH DH!

Antwort
von SiSaSu,

Ich würde mich hier gar nicht mit einer Umwandlung beschäftigen, sondern gleich die GbR auflösen und eine GmbH gründen. Das kann man zu jedem Zeitpunkt während des Jahres machen. Die Vorgaben zur Gründung einer GmbH müssen natürlich erfüllt sein, aber das ist ja eh unvermeidlich.

Kommentar von Meandor ,

Und wie kommt das Vermögen dann von der GbR in die GmbH?

Wenn die GbR aufgelöst wird, stellt das eine Betriebsaufgabe dar, und das ganze Betriebsvermögen wandert steuerpflichtig in das Privatvermögen. Das kann richtig teuer werden, da die Sachen nicht zum Buchwert rausgehen.

Kommentar von EnnoBecker ,

...und wir diskutieren hier oben drüber gerade darüber, wie man das vermeiden kann.

Antwort
von Nidderau, 321

Hi, hab das gleiche Problem. Gibt es hier schon eine "optimale Antwort"?

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