Frage von friedfried, 193

Umsatzsteuervoranmeldung erst schlampig machen, zu Günsten des Finanzamt, beim JA korrigieren?

Hallo,

das Problem: es gibt 1-2 Kundenrechnungen pro Monat, dafür einige kleine Lieferantenrechnungen (Bürokramm, Kommunikation, usw.). Momentan wird die Umsatzsteuervoranmeldung durch einen Steuerberater erledigt, die STEUERBERATERKOSTEN SIND ABER HÖHER ALS DIE UMSATZSTEUERMINDERUNG durch die Lieferantenrechnungen.

Meine Idee: ich mache die Umsatzsteuervoranmeldung über Elster selbst, kann dafür sorgen dass die Kundenrechnungen definitiv erfasst sind (es sind wenige und sie sind numeriert), vergesse aber garantiert immer wieder irgendwelche Lieferantenrechnungen. Ich zahle dadurch zuerst zu viel Umsatzsteuer. Spätestens bei der Erstellung des Jahresabschlüsses (es ist eine GmbH) werden alle Lieferantenrechnungen erfasst und es gibt eine Umsatzsteuererfassung. Wäre sowas bedenkenlos? Kostenersparnis ca. 1000 EUR.

Anzeige
Antwort
von expermondo, 5

Hallo friedfried,

Schau mal bitte hier:
Finanzamt Umsatzsteuer

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Finanzamt, 185

Ich kann mich der Warnung von EnnoBecker nur anschließen. Gerade bei einer GmbH ist eine laufende Buchhaltung wichtig udn wenn es so wenige Buchungen sind, wie Du schreibst, werden die 60 Minuten um die paar Belege zu erfassen ja wohl auch noch drin sein.

Grundsätzlich würde Dein Vorgehen möglich sein, aber fast alle die so arbeiten haben im laufe der Jahre Probleme, weil sich zu den ersten Schlampereien immer weitere dazu gesellen.

Kommentar von friedfried ,

Danke. Spezielle Tips/Warnungen/Merkblatt habe ich vom Steuerberater unterjährig bisher keine bekommen, da die Sache eher monoton verläuft (Softwareprojekte fertig, Programmierer bezahlt, Bürokramm/Telekom/Hosting bezahlt, ist das Jahr fertig). Jedoch habe ich in 15 Jahren ca. 15000 EUR für die besagte USt-Voranmeldungen ausgegeben, ist schon eine beachtliche Summe...

60 Minuten sind bei mir in der Tat kein Problem, jedoch werde ich sicher Lieferantenbelege vergessen (ich kenne mich). Kann ich das in Kauf nehmen, wenn am Ende des Jahres alles sicher mit DATEV-Kontobewegungen abgegliechen und 100% korrigiert wird?

Eine andere etwas extreme Alternative wäre die nicht reguläre Lieferantenrechnungen privat zu bezahlen, denn, wie gesagt, die Steuerberaterrechnungen sind höher als die USt-Minderung.

Kommentar von wfwbinder ,

Ich kenne Deinen StB und seine Arbeitsweise nicht. Aber meine und zum Teil auch die von EnnoBecker und ich weiss eines, nämlich dass die die Erstellung von UStVa im Jahr und buchen am Ende des Jahres so ziemlich immer teurer sein muss, als gleich monatlich zu buchen und die UStVa dann als das zu behandeln was sie ist, nämlich dann nur noch ein Abfallprodukt dieser Arbeit.

Ich weiss nicht, was Du für die Bucherei am Jahresende zahlst, aber anscheinend 80,- Euro nur für die UStVa. Bei dem genannten Buchungsaufwand, sollte die ganze Buchhaltung kaum mehr als 80,- bis 100,- kosten.

Ganz nebenbei hattest Du die komplette Übersicht denn monatlich.

Eventuell kannst Du mal einen Buchhaltungshelfer fragen. Eventuell hat Dein Steuerberater sogar einen, mit dem er bevorzugt arbeitet.

Kommentar von EnnoBecker ,
Bei dem genannten Buchungsaufwand, sollte die ganze Buchhaltung kaum mehr als 80,- bis 100,- kosten.

Das ist überhaupt auch das, was mich von Anfang an bewegt hat. Hat der Steuerberater oder "Steuerberater" außer der UStVA nichts geliefert? Mag man sich kaum vorstellen.

Eventuell kannst Du mal einen Buchhaltungshelfer fragen. Eventuell hat Dein Steuerberater sogar einen, mit dem er bevorzugt arbeitet.

Keine schlechte Idee.

Andererseits, eine Ausgangsrechnung pro Monat, drei Eingangsrechnungen und wahrscheinlich 5 Bankbewegungen (1x Zahlungseingang, 3 x Zahlungsausgang, Kontoführungsgebühr und Zinsen) sind durchaus auch selber zu bewältigen.

Kommentar von friedfried ,

Danke, Leute, für Eure Antworten.

Hat der Steuerberater oder "Steuerberater" außer der UStVA nichts geliefert?

Naja, es gibt noch diese monatliche "Auswertungen", die eher amüsant aussehen. Wenn ein Projekt kurz vor Monatsende bezahlt ist, schiesst das "Ergebnis" in die Höhe. Wenn die Programmierung in dem selben Monat bezahlt wurde, dann geht das Ergebnis wieder runter.

Was kann man von einen Steuerberater dann unterjährig noch erwarten? Die Projekte werden an sich streng budgetiert, das Geld ist dann zeitnah wieder raus. Die ganze Bücherei ist eigentlich bei so einer Projektarbeit überflüssig. Man zahlt erstmal USt auf fast 100% der Einnahmen, danach halt die Lohnsteuer, fertig.

Andererseits, eine Ausgangsrechnung pro Monat, drei Eingangsrechnungen und wahrscheinlich 5 Bankbewegungen (1x Zahlungseingang, 3 x Zahlungsausgang, Kontoführungsgebühr und Zinsen) sind durchaus auch selber zu bewältigen.

Ja, genau das will ich ab jetzt machen. Die Fragen, welche mich brennend interessieren:

  1. Was passiert konkret, wenn der Steuerberater die 36 Lieferantenrechnungen bei der JA-Vorbereitung in Software einbucht und sieht, dass man z.B. 177 EUR zu viel USt unterjährig bezahlt hat? Kann er kaltblütig die USt-Erklärung an FA übermitteln, mit - "Noch an die Finanzkasse zu entrichten -177 EUR" - oder muss er noch irgendwas tun?

  2. Kann man erwarten dass das FA von Jahr zu Jahr die 100-200 EUR still erstattet oder was kann hier konkret passieren? Muss man dann evtl. mit Zweizeiler erklären - "Sorry, Lieferantenbeleg übersehen. MfG" - oder ähnlich?

Danke!

Kommentar von wfwbinder ,

Naja, es gibt noch diese monatliche "Auswertungen", die eher amüsant aussehen. Wenn ein Projekt kurz vor Monatsende bezahlt ist, schiesst das "Ergebnis"

Diese monatliche Auswertung nennt man BWA und Summen- und Saldenliste und ist die Auswertung der Buchhaltung.

Da damit alles eingebucht ist (ausser Belegen, die Du noch in der Brusttasche hast) , ist die Buchhaltung durch. Was der StB am Jahresende macht ist, die Belege einzubuchen, die Du noch gefunden hast, die Abschlussbuchungen, die Bilanz, die Steuererklärungen.

Auch wenn Du die Auswertungen als "amüsant" empfindest, nimmst Du es m. E. etwas zu sehr auf die leichte Schulter. Der Vorjahresvergleich kann Dir Hinweise auf die Kostenentwicklung geben und die Zahlen zum Halbjahr und zum 30. 09. Hinweise zur Steuertaktik.

Ob da nach dem Abschluss ein Betrag nahe 0,- in der Umsatzsteuererklärung stehen, oder 250,- Euro Erstattung haut weder einen Inuit vom Schlitten, noch wird ein Finanzbeamter deshalb gleich die Steuerfahndung in Gang setzen. Dafür haben die zuviel mit ernsthaften Problemen zu tun.

Aber Du verzichtest auf ein wertvolles Informationsinstrument. Schließlich ist es eine GmbH und da ist schon einiges zu beachten. Siehe EnnoBecker "extra Informationsblatt."

Buchhaltung selber machen bei dem Umfang kein Problem.Die Zahlen kannst Du später per Stick, oder Datenübertragung an den Steuerberater geben.

Antwort
von freelance, 140

die Frage, die mir spontan hier einfällt: ist es wirklich die UStVA, die hier so teuer erscheint oder sind damit nicht noch andere Tätigkeiten abgedeckt (wie Buchen der Belege), die letztlich dann mit der Jahressicht auflaufen?

Wenn es so wenige Belege sind, dann geht das auch beim StB sehr schnell mit der UStVA. Nur wird der wohl auch gleich buchen. Und das kommt so oder so.

Zur Unschärfe, von der du sprichst, äusserten sich schon andere. Ich frage mich jedoch spontan: wenn du bei der eigens erstellten UStVA "Unschärfen" erwartest, wie stellst du dann sicher, dass auf Jahressicht alles stimmt? Ich denke, ich würde an der Ablage arbeiten und damit vermeiden, dass es zu solchen Fehlern kommt. Letztlich ist es eine Arbeitsersparnis.

Antwort
von EnnoBecker, 107

Was soll man da sagen? 80 Euro für die monatliche UStVA ist jetzt nicht soooo viel, aber es kommt natürlich auch auf den Umfang dessen an, was gemacht wird.

Am besten beantwortet man hier einfach die Frage.

Durch die umsatzsteuer-Jahreserklärung erledigen sich die USTVA "auf andere Weise". Korrekturen von unzutreffend erfassten Sachverhalten sind also möglich. Bei hohen Abweichungen zwischen den Werten der UStVA und der USt-Jahreserklärung wird das Finanzamt allerdings nachfragen. Entsprechend muss man seine Arbeit eben dokumentieren.

es ist eine GmbH

Da möchte man schon wieder warnend den Zeigefinger heben. Die UStVA ist nicht das Einzige, was es bei der Führung einer GmbH zu beachten gilt. Deshalb bekommen die GmbH-GF bei guten Steuerberatern auch ein Merkblatt, dem die wichtigsten Sachen zu entnehmen sind. Und selbstverständlich wird auch permament ein Auge auf mögliche Fallstricke geworfen.

Hoffentlich ist bei dir am Ende kein Steuerberater nicht teurer als ein Steuerberater.

Wirtschaftlich ist deine Idee dann Unsinn, wenn der Steuerberater dann doch den Jahresabschluss machen soll. Der muss dann nämlich nicht nur die komplette jahresbuchhaltung nachholen, sondern auch noch analysieren, was unterjährig "verbrochen" wurde. Sparen kann man dann kaum was.

Es kommt also auf den Umgang dessen an, was der Steuerberater jetzt macht und was er dann macchen soll.

Kommentar von friedfried ,

Danke EnnoBecker, sehr nützlich. Bei der USt-Minderung von ca. 1000 EUR kann es dazu kommen dass unterjährig z.B. 5 Rechnungen vergessen werden, dadurch ergibt sich z.B. 200 EUR USt-Überzahlung bzw. Erstattung am Ende des Jahres. Sowas ähnliches wird ziemlich sicher jedes Jahr passieren. Kann sich das Finanzamt aufregen, kann es zu ausserplanmässigen Prüfungen kommen? Wie kann man hier das Risiko einschätzen?

"... analysieren, was unterjährig -verbrochen- wurde ..."

Tatsächlich macht der Steuerberater dann die Buchführung für das ganze Jahr in einem Wisch. Es sind jedoch insgesamt ca. 12 Kundenrechnungen und ca. 36 Liefenrantenrechnungen (Büro, Hosting, Telekom), also überschaubar und entsprechend günstig. Muss der Steuerberater die "verbrochene" USt-Voranmeldungen irgendwie einzeln korrigieren/melden? Dann bringt die Idee natürlich wenig Aufwandreduzierung... :(

Kommentar von EnnoBecker ,
Es sind jedoch insgesamt ca. 12 Kundenrechnungen und ca. 36 Liefenrantenrechnungen

Naja, sowas sollte man schon selber packen können, ich sehe da wenig Probleme. Probleme tauchen dann auf, wenn steuerliche Sondersachverhalte zu erkennen sind und nicht erkannt werden. Aber davon ist bei dir wohl eher nicht auszugehen.

Muss der Steuerberater die "verbrochene" USt-Voranmeldungen irgendwie einzeln korrigieren/melden?

Um Himmels willen, bloß sowas nicht. Ein Kollege hat das mal gemacht - ich hab den halben Tag am Jahresabschluss gesessen und bloß die Umsatzsteuer abgestimmt.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community