Frage von Wokate, 7

Umsatzsteuerplichtig und studentische Tätigkeit

Ich war anfang des Jahres als studentische Aushilfe tätig, habe meine Rechnungen mit dem Zusatz "Ust. wird nach §19 Abs. 1 UstG nicht erhoben" geschrieben, war also nicht Umsatzsteuerpflichtig. Zum Ende des Jahres habe ich eine freiberufliche Tätigkeit aufgenommen, da höhere Ausgaben anstanden, habe ich beantragt, freiwillig Umsatzsteuer abzuführen. Wie ich nun herausgefunden habe, ist es anscheinend so, dass eine Steuerart für ein Jahr gilt, also mit oder ohne Ust.. Nun frage ich mich, ob es möglich ist, die Ust. für die studentische Tätigkeit vom Auftraggeber noch anzufordern bzw. die Ust. aus eigener Tasche zu zahlen? Wie ist es in diesem Fall mit der Krankenversicherung (war Anfang des Jahres Familienversichert, jetzt freiwillig gesetzlich versichert)? Müsste ich dieses dann melden? Es handelt sich hier um sechs Rechnungen a ca. 150€.

Antwort
von wfwbinder, 5
  1. Richtig, es gibt nur eine Unternehmereigenschaft.

  2. Umsatzsteuer ist eine Jahressteuer, ist man Kleinunternehmer ist man es mindestens für das Jahr, wählt man als Kleinunternehmer die Regelbesteuerung ist man 5 Jahre gebunden.

  3. Rechnungen kann man nur nachträglich ändern, wenn der Rechnungsempfänger vorsteuerabzugsberechtigter Unternehmer ist und ggf. auch zustimmt.

  4. Selbst wenn die nachträgliche Änderung der Rechnungen nicht geht, kann man ja überlegen, ob der Vorsteuerabzug für die Ausgaben, die nun anstehen, das eventuell ausgleicht.

Kommentar von Wokate ,

Danke, ich habe gerade mit dem Auftraggeber telefoniert, er hat kein Problem damit die Ust. nachzuzahlen. Schreibe ich die Rechnungen jetzt noch einmal neu mit dem Vermerk: "Korrigierte Rechnung"? Müsste ich dann noch die Umsatzsteuervoranmeldungen für betreffende Monate nachreichen?

Kommentar von wurzlsepp668 ,

Ja, genau so!

berichtigte Rechnungen und die VA's sollten auch berichtigt werden.

Kommentar von wfwbinder ,

Es so sein, Gutschrift für alte Rechnung und neue Rechnung schreiben. Den bereits gezahlten Betrag dabei von der Gesamtsumme abziehen.

Die Vorsteuer kann der Unternehmer erst in die Umsatzsteuervoranmeldung des Monats aufnehmen in dem die Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug vorliegen (vermutlich wenn Du es umgehend machst, der Oktober).

Du schuldest die Umsatzsteuer aber auch erst mit dem gleichen Monat, daher Umsatzsteuervoranmeldung für den Oktober. Würdest Du z. B. den Februar korrigieren, könnten Die sogar Säumniszuschläge drohen. Die Steuer ist ja erst fällig, wenn die Rechnung geschrieben ist.

Kommentar von vulkanismus ,

Keine Säumniszuschläge.

Fälligkeiten werden nicht vorverlegt.

Kommentar von Wokate ,

Der Unternehmer bei dem ich gearbeitet habe, hat seinen Betrieb im Dezember 2013 aufgegeben, ich glaube, dass ihm eben beim Telefonat nicht bewusst war, dass er die Ust. dann erst jetzt im Oktober geltend machen kann.

Jetzt wieder die Frage: Kann ich den Betrag aus eigener Tasche zahlen?

Bzw. wie sehen dann die Rechnungen aus, die ich korrigieren muss?

Kommentar von wfwbinder ,
  1. kannst Du einfach den Rat von EnnoBecker annehmen.

  2. Die Frage Okt. 2014, oder für 2013 nachträglich im Okt. 2014 ist doch wohl ziemlich egal, es geht ja einfach um Steuersystematik.

  3. wenn du die 19 % (im Hundert gerechnet) aus den 900 zahlst sind es 143,70.

Antwort
von blackleather, 4
Nun frage ich mich, ob es möglich ist, die Ust. für die studentische Tätigkeit vom Auftraggeber noch anzufordern bzw. die Ust. aus eigener Tasche zu zahlen?

Falls du nicht nur dich, sondern das Forum hier gefragt hättest, wäre die Antwort vielleicht gewesen: Kommt drauf an, was zivilrechtlich als Preis deiner Leistung zwischen euch vereinbart war.

Wie ist es in diesem Fall mit der Krankenversicherung (war Anfang des Jahres Familienversichert, jetzt freiwillig gesetzlich versichert)?

Gut für den, der eine hat.

Müsste ich dieses dann melden?

Sprichst du bei dieser Frage von der eventuellen Änderung deines Arbeitseinkommens aus der ersten selbständigen Tätigkeit oder aus der (zweiten), die du freiberufliche Tätigkeit nennst?

Kommentar von Wokate ,

Ich spreche hier von der ersten (studentischen) Tätigkeit und wie sich die Änderung bzw. die Ust. Korrektur auf die Familienversicherung, die zu diesem Zeitpunkt bestand, auswirken würde.

Kommentar von blackleather ,

Das hängt davon ab, ob du durch die Gewinnerhöhung dann die Grenze des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 SGB V (https://www.jurion.de/Gesetze/SGB_V/10) überschrittest oder nicht. Am Arbeitszeitaufwand läge es jedenfalls nicht, denn der ändert sich ja nicht.

Antwort
von EnnoBecker, 3
Zum Ende des Jahres

Wann ist denn dieser Zeitpunkt genau? Im Dezember?

Also, unterschiedliche Rechtsgebiete:

Vertragsrecht
Ob du hier eine Rechnung in der Weise korrigeren kannst, dass du nachträglich noch die Umsatzsteuer aufschlagen kannst, hängt von eurem Vertrag ab. Üblicherweise sind Endpreise Bruttopreise. Also ich als Privatperson beispielsweise würde nichts nachzahlen. Ich als Untenehmer würde es tun, denn da wäre es mir egal.

Umsatzsteuer - Rechnungen ohne Umsatzsteuer
Dass war jetzt natürlich blöd von dir, zuerst zu schießen und dann zu fragen. Natürlich stecken nun in den Rechnungsbeträgen die Umsatzsteuern mit drin. Macht also einen Schaden von 143,70 Euro.

Umsatzsteuer - Vorsteuern I
Der Schaden wird aber dadurch gemildert, dass du nunmehr auch die Vorsteuern abziehen kannst, die während der Zeit bis "Ende des Jahres" abziehen kannst.

Umsatzsteuer - Vorsteuer II
Hättest du bis zum Jahreswechsel gewartet und dann zur Regelbesteuerung optiert, wäre dies eine Nutzungsänderung gewesen, die zur Korrektur der Vorsteuer berechtigt hätte. Für die meisten Ausgaben wären dann wahrscheinlich Vorsteuern in Höhe von 59/60 wieder an dich zurückgeflossen. Der Schaden wäre eventuell kleiner gewesen.

Umsatzsteuer - Sonstiges
An die Regelbesteuerung bist du fünf Jahre gebunden.

Einmal die Nachfrage für vielleicht 100 Euro gespart und damit mindestens 143,70 Euro in den Sand gesetzt.

Sei froh, dass deine Rechnungen so klein waren. Glück gehabt.

Kommentar von Wokate ,

Im November MUSSTE ein Auto für diese Tätigkeit angeschafft werden, sonst hätte ich einen großen Auftrag nicht erledigen können, die Ust. des Autos beläuft sich auf über 2000€, da sind die ca.150€ Ust., die ich aus der studentischen Tätigkeit "in den Sand gesetzt habe" leicht zu verkraften.

Kommentar von EnnoBecker ,

Mal rechnen.....

2000/60*58 = 1.933 Euro. Die hättest du also wiederbekommen.

Hätte 67 Euro Verlust ausgemacht - so sind es 143.

Du hast das Prinzip mit der Vorsteuerkorrektur nicht verstanden.

Kommentar von Wokate ,

Das ist halt das Lehrgeld, was man als Leihe zahlt, wenn man keinen Steuerberater zu Hilfe nimmt. Wenn man so rechnen will, habe ich sogar gespart, ein Steuerberater hätte mich wahrscheinlich mehr als 143€ gekostet. ;) Schönen Tag noch und danke für die Antwort.

Kommentar von EnnoBecker ,
was man als Leihe zahlt

Leihe - Mannmannmann, es wird immer schlimmer.

Hauptsache du bist kein "Weihsenkind". Und Reihner heißt du auch nicht.

Laie heißt das Wort.

Wenn man so rechnen will, habe ich sogar gespart, ein Steuerberater hätte mich wahrscheinlich mehr als 143€ gekostet.

Darum schrieb ich ja: Glück gehabt.

Für den Moment.

Kommentar von blackleather ,
Wann ist denn dieser Zeitpunkt genau? Im Dezember?

§ 192 BGB: "Unter Anfang des Monats wird der erste, unter Mitte des Monats der 15., unter Ende des Monats der letzte Tag des Monats verstanden."

Daraus würde ich schließen, dass mit dem Ende des Jahres der 31.12., 24.00 Uhr gemeint ist. Jeder frühere Zeitpunkt wäre ja noch nicht das Ende des Jahres.

Kommentar von EnnoBecker ,
Daraus würde ich schließen, dass mit dem Ende des Jahres der 31.12., 24.00 Uhr gemeint ist.

Er schrieb ja "zum Ende", nicht am Ende.

Außerdem ist er "Leihe", und die findet man in den §§ 598 ff. BGB ("Vertragstypische Pflichten bei der Leihe")

Kommentar von blackleather ,

Hieß nicht der Hund, den die Russen mit dem Sputnik in den Weltraum geschossen haben, auch Leihka oder so ähnlich? Oder verwechsele ich das jetzt mit den Kameras...?

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