Frage von Spagatvogel, 41

Umsatzsteuererstattung als zinsloses Darlehen?

Ich gebe in meiner Umsatzsteuervoranmeldung für den Monat 10/2015 8,90€ als gezahlte Umsatzsteuer an, vereinnahmte Umsatzsteuer für 10/2015 ist 0 €. Ich gebe in 03/2016 in meiner Umsatzsteuererklärung für 2015 an, keine Erstattung erhalten zu haben. Im Umsatzsteuerbescheid für 2015 werde ich aufgefordert, die erstattete Umsatzsteuer aus 10/2015 bis 05/2016 zurückzuzahlen. Für mich ein zinslosen Darlehen in Höhe von 8,90 € für 7 Monate. Wenn ich jetzt aus 8,90 €, sagen wir, 89.000 € mache, dann kann das doch lukrativ, sein, z.B. um Aktien zu kaufen und nach 7 Monaten mit Gewinn zu verkaufen. Ist da ein Haken an meiner Überlegung?

Antwort
von wfwbinder, 25

Die Idee ist gut, aber undurchführbar. Bei Deinem Geschäftsumfang würde es schon auffallen, wenn Du plötzlich 89.000,- Vorsteuer geltend machen würdest, ohne dass eine Ausweitung des Geschäftsbetriebes abzusehen ist, würde man entweder die Belege von Dir anfordern, oder gleich eine Umsatzsteuersonderprüfung ansetzen.

Antwort
von blackleather, 27

Ist da ein Haken an meiner Überlegung?

Mindestens einer.

Es gibt doch nur zwei Möglichkeiten, weshalb du aufgrund der Umsatzsteuererklärung die erhaltene Vorsteuer wiederum an das Finanzamt zurückzahlen musst:

a) Du hast sie von vornherein zu Unrecht geltend gemacht (weil z.B. die formellen Voraussetzungen dafür nicht vorlagen oder du gar keine Vorsteuer an deine Lieferanten bezahlt hast)

b) Die Umsatzsteuererklärung ist falsch.

Punkt b) ist ungefährlich. Wenn du aufgrund dieses Punktes die Steuer ans FA zurückzahlen musst, bist du einfach zu dumm für eine korrekte Steuererklärung.

Punkt a) bedeutet, du hast dich bereits mit deiner falschen Umsatzsteuervoranmeldung strafbar gemacht wegen Steuerhinterziehung, indem du einen steuerlichen Vorteil in Anspruch genommen hast, der dir nicht zustand und von dem du auch wusstest, dass er dir nicht zustand (§ 370 AO).
In diesem Fall bleibt von deinem erträumten finanziellen Vorteil weniger als nichts, denn du zahlst nicht nur die Steuer ans Finanzamt (nebst Hinterziehungszinsen; § 235 AO), sondern obendrein die Geldauflage für die Einstellung des Verfahrens gem. § 153a StPO (die beträgt in der Regel mindestens so viel wie du an Steuern hinterzogen hast), falls du nicht Wert darauf legst, verurteilt zu werden und künftig als Vorbestrafter durchs Leben zu gehen.

Kommentar von Spagatvogel ,

Ja, Danke, so was hatte ich mir schon gedacht. 

Kommentar von EnnoWarMal ,

Man kann aber was anderes machen, gerade wenn man selbständig oder gewerbetreibend ist:

Man gibt für Zwecke der Vorauszahlungen zur Einkommensteuer und zur Gewerbesteuer ein hohes Einkommen an, welches man aber tatsächlich nicht hat. Auf diese Weise werden dann Vorauszahlungen in Höhe von, na sagen wir mal, 89.000 Euro festgesetzt.

Dann warte ich mit meinen Steuererklärungen bis kurz vor Ablauf der Festsetzungsfrist und ziehe eventuelle Schätzbescheide raus bis zum St.-Nimmerleinstag.

Und Zack! Schöne Zinsen. Pro Jahr 5.340 Euro.

Macht nach fünf Jahren 20.025 Euro Zinsen und damit einen Zinssatz von rund 4,5%.

Kommentar von blackleather ,

Guter Trick. Und funktioniert wahrscheinlich auch in Spagatvogels Job.

In deinem und meinem leider nicht (Niedersächsisches FG v. 14.04.2009 - 13 K 218/08; DStRE 2009, 1213). Da würden die Verspätungszuschläge die Erstattungszinsen auffressen.

Kommentar von EnnoWarMal ,

Die Selbstvertretung kann man doch locker umgehen. Soll ich dir meinen Stempel schicken?

Kommentar von blackleather ,

Nö. Ich trage deine Daten einfach in der Erklärung ein.

Ich kann dich ja auch noch in meinem Revisionsverfahren vor dem BFH bevollmächtigen.   ;-)

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