Frage von exciter20011, 1.848

Umsatzsteuer nachzahlen als Kleinunternehmer?

Hallo zusammen, meine Situation ist etwas verzwickt und ich hoffe, dass ich hier Antworten bekomme.

Ich führe seit Januar 2011 ein Gewerbe als Kleinunternehmer und weise die Mehrwertsteuer nicht aus.

Ich bin jedes Jahr unter 17.500 € Jahresumsatz geblieben.

2014 bin ich bisher bei knapp 7.000 € Umsatz. Ich hatte in meiner Dienstleistung nur mit Privatpersonen zu tun und habe daher auch bewusst auf die Mehrwert-/Umsatzsteuer verzichtet.

Das Gewerbe habe ich in München geführt und Ende Juni abgemeldet, da ich Anfang Juli nach Dresden gezogen bin.

Zum 01.10.2014 will ich mit Existenzgründerzuschuss eine hauptberufliche Selbständigkeit in Dresden aufbauen.

Wie sieht das dann aus? Wenn ich von Anfang an bei der Gewerbeanmeldung in Dresden keinen Gebrauch mehr von der Kleinunternehmerregelung mache, muss ich dann die Umsatzsteuer nachzahlen für 2014? Ich nehme mal an, die Arbeitsagentur würde auch etwas schief schauen, wenn ich meine hauptberufliche Selbständigkeit mit Kleinunternehmer-Regelung beginne.

Antwort
von exciter20011, 1.708

Da in den ersten 3 Monaten bis Jahresende keine großen Investitionen und damit Vorsteuer anfallen würden, denke ich mal, es wäre am besten bis 31.12.2014 nochmal die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen und dann ab 01.01.2015 in die Regelbesteuerung zu wechseln.

Sehe ich das so richtig? Die Nachzahlung der Umsatzsteuer will ich auf jeden Fall vermeiden.

Antwort
von wfwbinder, 1.430

Umsatzsteuerlich bist Du nur einmal Unternehmer.

Auch wenn Du einen Betrieb schließt und woanders einen neuen Betrieb neu eröffnest.

Es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. für die ersten Monate die 1.120,- Euro Steuer, natürlich abzügloich der Vorsteuer nachzahlen,

  2. Die ersten drei Monate Kleinunternehmer sein und ab 01. 01. 2015 optieren. Hängt natürlich auch davon ab, ob zur Neueröffnung eventuell viel Vorsteuer durch investitionen und Anlaufkosten anfällt.

Kommentar von EnnoBecker ,
Hängt natürlich auch davon ab, ob zur Neueröffnung eventuell viel Vorsteuer durch investitionen und Anlaufkosten anfällt.

Jetzt heißt es aber aufpassen:

Wenn er bei der Neueröffnung KU ist, kann er die Vorsteuern nicht ziehen. Erst durch die Option zum Regelunternehmer ab 2015 ändern sich die Nutzungsverhältnisse.

In dem Fall wäre die Vorsteuer auf bestimmte Wirtschaftsgüter zu korrigieren - hier natürlich zugunsten des Fragestellers. 57/60 des Vorsteuerbetrages ließen sich so retten, bei Grundstücken sogar 117/120.

Kommentar von wfwbinder ,

Missverständnis, ich meinte für das ganze Jahr 2014 optieren und die Vorsteuer über die Jahreserklärung geltend machen.

Das ist mal wieder eine Frage, die mehr Rechenaufgabe, als Wissenstest ist.

Kommentar von EnnoBecker ,
für das ganze Jahr 2014 optieren

Das Problem sind die Kunden des Fragestellers.

Ich hatte in meiner Dienstleistung nur mit Privatpersonen zu tun

Das bedeutet, er bekommt nicht eine einzige korrigerte Rechnung an den Mann und bleibt auf den Umsatzsteuer sitzen. Und wenn die höher sind als 3/60 der zu korrigerenden Vorsteuern, kenne ich schon das Ergebnis der Rechenaufgabe.

Kommentar von wfwbinder ,

Das ist ja das Problem, wir wissen nicht, was er bisher machte und wir wissen nicht, was er machen wird.

Antwort
von free555, 1.176

Ich nehme mal an, die Arbeitsagentur würde auch etwas schief schauen, wenn ich meine hauptberufliche Selbständigkeit mit Kleinunternehmer-Regelung beginne.

das denke ich nicht, dass da einer schief guckt. Ich kenne viele, die als Unternehmer - und das hauptberuflich - KU sind. Und auch die haben mit der Arge zu tun. Von schief gucken haben die noch nicht berichtet.

Es ist doch nachvollziehbar, was du bisher gemacht hast. Damit kann man das auch so 'verkaufen'.

Bleibe in 2014 KU und ändere das ab 2015. Änderst du es in 2014, müsstest du die USt nachzahlen (abzügl. Vorsteuer).

Ich würde mir darüber keine Gedanken machen.

Antwort
von EnnoBecker, 910

Umsatzsteuerlicher Unternehmer ist man immer "im Ganzen".

Was du vorhast, ist, auf die Folgen der KU-Regelung zu verzichten, also zur Regelbesteuerung zu "optieren".

Wenn du optierst, führt das dazu, dass du für 2014 Umsatzsteuer nachzahlen musst, also ezwa (7.000/1,19*0,19=) 1.117 Euro abzüglich dann abzugsfähig gewordener Vorsteuer.

Außerdem bindet dich diese Entscheidung für 5 Jahre, du kannst also frühestens 2019 wieder KU sein.

Ausführlich hier in diesem Tip http://www.finanzfrage.net/tipp/kleinunternehmer ab Tz.4.

Aber warum sollen die Agentebn vom Arbeitsamt schief schauen und was hast du davon? Ich würde mich von wirtschaftlichen Gesichtspunkten leiten lassen und nicht vom Gesichtsausdruck von Leutem die mir egal sein können.

Die meisten Ärzte und Vermieter sind Kleinunternehmer.

Ein theoretisches Problem hast du bei der Gewerbesteuer, weil du 2014 eine Zerlegungserklärung beifügen müsstest. Den Umsatzgrößen zufolge gibst du jedoch wohl ohnehin keine Gewerbesteuererklärung ab.

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