Frage von Pfennigfuchserl, 3.619

Umsatzsteuer in Raten zahlen - lässt sich das Finanzamt darauf ein?

Ich würde meine Umsatzsteuer gerne in Raten zahlen. Ist es realistisch, dass sich das Finanzamt darauf einlässt?

Antwort
von Tina34, 3.619

Grundsätzlich ist auch eine Stundung der Umsatzsteuerzahlung möglich. Dies ist in der Praxis allerdings so gut wie nie anzutreffen, da das Finanzamt argumentiert, dass die Umsatzsteuer nur im Auftrage des Staates eingenommen wird, es sich somit um einen durchlaufenden Posten handelt. Un des Weiteren hat der Empfänger, soweit es sich um einen Unternehmer handelt, die Vorsteuer auch schon geltend gemacht. Da das Finanzamt diese somit an ihn erstattet hat, schließt es eine Stundung auf Seiten des Leistungserbringers aus.

http://www.medienvorsorge.de/faq/detail/kein_geld_die_stundung_beim_finanzamt.ht...[backPid]=51&cHash=6a73754265

Kommentar von vulkanismus ,

Die Antwort ist grundsätzlich falsch.

Geltend gemachte Vorsteuer (wer sagt, dass sie erstattet wurde?) hat bei Stundung oder nicht keinerlei Einfluss.

Die einzige und wichtige Frage ist: Handelt es sich um laufende Steuer oder Altrückstände?

Laufende USt k a n n nicht gestundet werden. Kann sie nicht bezahlt werden, ist die Firma mit allen Konsequenzen pleite.

Bei Altlasten kann man jederzeit mit der Vollstreckungsstelle reden und ggf. einen geeigneten Zahhlungsplan vereinbaren.

Antwort
von KryptoMan, 3.205

Das ist eine Einzelfallentscheidung und du solltest mit deinem Ansprechpartner beim Finanzamt darüber sprechen. Wenn es sich um eine Ausnahme handelt, wird es vielleicht möglich gemacht.

Kommentar von vulkanismus ,

Es ist k e i n e Einzelfallentscheidung.

Wenn er mit dem Finanzamt redet, kommen die Herren mit den weissen Turnschuhen.

Kann er laufende USt nicht bezahlen, hat er Konkurs anzumelden.

Nur bei Altlasten ist ein Gespräch mit dem Bearbeiter der Vollstreckungsstelle dringend anzuraten.

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Finanzamt, 2.623

Da Du die Umsatzsteuer ja von Deinen Kunden eingenommen hast und eigentlich nur weiterleiten mußt, wird Umsatzsteuer nur sehr ungern gestundet.

Versuche es mit einem vernünftigen Ratenzahlungsvorschlag.

Prüfe aber auch Deine Buchführung, weil Du eigentlich die eingenommene Umsatzsteuer nicht für Investitionen, oder Privatentnahmen nutzen solltest.

Kommentar von LittleArrow ,

Da Du die Umsatzsteuer ja von Deinen Kunden eingenommen hast

Eingenommen? Naja, die Lieferung wurde fakturiert, aber wenn der Kunde nicht zahlt, muss der Umsatzsteuersaldo trotzdem gezahlt werden.

Kommentar von wfwbinder ,

@little Arrow

Wenn es eine Sache von Sollbesteuerung und einem sehr hohen Betrag wäre, dann könnte man das ja nachweisen. Aber das ist extrem selten. Schließlich wird im Baubereich heute schon quasi ohne Steuer gearbeitet.

Kommentar von vulkanismus ,

Laufende USt kann nicht gestundet werden (hat mit ungern nix zu tun).

Kommentar von Meandor ,

Wo steht in § 222 AO das Umsatzsteuer nicht gestundet werden kann? Nirgends. Satz 3 bezieht sich nur auf die Lohnsteuer.

Umsatzsteuer kann gestundet werden. Alltägliches Beispiel ist eine Verrechnungsstundung.

Die Frage bei der Umsatzsteuerstundung ist wie immer, ob jemand stundungsbedürftig und stundungswürdig ist, und sollten beide Voraussetzungen vorliegen, dann wird auch gestundet.

Kommentar von vulkanismus ,

Mein lieber Mann, da hat aber einer Ahnung. Eine Verrechnungsstundung hat mit Veranlagungsergebnissen zu tun und nichts mit laufender Umsatzsteuer.

Wer solche schuldet, ist weder stundungsbedürftig noch stundungswürdig. Und somit wird auch nicht gestundet.

Er wird im Gegenteil ausvollstreckt, um ihm keinen ungerechtfertigen Vorteil gegenüber soliden Geschäftsleuten zu verschaffen.

Kommentar von EnnoBecker ,

Ich sehe das wie vulki.

Auch die Sollbesteuerung schützt da nicht. In den Ablehnungsschreiben heißt es stets, dass der Gesetzgeber diese Härte bewusst in Kauf genommen hat und dass diese jeden Sollversteuerer gleichermaßen betrifft.

Kein Chance.

Kommentar von wfwbinder ,

Rein rechtlich keine Frage, vollkommen richtig.

Nun komme ich wieder mit meinen "unmöglichen Ansichten udn Behauptungen," die in der Praxis schon oft funktioniert haben.

1/3 zahlen, gleichzeitgi Stundungsantrag. Es kommt die Ablehnung und die Mahnung, dann beschwerde mit Antrag auf Aussetzung der Vollziehung. Die zweite Rate wird gezahlt. Ich habe noch keinen Fall gehabt, wo wegen des letzten Drittels wirklich der Vollstrecker geschickt wurde.

Ich gebe zu, nciht wie vom Gesetzgeber gewollt, aber wenn einer richtig klamm ist, hilft es weiter.

Ändert aber natürlich nichts daran, dass es vollkommen übel ist die Umsatzsteuer zu verbraten

Kommentar von EnnoBecker ,

Selbstverständlich gibt es Kniffe und Tricks, wie man trotz zu erwartender oder bereits erfolgter Ablehnung ein wenig Luft verschaffen kann.

Aber das werden wir doch nicht hier im Forum bis zum Ende erörtern, oder?

Kommentar von LittleArrow ,

:-)))

Kommentar von vulkanismus ,

Da Du von Praxis sprichst:

So wie´s aussieht, ist die USt bereits fällig (gewesen). Auch wenn er 1/3 zahlen kann und Stundungsantrag stellt, kommt die Mahnung wahrscheinlich noch vor der Ablehnung. Bis er mit der Beschwerde (die er ja selbst nicht verfassen kann) daherkommt, hat er die Vollstreckung am Hals.

Dein Vorschlag ist rechtlich schon ok, kommt aber in der Praxis so gut wie nicht vor.

Warum? Weil Pleitefirmen dies nicht ohne Grund sind und nichts auf dem Markt zu suchen haben (Marktbereinigung durch die Vollstreckungsstelle ist politisch gefordert).

Kommentar von EnnoBecker ,
Weil Pleitefirmen dies nicht ohne Grund sind

Oftmals gibt es sogar einen klar benennbaren Grund: Der Steuerberater war "zu teuer".

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Finanzamt, 2.782

Den gegeben Antworten ist nichts hinzuzufügen. Umsatzsteuer kann nur in extremen Ausnahmen gestundet werden bzw. Ratenzahlung gewährt werden.

Antwort
von Privatier59, 2.087

Die reißen Dir den Kopf ab, von den übrigen Körperteilen ganz zu schweigen. Die Umsatzsteuer hast Du doch vereinnahmt. Wie kommt man da denn auf die Idee, die zweckwidrig zu verwenden?

Antwort
von freelance, 2.101

hm. Die Umsatzsteuer, die du zu zahlen hast ans Finanzamt hast du selbst bekommen. Oder zahlen die die Umsatzsteuer auch an dich in Raten?

Du kannst es versuchen, aber ich denke, das wird nur in Ausnahmefällen funktionieren. Die USt ist ein durchlaufender Posten. Das Finanzamt hat die USt, die du abführen musst, an einen Dritten als Vorsteuer gezahlt. Daher ist das FA hier sehr darauf aus, das Geld schnell zu bekommen.

Kommentar von freelance ,

das mit dem durchlaufenden Posten und der Vorsteuer gilt nur bei B2B.

Kommentar von gammoncrack ,
Oder zahlen die die Umsatzsteuer auch an dich in Raten?

Sehr schön!

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