Frage von McJoey, 153

Ist es steuerlich - trotz Poolabschreibung - erlaubt GWG zu aktivieren?

Die derzeitige Regelung zur Poolabschreibung sieht ja eine Wahlmöglichkeit vor:

a) GWG-Sofortabschreibung bis 410 Euro (ab 150 Euro aufzeichnungspflicht).

b) abweichend zu a) Abschreibung "kann" ein Sammelposten gebildet werden, wenn AHK Zwischen 150 und 1000 Euro liegen. Das ist im WJ für alle betr. WG gleich anzuwenden. GWG bis 150 Euro "können" sofot abgeschrieben werden

Das lässt leider folgende Fragen offen (bei Bildung eines Sammelpostens):

  1. Kann ich GWG bis 150 Euro trotzdem aktivieren? --- Im Wortlaut des §6 Abs.2 Satz 4 EStG steht ja "können... als BA abgezogen werden".

  2. Können auch GWG bis 150 Euro mit in den Pool? --- Nach §6 Abs.2 Satz 1 wohl nicht, hier ist 150 als untere Grenze genannt.

  3. Kann ich einzelne GWG zwischen 410 und 1000 Euro trotzdem aktivieren? --- Dem Wortlaut nach scheint mir die Aufnahme in den Pool Pflicht, aber fallen aktivierte GWG denn überhaupt unter die Wahlmöglichkeit? Ich wäre ja auch nicht verpflichtet, die GWG-Sofortabschreibung nach Variante a) zu nutzen.--- Wichtig z.B. bei Inanspuchnahme einer Sonderabschrebung nach §7g Abs. 5. Denn es gibt ein Urteil, welches die Sonderabschreibung im Sammelposten ausschließt. Man müsste daher auf die SAbschr. verzichten, oder das WG nicht in den Sammelpool aufnehmen.

  4. Was ist mit einem IAB (§7g Abs. 2)? --- Kann man diesen als BA abziehen, und dann das GWG mit RBW (falls kleiner 1000 Euro) dem Pool zuschreiben?

  5. Wenn ich ein GWG fälschlicherweise als Nicht-GWG eingeschätzt habe (z.B. einen Drucker mit Fax) und ihn deshalb einer bestehenden Sachanlage (z.B. PC) zugeschrieben habe, interessiert das das FA überhaupt und korrigiert es entsprechend? Oder ist evtl. sogar die tatsächliche Verwendung entscheidend, ob GWG oder nicht-GWG?

Vielleicht weiß der eine oder andere von euch hierzu genaueres. Im Internet hab ich tausende seiten gefunden, leider geht es dort immer nur in dieselbe Richtung, möglichst alles sofort abzuziehen...

Antwort
von EnnoWarMal, 130

Also vorab:

§ 6 (2)(2a) EStG beschreiben, was mit bestimmten Gegenständen im Wert zwischen 150,01 Euro und 1.000,00 Euro passieren kann oder muss.

Was nicht beschrieben wird, ist, was mit jeder einzelnen Büroklammer oder Kaffeetasse buchhalterisch zu geschehen hat. Das ist m.E. auch nicht nötig, denn die Bewertungsfreiheit bezieht sich ja (hier) nicht auf laufenden Aufwand, sondern um Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens.

Man mag entgegenhalten, dass auch eine Büroklammer oder Kaffeetasse Anlagevermögen ist - aber es ist ja gerade der Sinn der 150-Euro-Regelung, dass man nicht jeden Bleistift aktivieren muss.

Im Einzelnen:

Kann ich GWG bis 150 Euro trotzdem aktivieren? --- Im Wortlaut des §6 Abs.2 Satz 4 EStG steht ja "können... als BA abgezogen werden".

Wie bereits geschrieben, bezieht sich der Wortlaut auf Gegenstände, die mehr als 150 Euro kosten. Meiner Ansicht nach scheidet eine Aktivierung Gegenständen unter 150,01 Euro aus, weil es sich hierbei um laufenden Aufwand handeln soll.

Können auch GWG bis 150 Euro mit in den Pool? --- Nach §6 Abs.2 Satz 1 wohl nicht, hier ist 150 als untere Grenze genannt.

Absatz 2a Satz 1.

Mit derselben Begründung wie oben: Nein.

Kann ich einzelne GWG zwischen 410 und 1000 Euro trotzdem aktivieren?

Ja, deshalb heißt das Ding ja Bewertungsfreiheit.

Was ist mit einem IAB (§7g Abs. 2)? --- Kann man diesen als BA abziehen, und dann das GWG mit RBW (falls kleiner 1000 Euro) dem Pool zuschreiben?

Ich vermute, dass du hier nicht die Bildung/Auflösuung des IAB meinst, sondern die Kürzung der AHK. Werden die AHK gekürzt, so gelten die Regelungen des § 6 (2) (2a). Aber aufpassen: Die Kürzung muss im Jahr der Anschaffung/Herstellung passieren, sonst greift § 6 (2)(2) - jeweils Satz1 - nicht mehr.

Wenn ich ein GWG fälschlicherweise als Nicht-GWG eingeschätzt habe (z.B. einen Drucker mit Fax) und ihn deshalb einer bestehenden Sachanlage (z.B. PC) zugeschrieben habe, interessiert das das FA überhaupt und korrigiert es entsprechend? Oder ist evtl. sogar die tatsächliche Verwendung entscheidend, ob GWG oder nicht-GWG?

Nö, das Finanzamt macht da gar nichts. Bewertungsfreiheit heißt ja eben, dass du die GWG nicht als solche behandeln willst. Dieses Recht kann dir niemand nehmen.

.

Mirt ist bei der ganzen Sache unklar, warum du ein höheres Betriebsergebnis erzielen willst, gleichzeitig aber mit einem IAB herumspielst. Da passt doch irgendwas nicht.

Kommentar von McJoey ,

Hab vielen Dank für Deine Antwort!

"Bewertungsfreiheit", das war das gesuchte Wort! Mir war nur bisher nicht klar, ob nicht diese Bewertungsfreiheit durch die Poolregelung für GWG von 150-1000 Eur auch eingeschränkt wird.

Ist die Bewertungsfreiheit explizit im Gesetz verankert, oder mehr Auslegungssache? §6 nennt sich zwar "Bewertung", ist aber in dieser Frage eher uneindeutig.

Zur Kürzung der AHK (IAB) hab ich eben auch noch R.6.13 EStR  gefunden, der das explizit beschreibt.

Sachen kleiner 150 Euro sind ja meistens Gebrauchsgegenstände, Büromaterial, etc., sowas würde ich auch kaum aktivieren wollen (diese Frage war eher theoretischer Natur). Dennoch fallen bei mir recht viele solcher Kleinsachen an, weshalb eine Sammelpostenbildung hin und wieder einen Vorteil für mich brächte.

Wegen höherem Betriebsergebnis und IAB ("da passt doch irgendwas nicht" *g*): Ich habe extrem schwankende Einnahmen, da ich aufgrund meiner Tätigkeit seltene, dafür jedoch größere Einnahmen generiere. 2013 wurde ein guter Gewinn erwirtschaftet, Abschreibungen machen sich also bezahlt. 2014 habe ich in neue Projekte investiert und nur geringen Umsatz erwartet, daher der IAB in 2013 für die Investitionen in 2014. Insgesamt stellt sich für 2014 ein Verlust dar, den ich nach 2015 vortragen möchte. In 2015 bin ich mit dem verrechneten Verlust knapp über dem Grundfreibetrag. Daher möchte ich mein Betriebsergebnis 2014 gerne erhöhen, um Abschreibungen in die Folgejahre (2016+) zu verlagern, damit sie nicht im Grundfreibetag bei zu niedrigem Steuersatz "hängen" bleiben.

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